Die Zukunft der Unis in sieben politischen Farben

28. Oktober 2012, 19:32
107 Postings

Wie sollen Österreichs Universitäten in ein paar Jahren aussehen? DER STANDARD bat sieben Parteien um unipolitische Bekenntnisse

Wie sollen Österreichs Universitäten in ein paar Jahren aussehen? Mit oder ohne Studiengebühr? Wie frei wird der Zugang sein? Was tun mit der leidigen Geldfrage? Hängt davon ab, wer mit wem regiert. Der STANDARD bat die Wissenschaftssprecher der fünf Parteien im Parlament und zwei Gruppen, die hineinwollen (Piraten, Team Stronach), um ein paar unipolitische Bekenntnisse. Die Fragen stellte Lisa Nimmervoll.

Sind Sie bzw. ist Ihre Partei für oder gegen Studiengebühren? Wer sollte wie viel zahlen?

Andrea Kuntzl, SPÖ: Die SPÖ lehnt Studiengebühren als soziale Hürde zum Universitätsstudium ab. Für uns ist Bildung eine öffentliche Aufgabe, die über ein gerechtes Steuersystem zu finanzieren ist. Als unter Schwarz-Blau Studiengebühren eingeführt wurden, kam es umgehend bei den StudienanfängerInnen (!) zu einem Rückgang von 15 Prozent (umgekehrt stieg bei deren Abschaffung die Zahl wieder sprunghaft an). Die Studienbedingungen hatten sich jedoch nicht verbessert. Wir sind zu einer Reparatur jenes Gesetzes bereit, wonach nur mehr ein sehr kleiner Teil der Studierenden Gebühren zahlt, nämlich Langzeitstudierende ohne besonderen Grund wie etwa Berufstätigkeit und EU-AusländerInnen.

Katharina Cortolezis-Schlager, ÖVP: Die ÖVP steht für moderate Studienbeiträge, verbunden mit einem treffsicheren und sozial ausgewogenem Studienbeihilfesystem. Die Mehreinnahmen sollen dort eingesetzt werden, wo etwa die Betreuungsrelationen nicht passen und für die Ausweitung des Studienbeihilfesystems zweckgewidmet werden. Kein junger Mensch soll aus finanziellen Gründen an einem Studium gehindert werden. Jene, die es sich leisten können, sollen aber sehr wohl einen Beitrag zu ihrem Studium leisten. Es ist eine Frage der Fairness, dass all jene, die ihr Studium ernst nehmen und auf einen erfolgreichen Abschluss hinarbeiten, optimale Bedingungen vorfinden. Studien zeigen, dass Studienbeiträge die Verbindlichkeit des Studierens erhöhen. Studienbeiträge sind international üblich und auch an einem Großteil unserer Fachhochschulen funktionierende Selbstverständlichkeit. Und: Jeder Lehrling muss z. B. für die Meisterprüfung zahlen. Warum soll der Meister einen nicht unwesentlichen Beitrag leisten, der Master aber nicht?

Martin Graf, FPÖ: Die Frage nach Studiengebühren ist eine nachgeordnete Frage, die sich erst dann stellt, wenn der Staat den jungen Menschen adäquate Studienbedingungen auf Basis eines freien Hochschulzugangs zur Verfügung stellt. Wenn dieser Zustand hergestellt ist - und davon entfernen wir uns immer weiter - sollten die Universitäten ermächtigt sein, autonom Studiengebühren in einem Ausmaß von 0 bis 500 Euro pro Semester festzulegen. Für welche Fächer dann mehr oder weniger eingehoben wird, hängt natürlich von der Nachfrage des Studenten ab. Befreiungen von Studiengebühren sollten für schnellen Studienfortschritt, Werksstudenten oder bei Schwangerschaft oder Grundwehrdienst vorgesehen sein.

