Wohnprojekt in Wien: Gemeinsam in der ökosozialen "Tankstelle"

28. Oktober 2012, 19:25
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Gemeinschaftswohnprojekt in Liesing will besonders nachhaltig wirken

Wien - Es hatte sich in der Gegend schon herumgesprochen, dass anstelle der alten Zapfsäulen in der Endresstraße in Wien-Liesing eine "Ökosoziale Tankstelle" errichtet werden soll. Und so kam es, dass im Zuge der Umwidmung der bisherigen Tankstelle zu einem Baugrund 16 Stellungnahmen eingebracht wurden. Was noch nicht ungewöhnlich wäre. Nur: Von diesen 16 Stellungnahmen waren elf positiv - und vier neutral.

"Es ist ein Projekt für Menschen, die den Ansatz haben: Ich bin nicht allein auf der Welt. Menschen, die nicht allein Gewinnmaximierung als Ziel haben", erläutert Leon Lenhart, Initiator dieses ökosozialen Wohn- und Arbeitsprojekts. "Ein zentraler Wert ist für uns die Offenheit. Und die Bereitschaft, auch etwas zu geben."

Kleiner ökologischer Fußabdruck

24 Wohneinheiten sollen hier entstehen, aber auch eine alternativpädagogische Volksschule mit Öffentlichkeitsrecht und ein Therapiezentrum in der Erdgeschoßzone. Ein Bauplatz, auf dem in mehrfacher Hinsicht der ökologische Fußabdruck reduziert werden soll. Sei es die gute öffentliche Anbindung mit S-Bahn und Bussen in unmittelbarer Nähe, die Reduktion der Autopark- und Maximierung der Radabstellplätze.

Dass nur zehn Garagenplätze für 24 Wohnungen errichtet werden, gelingt über die Definition "Wohnheim". Dies spart Geld - das beispielsweise in eine Radwerkstatt oder in Gemeinschaftsräume und -einrichtungen investiert werden kann.

Vieles für die Gemeinschaft

Nachhaltig soll die Infrastruktur sein: ein Passivhaus, vermutlich mit Erdwärme sowie Solarwärme und Photovoltaikkraftwerk auf dem Dach. Aber auch mit Gemeinschaftsnutzungen soll der Ressourcenverbrauch reduziert werden - etwa ein Kopierer und Drucker für alle im Erdgeschoß, das Angebot einer Gemeinschafts-Waschmaschine oder das Teilen von Autos.

Dabei geht es dann um soziale Nachhaltigkeit: Dass unten eine Volksschule, aber auch Therapie- und Praxisräume angeboten werden, soll Anreiz für ein generationenüberspannendes Wohnen sein. Wohneinheiten mit 40 bis 130 Quadratmetern für Familien, Singles und Senioren - die Älteren könnten bei der Kinderbetreuung helfen, die Jüngeren den Senioren.

Nicht jedem "sein" Garterl

Wie das Gemeinsame funktionieren soll, erläutert Lenhart am Beispiel der Freiflächen: "Wir planen einen großzügigen Gemeinschaftsgarten, in dem auch Gemüse angebaut werden kann. Würde man jedem Einzelnen 'seinen' Bereich zuordnen, hätte jeder nur ein kleines Fleckerl."

Der Planungs-, Widmungs- und Genehmigungsprozess wurde von jener Gruppe, die schon fix an Bord ist, bereits abgewickelt. Baubeginn könnte im kommenden Jahr sein - zwölf der 24 Wohnungen sind derzeit noch frei. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, 29.10.2012)

  • So soll das Wohnprojekt, das auf einer ehemaligen Tankstelle, im fertigen Zustand aussehen.
    rendering: gennesaret

    So soll das Wohnprojekt, das auf einer ehemaligen Tankstelle, im fertigen Zustand aussehen.

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