Job-Integration Kranker: Es wird strukturiert

Interview29. Oktober 2012, 11:33
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"fit2work" hilft bei der Integration Kranker in die Firma - Projektleiterin Renate Czeskleba erklärt das Programm

STANDARD: "Partnerschaft für Prävention - Gemeinsam Gesundheit und Arbeitsfähigkeit erhalten" ist Motto einer laufenden EU-Kampagne. Sie engagieren sich in diesem Thema in der Betriebsberatung, sind gemeinsam mit Irene Kloimüller Projektleiterin des nationalen Programms "fit2work", eines Beratungsangebots für Betriebe, um systematisch kranke Menschen zu integrieren. 20 Unternehmen machen da heuer mit Unterstützung des AMS, der Sozialversicherungen und des Bundessozialamtes mit. Warum engagieren Sie sich für dieses Integrationsthema?

Czeskleba: Mir geht es darum, Neues in die Unternehmen zu tragen und umzusetzen, und dafür sind jetzt viele Fenster offen, gibt es Aufmerksamkeit und Förderung.

STANDARD: Über dem Thema hängt gern der Generalverdacht des Schaffens von "Schonarbeitsplätzen" ...

Czeskleba: Ja, das ist aber ganz falsch. Es geht um die wertvollen Ressourcen in Betrieben, die wir unbeachtet lassen, indem wir nicht aktiv auf sie zugehen. Ziel ist ja das Erhalten der Produktivität und einer arbeitsfähigen Belegschaft durch Integrieren nach Krankheit oder während einer Krankheit.

STANDARD: Die Bilder zur Gesundheit sind aber noch andere ...

Czeskleba: Wir müssen uns von unreflektierten Zuweisungen lösen, nämlich dass, wer krank ist, selber schuld ist, und auch davon, dass, wer krank ist, sich selbst helfen kann. So gesehen ist die Hauptaufgabe von "fit2work" Sensibilisierung, Wachheit zu schaffen, so zu verlangsamen, dass wohlüberlegte Integration möglich wird.

STANDARD: Welche Motive nennen jene Unternehmen, die sich da heranwagen, die mitmachen?

Czeskleba: Ganz unterschiedlich: Es bestehen klare Kalküle, dass die Leute möglichst lang gehalten werden müssen, weil der Nachwuchs fehlt, aber es gibt auch Firmen, die angetrieben sind von einem Verantwortungsgefühl, Mitarbeiter nicht fallen zu lassen.

STANDARD: Gibt es schon Erfolge?

Czeskleba: Ja, mehr als man glaubt. Ich bin als Projektleiterin immer wieder überrascht, wer in Betrieben welche Wege öffnet und was schon alles geschehen ist. Die Stimme der Beraterin von außen ist dann oft dazu da, diese Kräfte in der Organisation zu vereinen. Dabei wird dann auch intern klar, dass es eine ganze Box von Unterstützungsmöglichkeiten gibt.

STANDARD: Wie weit sind wir mit Erhalt der Arbeitsfähigkeit und Integration kranker Menschen?

Czeskleba: Wir haben großen Nachholbedarf, das Thema der alternden Gesellschaft kommt aber jetzt großflächig an. Ganz wichtig: Unseren Umfragen zufolge warten die Belegschaften darauf, dass etwas getan wird. (Karin Bauer, DER STANDARD, 27./28.10.2012)

RENATE CZESKLEBA ist auch Geschäftsführerin von "Mensch und Arbeit".

Links:

  • Von unreflektierten Zuweisungen lösen: Wer krank ist, ist nicht selbst schuld - Integration kranker Menschen via "fit2work" als doppelseitiger Nutzenprozess: Projektleiterin Renate Czeskleba.
    foto: archiv

    Von unreflektierten Zuweisungen lösen: Wer krank ist, ist nicht selbst schuld - Integration kranker Menschen via "fit2work" als doppelseitiger Nutzenprozess: Projektleiterin Renate Czeskleba.

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