Hedgefonds werden angezählt

Lukas Sustala
29. Oktober 2012, 18:25

Hedgefonds gelten als hochspekulative Anlagevehikel zur wundersamen Geldvermehrung. Doch die neuen Kunden der Branche wollen etwas anderes

Viele Hedgefonds werden angezählt. Denn nicht nur beim Charity-Event "Hedge Fund Fight Nite" vergangene Woche (im Bild links) müssen Hedgefondsmanager der erfolgsverwöhnten Branche Schläge einstecken. Auch im Tagesgeschäft läuft es weniger rund, und das obwohl die Nachfrage nach "alternativen" Investitionen abseits von Aktien und Anleihen hoch bleibt.

Wer an Hedgefonds denkt, denkt an Milliardengewinne, riskante Wetten und hohe Boni. Doch die Krise hat ihre Spuren hinterlassen. Das zeigen etwa die Zahlen zu diesem Jahr ganz deutlich. So haben etwa viele Vermögende ihre Gelder aus der Branche abgezogen. Denn um weiter zu wachsen (aktuell werden rund zwei Billionen Dollar von Hedgefonds verwaltet), versuchen die Fonds in den Portfolios von Pensionskassen und Versicherungen zu landen. Doch die wollen ein anderes Renditeprofil als reiche Privatleute. Statt Rendite steht dort das Risiko im Vordergrund. Damit steht die Branche vor einem Umbruch.

So sind viele Hedgefonds derzeit mit angezogener Handbremse unterwegs. Das zeigt ein Blick in die jüngsten Fondsstatistiken. Laut Daten von Lipper sind zwar knapp 60 Prozent der Fonds aus der Anlageklasse "Alternative", die Hedgefondsstrategien wie etwa Managed Futures verfolgen, im Plus: im Schnitt haben die Anleger aber dieses Jahr nur 1,4 Prozent von einer alternativen Geldanlage bekommen. Das ist vor allem im Vergleich mager. Deutsche Aktien brachten im selben Zeitraum gemessen am Dax 22 Prozent, US-Papiere immer 13,5 Prozent und die arg gebeutelten europäischen Aktien brachten immer noch knapp 9,9 Prozent. Mit einem stinknormalen europäischen Anleihenfonds waren immerhin noch 6,7 Prozent Rendite seit Jahresbeginn drin.

Während die Aktienmärkte und die Anleihenmärkte also recht ansehnliche Renditen gebracht haben, haben Hedgefonds ausgelassen. Doch die Durchschnittszahlen unterschätzen das Problem. Denn es sind gerade die großen Hedgefonds, die an mittelmäßiger Performance leiden. So hat etwa der größte Hedgefondsanbieter Man Group mit heftigen Mittelabflüssen zu kämpfen. Auch Paulson & Co. kämpft gegen die Renditeflaute. Milliardär John Paulson war mit Wetten gegen den US-Immobilienmarkt 2006 und 2007 reich geworden, doch seine jüngsten Investments in Bankaktien haben seinen Anlegern Verluste beschert.

Klein und fein

Daher greifen immer mehr institutionelle Anleger zu kleinen Hedgefonds. Denn kleinere Fonds gelten als überlegen, zumindest wenn es nach akademischen Studien geht. Der Grund: sie können von mehr Chancen profitieren, während ein Fonds mit mehr als 500 Millionen Dollar Vermögen zu groß ist, um etwa in Aktien oder Anleihen kleinerer Unternehmen zu investieren. Daher können sie Marktineffizienzen besser ausnutzen und so höhere Rendite bringen.

Dafür braucht es aber gerade die Geduld von Investoren, die auch eine verlustreiche Episode aussitzen ohne ihr Geld abzuziehen. Ob Pensionskassen und Versicherungen als neue Kunden der Hedgefondsbranche dazu bereit sind, ist angesichts der hohen Unsicherheit am Kapitalmarkt und den niedrigen Zinsen auf sichere Anleihen fraglich. (Lukas Sustala, derStandard.at, 29.10.2012)

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22 Postings

freu mich schon auf die k.o. meldung. angezählt alleine reicht nicht aus.

AAPL 300 $

sollte die meisten killen.

Sie wissen, was zu tun ist.

schnapp schnapp

jetzt sind die privatpensionen dran

Die berühmten Ineffizienzen

Die die aktiven Fonds outperformen lassen :)

Die einzige Ineffizienz im Markt sind die Fondsmanager selbst...

das sind die modernen massenmörder

In Ihrem engen Horizont vielleicht

Mir würden da ganz andere Sachen einfallen:
Religion und Verhütung in Afrika und die dadurch schwelende AIDS-Epidemie
Schweizer Nahrungsmittelfirma und afrikanische Kinder
Rüstungsindustrie und Menschen allgemein
EU- und US-Agrarsubventionen und mangelhaft entwickelte Landwirtschaft in den Entwicklungsländern
Beschneidung von Mädchen und nachfolgende medizinische Komplikationen
Milliardenfach zerhäckselte männliche Kücken in der Nahrungsmittelindustrie

Die Hedge-Fond sind dagegen wirklich der berühmte Lärcherlschas. Bevor man die angeht gibts einen Haufen wichtigerer Baustellen.

Das etwas falsch ist, mach was anderes noch lange nicht richtig!

Und was Hedgefonds anrichten, sollte man gerade in diesen Tagen niemandem erklären müssen.

Was bringt ein Hedgefond der Gesellschaft? Und warum sollen diese Arbeit erlaubt sein? Das wäre wie wenn ich im Nadelstreif mit Millionenboni den Wienerwald anzünden ginge!

