Bürgerkrieg in Syrien: Die ungewollte Waffenruhe

Kommentar28. Oktober 2012, 18:25
6 Postings

Was konnte schon daraus werden?

Für einen Waffenstillstand in Syrien ist es gleichzeitig zu spät und zu früh: Viel zu viel ist passiert, als dass sich Regime und Rebellen, die beide noch an ihren totalen Sieg glauben, an einen Tisch setzen würden. Nur wenn es, wie es in Bürgerkriegen oft der Fall ist, keinen klaren Sieger gibt, unter Umständen nach Jahren des Kampfes und der gegenseitigen Erschöpfung, wird verhandelt werden - wahrscheinlich von anderen Leuten als denen, die jetzt an vorderster Stelle stehen, zumindest was das jetzige Regime betrifft. Mit Assad geht es nicht.

Der Syrien-Verhandler der Uno, Lakhdar Brahimi, wusste um die geringen Aussichten seiner Waffenruhe. Ohne jedes Mittel, sie zu kontrollieren, ohne jene Möglichkeit von außen, die Verantwortlichen für Verstöße zu identifizieren, mit einer rein nominellen Zustimmung beider Seiten, aber ohne deren Einigung auf irgendein noch so einfaches Procedere: Was konnte schon daraus werden?

Mehr Auskunft als über die Kämpfenden gibt die gebrochene Waffenruhe aber über deren Schutzmächte: auf Regimeseite der Iran und auf Rebellenseite alle antiiranischen Kräfte. Die sunnitischen arabischen Golfstaaten haben vor eineinhalb Jahren die Chance, mit dem Sturz Assads den iranischen Einfluss in der Levante zu brechen, sofort erkannt. Heute wollen sie nicht auf halbem Weg Schluss machen. Und in Damaskus geben die Iraner Durchhalteparolen aus. Alles auf dem Rücken der Menschen in Syrien. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 29.10.2012)

Share if you care.