Nike polstert mit zweierlei Maß

Schlecht gepolstert und teurer als anderswo: China wirft Nike vor, Chinesen als Kunden zweiter Klasse zu behandeln

Nike hatte seinen Basketballschuh "Zoom Hyperdunk" in China mit doppelter Luftpolsterung beworben und um 1.299 Yuan zum Verkauf angeboten. Dass der Schuh nicht mit der Werbung Schritt halten konnte, blieb laut dem Blog "German-China" nicht lange verborgen. Kunde Wang Hai, "berühmt für das Auffinden von niedriger Qualität und gefälschten Produkten", fand heraus, dass "Zoom Hyperdunk" statt mit den versprochenen zwei nur mit einem Luftpolster ausgerüstet war.

Wang fiel aber nicht nur das Tricksen bei den Luftpolstern auf. Er stellte auch fest, dass die Schuhe in den Vereinigten Staaten nicht nur doppelt gepolstert waren, sondern sich auch der Preis erheblich unterschied. Während die trendigen Treter in Amerika 125 US-Dollar pro Paar kosteten, hatten chinesische Kunden umgerechnet 208 US-Dollar zu berappen.

Als Nike im September 2011 dabei ertappt wurde, rief das Unternehmen alle "Zoom Hyperdunk"-Modelle zurück und bot seinen Kunden an, das Geld zurückzuzahlen. Doch das schützte das Unternehmen nicht vor Strafe: Die Pekinger Industrie- und Handelsbehörde verhängte jetzt laut "Financial Times Deutschland" gegen Nike wegen irreführender Werbung eine Geldstrafe von 4,87 Millionen Yuan, umgerechnet 780.000 Dollar. Sie warf Nike vor, Chinesen als Kunden zweiter Klasse zu behandeln.

Qualitätsprodukte für China und die Welt

Nike räumte laut dem Bericht nach der Entscheidung ein, in seiner Werbung teilweise falsche Angaben gemacht zu haben. Gleichzeitig beteuerte das Unternehmen aber auch, sowohl die von der chinesischen Regierung festgelegten Qualitätsregeln als auch die eigenen Leistungsstandards eingehalten zu haben. Das Unternehmen wolle sicherstellen, künftig alle Vorgaben und Regulierungen des Landes einzuhalten und den Kunden in China und rund um die Welt Qualitätsprodukte zu liefern, hieß es.

Laut Medienberichten geht chinesischen Rechtsexperten die Strafe nicht weit genug. "Das war nicht nur eine Diskriminierung der chinesischen Konsumenten, sondern eine Verletzung chinesischer Gesetze und Verordnungen", zitiert die Zeitung "China Daily" den Juristen Yi Shenghua von der Pekinger Anwaltskanzlei Yingke. Es sei nicht das erste Mal, dass chinesische Kunden von westlichen Unternehmen schlechter behandelt worden seien als in anderen Märkten.

Irreführende Werbung und Messen mit zweierlei Maß seien bei einigen internationalen Unternehmen im Kommen, so Yi. Das gelte sowohl bei Bekleidung als auch bei Lebensmittel- und Elektronikprodukten. Der Rechtsanwalt fordert demnach die Regierung auf, mehr zu unternehmen, um chinesische Konsumenten vor solchen Praktiken zu schützen. (rb, derStandard.at, 30.10.2012)

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