Sicher verhüten bis zum Klimakterium

  • Der Hormonspiegel ist kein Anhaltspunkt dafür, ob eine Frau noch schwanger werden kann oder nicht.
    foto: apa/ulrich perrey

    Der Hormonspiegel ist kein Anhaltspunkt dafür, ob eine Frau noch schwanger werden kann oder nicht.

Es gibt keine fixe Regel dafür, wie lange Frauen verhüten sollten - Hormone bieten keinen guten Anhaltspunkt

Frauen über 45 werden bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr längst nicht mehr so leicht schwanger wie mit 20 oder 30 Jahren. Trotzdem sollte eine sichere Verhütung unbedingt bis zum Klimakterium weitergeführt werden. Denn bis zum Ende der Menstruation und auch noch einige Zeit darüber hinaus ist ein Eisprung immer noch möglich und damit eine Schwangerschaft.

Gesunde Nichtraucherinnen mit Normalgewicht können die Pille als Verhütungsmittel so lange nahmen, bis die Menopause eintritt. Voraussetzung ist, dass sie keine Risiken mitbringen. Wenn eine Neigung zu Krampfadern und Thrombosen bekannt ist - auch in der Familie -, oder wenn eine Frau an Bluthochdruck, Diabetes oder Migräne erkrankt ist, sollten dagegen keine Kombinationspräparate verwendet werden, die aus einem Östrogen- und einem Gestagen-Anteil bestehen. In diesen Fällen empfehlen Experten, Pillen zu verwenden, die kein Östrogen enthalten, oder Systeme, die in die Gebärmutter eingelegt werden und ebenfalls auf Östrogene verzichten.

Auch so genannte "Barrieresysteme" kommen in Frage, zu denen Kondome ebenso zählen wie Pessare, die in die Scheide eingelegt werden. Wenn die Familienplanung abgeschlossen ist, kann auch eine Sterilisierung der Frau oder des Partners eine geeignete Methode sein.

Auf Laborwerte ist kein Verlass

Wie lange die Verhütung fortgesetzt werden sollte, dafür gibt es keine feste Regel. Die Menopause - also der letzte Eisprung und das Ende der fruchtbaren Zeit - tritt bei Frauen in Mitteleuropa im Durchschnitt mit 51 Jahren ein, bei manchen Frauen früher, bei manchen aber auch deutlich später. Die Messung von Hormonen bringt hier oft eine trügerische Sicherheit, weil die Hormonspiegel im Blut sich oft schon viele Jahre vor der Menopause deutlich verändern und keinen guten Anhaltspunkt dafür bieten, wann eine Frau tatsächlich nicht mehr schwanger werden kann.

Wenn sich eine Frau also auf diese Laborwerte verlässt und aufhört zu verhüten, besteht die Gefahr, dass sie mit Ende 40 doch noch schwanger wird: Laut statistischem Bundesamt werden bei Frauen im Alter von 45 und 55 Jahren in den ersten 12 Wochen der Schwangerschaft pro Jahr circa 700 Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt.

Das englische Royal College for Obstetricians and Gynecologists empfiehlt, bei Frauen über 45 Jahren ein Intrauterinsystem zu legen, z.B. eine Kupfer- oder Hormonspirale, und sie sieben Jahre oder länger in der Gebärmutter zu belassen. In Deutschland sind Intrauterinsysteme allerdings nicht für eine so lange Liegedauer zugelassen. (red, derStandard, 29.10.2012)

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