Kurt Grünewald, Grüne: Die Grünen sind gegen Studiengebühren. Die überwiegende Mehrheit der Studierenden ist gezwungen zu arbeiten, um sich das Studium leisten zu können. Das verlängert die Studiendauer, viele verlieren dabei Beihilfen und brechen aus finanziellen Gründen das Studium ab. Zirka ein Viertel der Studierenden leben an der Armutsgrenze. Das obere Einkommensdrittel ist Nettozahler für den gebührenfreien Zugang, das untere und teilweise auch das mittlere Drittel Nettoempfänger. Dass der arme Eisenbahner das Studium der Reichen finanziert, ist eine Lüge. Jedenfalls sind Studiengebühren kein Anreiz, eine tertiäre Ausbildung zu beginnen. Das aber mahnt die OECD bei Österreich ein.

Rainer Widmann, BZÖ: In erster Linie muss den Studierenden ein zügiges Studium (Mindeststudiendauer + 2 Toleranzsemester) durch optimale Studienbedingungen ermöglicht werden! Jeder Studierende soll darauf einen Anspruch haben, weil er mit dem BZÖ-Modell auch generell Studiengebühren je Semester in Höhe von 500 Euro zahlt. Besonders tüchtige Studenten, welche das Studium innerhalb der Mindeststudienzeit plus max. zwei Toleranzsemester absolvieren, sollen die Studiengebühren aber sogar refundiert bekommen. Sodann greift eine Einschleifregelung. Bummelstudenten sollen künftig bis zu 2000 Euro je Semester zahlen, wenn sie mehr als das Doppelte der Mindeststudiendauer brauchen. Für Berufstätige oder Studenten, die aus anderen Gründen eine Mindeststudiendauer nicht erreichen können, gilt das nicht. Weiters wollen wir eine Einschreibgebühr in Höhe von 5000 Euro einführen, welche österreichischen Studenten in Form eines Uni-Bonus in selber Höhe refundiert wird. Das soll den Massenansturm ausländischer Studenten einbremsen, der aufgrund des Nichteinhebens von Studiengebühren immer mehr österreichischen Studenten kein optimales Studium ermöglicht. Die leistungsbezogene Studiengebühr und der Uni-Bonus sollen durch evaluierte sozial gestaffelte Studienbeihilfen ergänzt werden. Von Drittländern ist - abgesehen von bilateralen Abkommen bzw. Entwicklungshilfemaßnahmen - grundsätzlich eine kostendeckende Studiengebühr (mehrere tausend Euro je nach Studium je Semester) einzuheben!

Rodrigo Jorquera, Piratenpartei:  In Studiengebühren sieht die Piratenpartei Österreichs kein geeignetes Mittel, um die Finanzlage der Hochschulen nachhaltig zu verbessern; wir lehnen daher ihre Wiedereinführung ab. In den letzten Jahren wurden vermehrt Regelungen eingeführt, die es den Studierenden erschweren, die Dauer ihres Studiums selbst zu bestimmen. Ein Studium darf nicht an der Finanzierung scheitern.

Frank Stronach, Team Stronach: Studienrichtungen, für die in der österreichischen Wirtschaft derzeit eine große Nachfrage besteht, sollen von Studiengebühren befreit sein, solange die Studenten gut und fleißig studieren. Für Studienrichtungen, die „überlaufen" sind bzw. deren Absolventen nur schwer einen entsprechenden Arbeitsplatz finden, soll es sehr wohl Studiengebühren geben. Die Höhe der Gebühren könnte von den Universitäten selbst festgesetzt werden.


Wie würden Sie den Universitätszugang in Österreich regeln?

Andrea Kuntzl, SPÖ: Höhere Bildung eröffnet Perspektiven und Lebenschancen, die SPÖ bekennt sich daher grundsätzlich zum freien Hochschulzugang. Der Nachweis des zur Hochschulreife notwendigen Vorwissens wird mit der Matura ("Reifeprüfung") erbracht, die ja auch deshalb im Sinne einer Standardisierung weiterentwickelt wird. Der Nachweis außergewöhnlicher Fähigkeiten ist nur in begründeten Einzelfällen wie Kunst und Sport notwendig. In einigen Studien, in welchen in den vergangenen Jahren die Zahl der Studierenden deutlich angestiegen ist, jedoch das Angebot nicht ausgeweitet wurde, wird es zu einer besseren Verteilung auf die verschiedenen Standorte kommen - allerdings verbunden mit Ausbaupfaden.

