Bewegung senkt Risiko für koronare Herzkrankheit

29. Oktober 2012, 09:51
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Kardiologen setzen bei Vorbeugung und Therapie der KHK verstärkt auf körperliche Ausdaueraktivität und mehr Bewegung im Alltag: Wer sich regelmäßig bewegt, senkt Risiko für Herzinfarkt und Herzschwäsche

Körperliche Aktivität kommt im normalen Tagesablauf vieler Menschen kaum noch vor. Arbeit findet meist im Sitzen statt, Rolltreppen und Fahrstuhl ersetzen das Treppensteigen, Computerspiele das Toben im Freien. Vor dieser Entwicklung warnen Kardiologen und Internisten, denn Bewegungsmangel ist ein wesentlicher Risikofaktor für die Entstehung und das Fortschreiten einer koronaren Herzkrankheit (KHK).

Diese ist charakterisiert durch eine langsam fortschreitende Verengung der Herzkranzgefäße. Eine adäquate Durchblutung des Herzens findet nicht mehr statt. Herzinfarkt und Herzschwäche können die Folgen sein. Allein in Deutschland sind etwa 2,34 Millionen Frauen und 3,16  Millionen Männer von einer KHK betroffen, österreichweit geht man von circa 250.000 erkrankten Personen aus.

Bewegungsmangel als Risikofaktor

"Dass die KHK so gehäuft auftritt, ist zum großen Teil das Ergebnis unseres ungesunden Lebensstils. Bewegungsmangel ist ein wesentlicher Risikofaktor für die Entstehung und das Fortschreiten einer KHK", sagt der Kardiologe Stephan Gielen, stv. Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin III/Kardiologie am Universitätsklinikum Halle.

Zwar spielen Alter, erbliche Belastung und Geschlecht eine wichtige Rolle, jedoch entstehen die vier wichtigsten KHK-Risikofaktoren Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung und Diabetes hauptsächlich durch eine falsche Ernährung, Mangel an Bewegung, Übergewicht, Rauchen und Stress. "Deshalb setzen wir auf konsequente Vermeidung und Behandlung dieser Risikofaktoren durch einen gesunden Lebensstil. Dabei spielt die körperliche Aktivität eine wesentliche Rolle", betont der Herzspezialist.

Ausdaueraktivitäten wie flottes Gehen, Radfahren, Walken, Joggen, Schwimmen wirken sich grundsätzlich günstig auf das Herz aus und können das Auftreten einer KHK hinauszögern oder verhindern. Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt ein Training von mindestens 30 Minuten, 4- bis 5-mal pro Woche. "Dadurch wird die Leistungsfähigkeit erhöht, die Lebenserwartung verbessert und das Herz geschützt", bestätigt Gielen. Menschen mittleren Alters, die lange nicht wirklich körperlich aktiv waren, sollten sich vor Aufnahme einer intensiven Ausdauerbewegung ärztlich untersuchen lassen.

Gesteigerte Herzmuskeldurchblutung

Leidet ein Patient bereits an einer KHK, so ist ein gesunder Lebensstil mit regelmäßiger körperlicher Aktivität Basis jeder Therapie der KHK, ganz gleich, ob die Behandlung mit Medikamenten, Stents oder Bypass durchgeführt wird. "Inzwischen hat sich körperliche Aktivität zu einem wichtigen zusätzlichen Therapiekonzept in der Behandlung der KHK etabliert. Aus Erfahrung im Herz- und Gefäßsport wissen wir, dass sich keine Therapieform derart günstig auf die Lebensqualität der Patienten auswirkt wie das körperliche Training", stellt Gielen fest.

Auch für die Bewegungstherapie bei KHK gelten die Schutzfaktoren körperlicher Ausdaueraktivität von mindestens 30 Minuten, 4- bis 5-mal pro Woche: die körperliche Leistungsfähigkeit und Lebenserwartung werden verbessert, der Herzmuskel besser durchblutet, die Risikofaktoren Übergewicht, hohe Blutfett- und Blutdruckwerte werden günstig beeinflusst. Das Fortschreiten der KHK wird gebremst.

Allerdings sind diese Effekte durch Krafttraining nicht zu erreichen, das Training an Maschinen kann aber ergänzend eingesetzt werden. Denn Kraft und Flexibilität einzelner Muskelgruppen werden verbessert. Auch Bewegungstherapie mit langsamen Dehnungen (z. B. Tai-Chi, Gymnastik, Yoga) besitzt nicht die Effekte regelmäßiger Ausdauerbewegung, da große Muskelgruppen aktiviert werden müssen, um günstige Auswirkungen auf die KHK zu haben. Die Trainingsintensität muss bei Herzpatienten immer vom Arzt individuell ermittelt und dosiert werden, um den gewünschten Effekt zu erzielen und Komplikationen zu vermeiden. (red, derStandard.at, 29.10.2012)

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