Die kleinste Chance

28. Oktober 2012, 17:51
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Da vermisste man Sido schneller, als man sich das je hätte vorstellen können

Andi Knoll referierte im Blues-Brothers-Anzug den Bildungsauftrag, als wären es die Zehn Gebote. "Gewalt darf niemals die Antwort sein", sprach er umringt von in die Hände paschenden Hupfdohlen, als er in der Talenteshow "Die große Chance" das Boulevardthema Nummer eins der vergangenen Woche aufgriff: Die Auseinandersetzung zwischen Society-Blondine Dominic Heinzl und dem Rapper Sido, der bei der "Großen Chance" in der Jury saß.

Wer zuletzt glücklich im Ausland weilte: Sido hat Heinzl eine geknallt und wurde deshalb vom ORF zurück ins Berliner Ghetto Prenzlauer Berg geschickt.

Eine Woche lang wurde über Sidos Nachfolge gemutmaßt. Der ORF verkaufte seine Ratlosigkeit als Pokerface, erst vergangenen Freitag sollte sich die Frage in der Sendung beantworten. Des Rätsels Lösung zeigte, man kann auch als Nummer vier das fünfte Rad am Wagen sein. Fragen Sie Seyffenstein.

Das ist jener von Rudi Roubinek hündisch angelegte Einflüsterer, der Robert Palfrader in der wahnsinnig lustigen Sendung "Wir sind Kaiser" an die Seite gestellt ist. Dort steht er im Schatten des großen kleinen Mannes, und aus diesem trat er nun hervor. Man könnte sagen: Wer nichts mehr zu verlieren hat, nutzt noch die kleinste Chance, und sei es "Die große Chance".

Seiner Rolle gemäß gab Seyffenstein den wortreich nichtssagenden, sich also ungern festlegenden Untertanen im Chefsessel. Ein bisserl Hans-Moserisch, aber auf die betuliche Art. Da vermisste man Sido schneller, als man sich das je hätte vorstellen können.

Wobei - in dieser Jury Sympathieträger zu sein ist keine Kunst, nicht einmal besonderes Talent ist da vonnöten. (Karl Fluch, DER STANDARD, 29.10.2012)

  • Seyffenstein mit Juroren-Kollegen Rapp und Zabine.
    foto: orf/ali schafler

    Seyffenstein mit Juroren-Kollegen Rapp und Zabine.

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