Lidocain gegen Schmerzen nach Bandscheibenvorfall

Herkömmliche Analgetika zeigen gegen neuropathische Schmerzen keine Wirkung

Klagenfurt - "Rund acht Prozent der Europäer leiden unter neuropathischen Schmerzen. Leider werden diese Schmerzzustände oft weder erkannt noch behandelt", erklärte Rudolf Likar, Vorstandsmitglied der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG). Neuropathischer Schmerz stellt für die behandelnden Ärzte eine besondere Herausforderung dar, weil er einerseits für die Patienten besonders quälend ist und die meisten herkömmlichen Analgetika keine Wirkung zeigen.

Eine relativ neue Therapieoption im Kampf gegen neuropathische Schmerzen ist lokal appliziertes Lidocain. Vor kurzem wurde eine österreichische Studie im "International Journal of General Medicine" publiziert, die eine Wirksamkeit des Lidocain-Pflasters bei neuropathischen Schmerzen nach Bandscheibenvorfällen bestätigt.

Konstant niedriges Schmerzniveau

Im Schnitt wiesen die Teilnehmer zu Beginn der Studie eine Schmerzintensität von 8,3 auf der 11-teiligen Lickert-Skala auf. Die Hälfte der Patienten erhielt das Pflaster als Monotherapie, während die andere Hälfte zusätzlich, die bereits bestehende Medikation erhielt. Die durchschnittliche Behandlungsdauer betrug 7,6 Monate. "78 Prozent der Patienten verwendeten nur ein Pflaster am Tag, obwohl bis zu drei erlaubt gewesen wären", berichtet der Studienautor Likar.

Es zeige sich, dass sowohl die Gesamtschmerzintensität als auch die beiden Schmerzqualitäten "brennender" und „neuralgisch ausstrahlender Schmerz" im Rahmen der Lokaltherapie mit Lidocain sanken und während gesamten Behandlungsdauer auf einem konstant niedrigen Niveau blieben. Auch die Parameter abnormes Temperaturempfinden, Paraesthesie (Empfindungsstörung, Anm. Red.), Hyperalgesie (Überempfindlichkeit auf Berührungsreize, Anm. Red.) und Allodynie (gesteigerte Schmerzempfindlichkeit, Anm. Red.) verbesserten sich deutlich. "Das Lidocain-Pflaster erwies sich als eine sichere und effektive Therapieoption für Patienten mit neuropathischen Schmerzen", fasst Likar die Studienergebnisse zusammen. (red, derStandard.at, 29.10.2012)

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