Das kann man nicht so einfach trennen:

Worin investieren ihrer Meinung nach Hedgefonds?

Womöglich auch in Aktien von Pharma-, Lebensmittel-und Rüstungskonzernen?

"Hedgefonds gelten als hochspekulative Anlagevehikel zur wundersamen Geldvermehrung."

Hedgefonds sind genauso spekulativ wie andere Fonds auch. Und wundersame Geldvermehrung gibts nirgendwo, wo der durchschnittliche Ertrag höher ist ist auch das Risiko höher. Die o.a. Beschreibung glaubt also vielleicht der durchschnittliche Krone-Leser, aber sonst...

Und das Beste: Wenn das Risiko bzw. der Hebel nur hoch genug sind, dass sie als "sytemrelevant" durchgehen, werden's herausgepaukt. Wie LTCM zum Beispiel.

Nur das bei LTCM die FED nur die Organisation der Rettung übernommen und die Finanzwirtschaft sich um die eigentliche Abwicklung gekümmert hat. Allen war klar das der Schaden bei einer kontrollierten langsamen Abwicklung viel geringer wird, als wenn man den Fonds mit der Sense umhackt.

Und nur, dass solche Fonds schlicht verboten gehören.

Zocken können die Herrschaften meinethalben in Baden-Baden, wo sie sich nach Lust und Laune gegenseitig das Geld aus der Tasche ziehen sollen. Gegen solche Freakshows in geschlossener Gesellschaft ist nichts einzuwenden, jedem Tierchen sein Pläsierchen.

Aber nicht dort, wo das Wohl und Wehe ganzer Volkswirtschaften auf dem Spiel steht.

LTCM hat in so hochspekulative Sache wie US-Staatsanleihen unterschiedlicher Fristigkeiten spekuliert. Sie haben nur übersehen dass die schönste Risikoeinschätzung egal ist, wenn man selber einen Großteil aller Papiere in einem Segment besitzt und damit gefangen ist sobald sich die Umstände ändern. Das kommt dabei raus wenn Akademiker mit schönen Modellen arbeiten und dann andere Einflüße ignorieren.

Eig ist LTCM ein schönes Bsp für Selbstregulierung. Als deren Wahnsinn bekannt wurde, wurden sie innerhalb weniger Tage von anderen Hedgefonds aus dem Geschäft geschossen.

Falsch

Hedgefonds sind gegenüber normalen Fonds weitaus weniger Restriktionen und Regulationen ausgesetzt. Zum Beispiel dürfen in einem normalen Fond keine Short Positionen eingenommen werden, in einem Hedgefond schon. Normale Fonds dürfen generell nur in sehr geringem Ausmaße geleveraged werden, zudem müssen die Anteile den Anlegern jederzeit auszahlbar sein.

Ihre Ansicht entspricht nicht der Realität

HF gibt es in vielen Ausprägungen, einige davon weisen wesentlich weniger Risiken auf als blosse Aktienfonds. Der gelebte Anlegerschutz verbietet Aktienfonds weitgehend Derivate einzusetzen und erreicht bei bestimmten Strategien doch nur, dass der Anleger auf hohen Risiken sitzen bleibt. Diese Manager müssen auf HF ausweichen, sind gezwungen Cayman o.ä. Konstruktionen zu wählen, mit dem großen Nachteil von sinnvollen Organen nicht mehr geprüft werden zu können. Die Materie ist für den Gesetzgeber zu kompliziert, auch die Berater sind überfordert. Schade nur, dass von den unterschiedlichen HF- Strategien auch extrem sichere dem Anleger entgehen. Schade auch, dass Aktien immer noch als sicherer gelten als bestimmte Derivatestrategien.

Besonders schön sind "Schutzmechanismen für Kleinanleger" die für gewisse Assetklassen Mindestquoten vorsehen und gleichzeitig Derivate (Absicherung) verbieten. Da muss man dann sehenden Auges Verluste machen weil man aus einem Markt nicht rausdarf und gleichzeitig nicht hedgen darf.

derivate können zum totalverlust führen(emittentenrisiko), aktien sind sondervermögen.

Bei börsegehandelten Derivate können sie das Kontrahentenrisiko vernachlässigen, keine Institution exekutiert schneller und effizienter wie Börsen, wenn die festgelegten Grenzen überschritten werden. Was Sie meinen sind wohl Optionsscheine, diese weisen tatsächlich Emittentenrisiken auf, Tip von mir: Hände weg davon (monopolistische Preisbildung, nur long Positionen möglich). Überhaupt sollte Derivatehandel nur über Börsen gestattet werden (auch Stuttgart sollte verboten werden, jedweder OTC Handel sowieso)

Aktien können nicht zum Totalverlust führen?!?
Wie würden Sie dann die Situation für Aktionäre bezeichnen, wenn die Aktiengesellschaft pleite geht (vgl Enron)? Eventuell Totalverlust ;-)

Es gibt auch jetzt schon genug Derivate die über Clearingstellen abgewickelt werden. Da müsste es die Clearingstelle aufstellen damit das Emmittentenrisiko schlagend wird. Wenn das passiert haben die meisten wohl größere Probleme als den Ausfall eines Counterparts.

"moderne massenvernichtungswaffen"(buffet).

einem Kleinkind sollte man ja auch keine Waffen in die Hände geben. Nur weil Derivate für jene zu kompliziert sind, die sich nicht tiefgehend damit beschäftigt haben, müssen sie nicht verboten werden. Es darf ja auch nicht jeder mit einem Düsenjet fliegen.

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