Katharina Cortolezis-Schlager, ÖVP: Die ÖVP will ein faires und gerechtes Zukunftsmodell - und das bedeutet auch eine Orientierung an den Kapazitäten. Die Universitäten müssen wissen, wie viele Studierende sie haben, für wie viele Studierende sie Hörsäle zur Verfügung stellen müssen und wie viele Lehrende sie für die Anzahl der Studierenden brauchen. Durch Zugangsregeln sinkt etwa auch die Drop-out-Rate, das hat sich im Medizinstudium nach Einführung der Zugangsregeln deutlich gezeigt. Es gibt auch bereits zahlreiche Studien (Musik, Sport etc.) mit Zugangsregelungen. Den Universitäten soll aus diesem Grund ermöglicht werden, den Zugang zu regeln. Nur dann werden unsere Studierenden auch die besten Rahmenbedingungen vorfinden.

Martin Graf, FPÖ: Der Zugang zur Universität muss grundsätzlich frei sein. Beschränkungen mittels Aufnahmeprüfungen oder K.-o.-Phasen lehnen wir ab. Die Notwendigkeit, Studienplätze zu begrenzen, ergibt sich durch die kompromisslose Umsetzung des in unserem Kulturraum völlig unüblichen Bologna-Prinzips, das zu einer Verschulung der Universitäten und damit zu einer Knappheit der Plätze geführt hat. Dieses Prinzip zu evaluieren und zum Teil wieder aufzuheben ist ein erster wichtiger Schritt. Sollte dann noch jemand der Meinung sein, den Zugang zu dem einen oder anderen Fach begrenzen zu müssen, so sind andere Methoden gefragt. Bei Medizinern könnte man etwa ein Praxisjahr in Gesundheitsberufen in den ersten Studienabschnitt integrieren und so das Interesse und die Eignung der Studienanfänger für den von ihnen angestrebten Beruf abklären.

Kurt Grünewald, Grüne: Die Treffsicherheit der Studienwahl muss erhöht werden. Daher Oberstufenreform mit vermehrten Möglichkeiten, Neigungsfächer auszuwählen. Einbau von Hochschullehrern wochenweise in den Fachunterricht der Oberstufe. Sie klären dann über das Studium in ihrem Fach auf. Schnupperwochen an den Unis. Einstiegs- und Orientierungsemester muss erst den Namen verdienen und könnte aus einem Fächerbündel nahverwandter Fächer bestehen. Aus diesem Bündel wählt dann unter Mitnahme aller bewältigten Prüfungen der Studierende das Fach, wo Neigung und Begabung am besten zusammenfallen. Bei freier Wahl nicht mehr freie Wahl des Standortes.

Rainer Widmann, BZÖ: Freier Uni-Zugang nach dem Leistungsprinzip! Wer bereit ist, studentische Leistung zu bringen, soll unabhängig von seinen finanziellen Möglichkeiten studieren können. Das muss für alle Studienrichtungen gleich gelten. Wer keine Leistung bringt, hat auch auf der Uni nichts verloren. Es soll zwar keine Knock-out-Prüfungen geben, sondern am Ende der Studieneingangsphase ein Mindestwert der Summe aller abgelegten Prüfungen den Weiterverbleib entscheiden. Nur jene Studenten, die wirklich studieren wollen und können, sollen weiterkommen. Andere würden nur teure Studienplätze auf Kosten der Steuerzahler versitzen und sich selbst auch wertvolle Lebenszeit wegnehmen.

