Hedgefonds werden angezählt

Hedgefonds gelten als hochspekulative Anlagevehikel zur wundersamen Geldvermehrung. Doch die neuen Kunden der Branche wollen etwas anderes

Viele Hedgefonds werden angezählt. Denn nicht nur beim Charity-Event "Hedge Fund Fight Nite" vergangene Woche (im Bild links) müssen Hedgefondsmanager der erfolgsverwöhnten Branche Schläge einstecken. Auch im Tagesgeschäft läuft es weniger rund, und das obwohl die Nachfrage nach "alternativen" Investitionen abseits von Aktien und Anleihen hoch bleibt.

Wer an Hedgefonds denkt, denkt an Milliardengewinne, riskante Wetten und hohe Boni. Doch die Krise hat ihre Spuren hinterlassen. Das zeigen etwa die Zahlen zu diesem Jahr ganz deutlich. So haben etwa viele Vermögende ihre Gelder aus der Branche abgezogen. Denn um weiter zu wachsen (aktuell werden rund zwei Billionen Dollar von Hedgefonds verwaltet), versuchen die Fonds in den Portfolios von Pensionskassen und Versicherungen zu landen. Doch die wollen ein anderes Renditeprofil als reiche Privatleute. Statt Rendite steht dort das Risiko im Vordergrund. Damit steht die Branche vor einem Umbruch.

So sind viele Hedgefonds derzeit mit angezogener Handbremse unterwegs. Das zeigt ein Blick in die jüngsten Fondsstatistiken. Laut Daten von Lipper sind zwar knapp 60 Prozent der Fonds aus der Anlageklasse "Alternative", die Hedgefondsstrategien wie etwa Managed Futures verfolgen, im Plus: im Schnitt haben die Anleger aber dieses Jahr nur 1,4 Prozent von einer alternativen Geldanlage bekommen. Das ist vor allem im Vergleich mager. Deutsche Aktien brachten im selben Zeitraum gemessen am Dax 22 Prozent, US-Papiere immer 13,5 Prozent und die arg gebeutelten europäischen Aktien brachten immer noch knapp 9,9 Prozent. Mit einem stinknormalen europäischen Anleihenfonds waren immerhin noch 6,7 Prozent Rendite seit Jahresbeginn drin.

Während die Aktienmärkte und die Anleihenmärkte also recht ansehnliche Renditen gebracht haben, haben Hedgefonds ausgelassen. Doch die Durchschnittszahlen unterschätzen das Problem. Denn es sind gerade die großen Hedgefonds, die an mittelmäßiger Performance leiden. So hat etwa der größte Hedgefondsanbieter Man Group mit heftigen Mittelabflüssen zu kämpfen. Auch Paulson & Co. kämpft gegen die Renditeflaute. Milliardär John Paulson war mit Wetten gegen den US-Immobilienmarkt 2006 und 2007 reich geworden, doch seine jüngsten Investments in Bankaktien haben seinen Anlegern Verluste beschert.

Klein und fein

Daher greifen immer mehr institutionelle Anleger zu kleinen Hedgefonds. Denn kleinere Fonds gelten als überlegen, zumindest wenn es nach akademischen Studien geht. Der Grund: sie können von mehr Chancen profitieren, während ein Fonds mit mehr als 500 Millionen Dollar Vermögen zu groß ist, um etwa in Aktien oder Anleihen kleinerer Unternehmen zu investieren. Daher können sie Marktineffizienzen besser ausnutzen und so höhere Rendite bringen.

Dafür braucht es aber gerade die Geduld von Investoren, die auch eine verlustreiche Episode aussitzen ohne ihr Geld abzuziehen. Ob Pensionskassen und Versicherungen als neue Kunden der Hedgefondsbranche dazu bereit sind, ist angesichts der hohen Unsicherheit am Kapitalmarkt und den niedrigen Zinsen auf sichere Anleihen fraglich. (Lukas Sustala, derStandard.at, 29.10.2012)

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