Naturgewalt legt die Wall Street lahm

29. Oktober 2012, 09:55
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NYSE und Nasdaq stellen den Handel vorübergehend ein. Auch die Fed passt ihr Geschäft den Notfallplänen der Händler an

New York - Wirbelsturm "Sandy" zwingt die New Yorker Börsen zu einer Pause. Die wichtigsten Aktien- und Derivatemärkte bleiben am Montag geschlossen, wie Aufsichtsbehörden, Marktteilnehmer und Händler am Sonntagabend kurzfristig entschieden. Möglicherweise werde der Handel auch noch am Dienstag ruhen. Aufgrund der gefährlichen Lage könne die Sicherheit der Mitarbeiter und Händler nur schwer gewährleistet werden, erklärte der Börsenbetreiber NYSE Euronext.

Anleihenmärkte schließen vorzeitig

Wegen "Sandy" wird der öffentliche Nahverkehr in New York eingestellt, es werden Überschwemmungen und Stromausfälle befürchtet. Der Hurrikan wird in der Nacht auf Dienstag an der US-Ostküste erwartet. Er könnte einer der schwersten Wirbelstürme seit Jahrzehnten in den USA werden.

Die NYSE hatte zunächst geplant, nur den Parketthandel einzustellen, den elektronischen Handel aber nach dem Wochenende wieder zu öffnen. Der transatlantische Börsenbetreiber Nasdaq OMX erklärte, dass an allen Nasdaq-Handelsplätzen in den USA die Geschäfte ausfallen würden. Die Börsen des Unternehmens außerhalb der USA sollten aber wie geplant am Montag öffnen. Die Anleihenmärkte wollten zunächst ihre Arbeit aufnehmen, aber bereits zu Mittag schließen, teilte die zuständige Branchenvereinigung mit.

Fed will sich anpassen

Die Federal Reserve Bank wollte sich nach eigenen Angaben am frühen Montagmorgen bei Händlern über deren Notfallpläne erkundigen und sich der Lage anpassen. Auf jeden Fall verschoben würden aber geplante Veröffentlichungen wie der wöchentliche Bericht über ausgewählte Zinssätze. Diese würden folgen, sobald die Büros wieder normal arbeiten könnten.

Auch die Derivatebörse CME schränkt ihr Geschäft ein: Der Parketthandel und der Handel über CME Globex würden am Montag vorübergehend eingestellt, teilte der Marktbetreiber mit. Alle anderen Handelsbereiche würden aber wie gewohnt arbeiten. Die Intercontinental Exchange schließt die ICE-Futures-Russell-Märkte Montagfrüh und den ICE Clear Credit am Mittag. Alle anderen ICE-Märkte und -Abwicklungsstellen würden zu normalen Geschäftszeiten arbeiten.

Auch der Handelssaal der Warenterminbörse Nymex bleibt am Montag geschlossen, wie der Betreiber CME Group erklärte. Das Gebäude liegt unmittelbar am Hudson River und damit in einer der Evakuierungszonen. Um Fluten fernzuhalten, wurden Sandsäcke aufgeschichtet. Der Computerhandel findet statt.

Betonbarrikaden

Am nicht weit entfernt liegenden Hauptquartier der Investmentbank Goldman Sachs errichteten Arbeiter am Sonntagnachmittag Betonbarrikaden, um das Eindringen von Wasser zu verhindern. Auf großen Paletten wurden Sandsäcke angeliefert.

Manche Finanzfirmen haben ihre Mitarbeiter in Hotels nahe ihrer Büros untergebracht, damit zumindest eine Notbesetzung am Montag gesichert ist. Teilweise sollten die Glastürme der Banken aber auch ganz geschlossen bleiben.

Das letzte Mal war die Börse 1985 sturmbedingt geschlossen, damals war es Hurrikan "Gloria". Auch nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 stand der Handel an der Wall Street still. Am 8. Jänner 1996 hatte die NYSE wegen eines Wintersturms die Handelszeiten verkürzt. (APA/Reuters, 29.10.2012)

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    Vorbereitungen für den Ernstfall.

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    Hier werden gut gefüllte Sandsäcke verteilt.

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