Rodrigo Jorquera, Piratenpartei: Die Frage der Studienbeschränkungen wurde innerhalb der Partei noch nicht endgültig beschlossen. In einem zur Abstimmung vorgelegten Entwurf spricht sich die Piratenpartei Österreichs im Interesse einer möglichst umfassenden Hochschulbildung für die Gesamtgesellschaft gegen generelle Zugangsbeschränkungen für Hochschulen aus. Gleichzeitig werden jedoch Eingangsprüfungen nicht per se abgelehnt. Diese sollen der Orientierung dienen und den Studenten klar zeigen, ob sie für ein Studium geeignet sind. Daraus sollte jedoch keine Zugangsbeschränkung abgeleitet werden. Wir befürworten weiters innerösterreichische Mobilitätsförderung, um ohne Bevormundung auf freiwilliger Basis eine gleichmäßigere Auslastung vergleichbarer Studienrichtungen an verschiedenen Studienorten zu ermöglichen.

Frank Stronach, Team Stronach: Wir sind für einen geregelten Uni-Zugang. Es sollte einen Eignungstest geben, oder man könnte über ein "Einführungsjahr oder Semester", eine Art Orientierung, nachdenken, in dem die Studierenden durch vermehrte Prüfungen schnell erkennen können, ob die jeweilige Studienrichtung für sie geeignet ist. Um den jungen Menschen zu helfen, von vornherein die richtige Wahl zu treffen, sollen sie ab 16 Jahren vermehrt über Berufsaussichten informiert werden und auch praktische Erfahrung in verschiedenen vor allem technischen Bereichen sammeln können. Lehrkräfte sollen angehalten werden, die Talente und Neigungen der Schüler vor allem in Bezug auf technische Fachrichtungen, die derzeit in der Wirtschaft verstärkt gefragt sind, zu erkennen und die Schüler in der Studien- oder Weiterbildungswahl entsprechend zu beraten.


Wo sehen Sie sonst noch den größten Reformbedarf im Hochschulsystem?

Andrea Kuntzl, SPÖ: Aus Sicht der Sozialdemokratie ist eine Verbesserung der Studienförderung überfällig. Die Gestaltung des Lehrbetriebs muss der studentischen Lebensrealität angepasst werden (Stichworte: Verschulung, Zeitdruck, berufsbegleitende Angebote fehlen, sinkende Mobilität). Der Wiederaufbau demokratischer Mitwirkungsstrukturen (Faculty-Modell) ist hoch an der Zeit.

Katharina Cortolezis-Schlager, ÖVP: Wir brauchen eine verstärkte Kooperation und Koordination der Hochschulen, eine Fokussierung auf deren Stärken, eine verbesserte Durchlässigkeit zwischen den Hochschuleinrichtungen (z. B. bessere Anrechnungen, gemeinsame Studienangebote, Kooperationen in der Forschung) und eine Erhöhung der Internationalität und Mobilität von Studierenden und Lehrenden. Dazu ist ein weiterer Ausbau der Mobilitätsprogramme nötig. Privatisierungserlöse, Verwaltungsreform und Mittel aus Privatwirtschaft sollen der Erhöhung der Forschungsquote zugutekommen. Notwendig sind auch verbesserte Rahmenbedingungen an Hochschulen für die Vereinbarkeit von Bildung/Forschung und Familie (Kinderbetreuung etc.).

Martin Graf, FPÖ: Ich habe vor mittlerweile fast drei Jahren einen 12-Punkte-Plan für Österreichs Universitäten vorgelegt und mittels Antrag im Parlament eingebracht. Die Anliegen sind bis heute unerledigt. Ausführlichere Überlegungen zu den einzelnen Punkten finden Sie hier. Zusätzlich wäre dringend die Implementierung des Herkunftslandsprinzips erforderlich, sodass nur jene einen Studienplatz erhalten, die auch in ihrer Heimat einen nachweisen können, was den Ansturm von Numerus-clausus-Flüchtlingen eindämmen würde.

1. Festhalten am Prinzip der forschungsgeleiteten Lehre - keine "Klassenzimmeruniversität"
2. Freier Hochschulzugang ohne Zugangsbeschränkungen
3. Oberstufenreform
4. Evaluierung der Tätigkeit des Universitätsmanagements mittels "Kunden"=Studierenden-Befragung
5. 2-%-BIP-Ziel bis 2015 - das heißt Universitätsmilliarde
6. Zusätzliche Studienplätze für österreichische Studierende, mit dem Ziel, 300.000 Studienplätze im Jahr 2015 zu ermöglichen
7. Schaffung von 3000 zusätzlichen Stellen für Lehrpersonal an Österreichs Universitäten bis 2018 - 500 Stellen mehr pro Jahr zur Verbesserung des Betreuungsverhältnisses
8. Erhebung der Nebentätigkeiten des Lehrpersonals an Universitäten zwecks weiterer Verbesserung des Betreuungsverhältnisses
9. Umsetzung des Online-Studiums an allen Universitäten
10. Schaffung einer studienplatzbezogenen Finanzierung der Lehre an Universitäten
11. Erstellung einer Gesamtsanierungs- und Neubauplanung inklusive einer Zeit- und Kostenplanung auf Basis einer Evaluierung des Raumangebotes Österreichs Universitäten
12. Evaluierung des Bologna-Prozesses

Kurt Grünewald, Grüne: Das zunehmend autokratische System schließt die Mehrheit der WissenschafterInnen von Mitbestimmungen und Information aus. Dabei wird auf Wissen und Kreativität der MitarbeiterInnen verzichtet. Das demotiviert und wirkt alles andere als identitätsstiftend. Fehlende Perspektiven für wissenschaftlichen Nachwuchs. Uni-Räte müssen reformiert werden. Im Wissenschaftsausschuss müssen vermehrt ExpertInnen geladen werden, um den Dialog über Wissenschaft und Forschung auf höheres Niveau zu heben.

Rainer Widmann, BZÖ:

  • "Bildungsministerium Zukunftsreich" und sektorenübergreifende Bildung: Zusammenlegung der Bildungsagenden in einem Schul-, Wissenschafts- und Forschungsressort, um die bestmögliche Bündelung aller finanziellen und intellektuellen Ressourcen zu erreichen. Realisierung einer engen Kooperation vor allem zwischen dem sekundären und tertiären Bildungssektor sowie eine laufende Abstimmung zwischen Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik.
  • Einführung einer Studienplatzfinanzierung für Universitäten: Für alle Universitäten zur Absicherung der Finanzierungsstrukturen: Mittels Bedarfserhebung und Lizenzierung wird die Höhe der Studienplatzfinanzierung festgelegt. Bei der Bedarfserhebung werden das Bildungsministerium, Universitäten, Arbeitsmarktservice und Wirtschaft eingebunden. Im Zuge der Studienplatzfinanzierung wird je Studienrichtung eine bestimmte Anzahl von Studienplätzen festgelegt und auch ausfinanziert! Damit wird eine qualitativ hochwertige universitäre Bildung sichergestellt, die sich verstärkt am tatsächlichen Bedarf orientiert.
  • Notfallsfinanzierung und Qualitätssteigerung durch Kostenbeteiligung der Studenten: Bundeseinheitliche Grundgebühr in der Höhe von € 500,- pro Semester. Die Universitäten werden ermächtigt, darüber hinausgehende Gebühren einzuheben, wenn sie diese entsprechend begründen (erhöhter Material-, Technik oder Forschungsaufwand). Zusätzlich wird eine Einschreibegebühr in der Höhe von € 5000,- eingehoben. Österreichische Studenten können diese Einschreibegebühr mit dem "Uni-Bonus" gegenrechnen. Damit wird EU-rechtskonform sichergestellt, dass die Einschreibegebühr nur von Studenten zu entrichten ist, die über kein österreichisches Maturazeugnis verfügen. Das Bildungsministerium finanziert keine Studienplätze für Drittstaatenangehörige. Diese müssen sich ihren Studienplatz selbst finanzieren. Wenn das Außenministerium im Rahmen von internationalen Verträgen Studienplätze für Drittstaatenangehörige zusagt, so sind diese auch aus dem Budget des Außenministeriums zu finanzieren. Auf Grundlage der Studentenzahlen des WS 2009/2010 würde diese Kostenbeteiligung ca. € 560 Mio. Mehreinnahmen für die Universitäten bedeuten. Davon wären ca. € 227 Mio. von inländischen Studenten zu entrichten, € 149 Mio. von Studenten aus dem EU-Ausland und € 184 Mio. von Drittstaatenangehörigen. Wenn man berücksichtigt, dass derartige Gebühren den Zustrom von ausländischen Studenten dämpfen würden, so wäre längerfristig mit ca. € 500 Mio. Mehreinnahmen für die Universitäten zu rechnen. Damit wäre nicht nur die benötigte Notfallsfinanzierung von ca. € 250 Mio. abgedeckt, sondern es könnte auch eine deutliche Qualitätssteigerung erreicht werden.
  • "Uni-Milliarde": Wenn die Studenten einen Finanzierungsbeitrag von ca. € 500 Mio. leisten, dann sollte der Bund weitere € 500 Mio. betragen, um so mit einer Uni-Milliarde sicherzustellen (jährlich!!), dass die österreichischen Universitäten Bildung auf höchstem Niveau bieten und dass sich Österreich langfristig im Kreis der wettbewerbsfähigsten Industriestaaten der Welt behaupten kann. Das System der bedarfsorientierten Studienplatzplatzfinanzierung würde gewährleisten, dass diese Milliarde nicht im System versickert, sondern tatsächlich eine Investition darstellt.
  • Finanzierungsunterstützung für Student/innen - Das BZÖ-Studienkredit-Modell: Kein talentierter, österreichischer Student soll durch Studiengebühren vom Studium abgehalten werden. Deswegen wurde schon bei der erstmaligen Einführung von Studiengebühren im Jahr 2001 das Stipendienangebot verbessert und ausgebaut. Ergänzend dazu, schlägt das BZÖ vor, angelehnt an das britische System, einen Studienkredit einzuführen. Der maximale Rahmen sollte € 10.000,- pro Jahr und € 30.000,- für die gesamte Studiendauer betragen. Der Studienkredit könnte nicht nur für die Begleichung der Studiengebühren, sondern auch für die Finanzierung des Lebensunterhalts verwendet werden. Die Vergabe von Stipendien bleibt davon unberührt. Die Summen aus dem Stipendium reduzieren jedoch entsprechend den möglichen Kreditrahmen. Es wären lediglich Zinsen in Höhe der Sekundärmarktrendite für österreichische Staatsanleihen zu entrichten.
  • Einführung von Aufnahmeverfahren und Studieneingangsphase: Die Universitäten werden verpflichtet, Aufnahmeverfahren einzusetzen, die den Bedingungen des Studiums entsprechen und die potenziellen Studenten über die Anforderungen des Studiums ins Bild setzen. Das ist an den Fachhochschulen bereits ganz normal! Die endgültige Auswahl der Student soll jedoch nicht durch sog. Knock-out-Prüfungen erfolgen, die nur eine sehr punktuelle Erhebung der Leistungsfähigkeit darstellen, sondern mittels einer Gesamtleistungsschau am Studienbeginn (z. B. max. zweisemestrige Studieneingangsphase mit Gesamtbeurteilung).
  • Erweiterung der Autonomie und Selbstverantwortung der Universitäten: Novellierung des UG-2002 dahingehend, dass die Universitäten in ihren Finanzierungs-, Verwaltungs- und Personalmodi mehr Freiheiten, aber auch mehr Verantwortung und Verpflichtung für den gesellschaftlichen Bildungsauftrag erhalten. Die Universitäten sollen qualitativ gestärkt werden und eine spezifische Standortprägung entwickeln. Auch bei der Finanzierung sollte neben einem öffentlich finanzierten Basisbudget gelten: Je mehr Fremdmittel durch Zusammenarbeit mit Externen und der Wirtschaft erzielt werden, umso höher soll auch der Bundeszuschuss sein.

Rodrigo Jorquera, Piratenpartei:Die erst kürzlich veröffentlichte Studierendensozialerhebung zeigt klar die teilweise prekären Bedingungen, unter welchen österreichische Studenten ihr Studium finanzieren. Die Piratenpartei Österreichs sieht deshalb dringenden Reformbedarf im Bereich der Studienbeihilfe. Das österreichische Studienbeihilfensystem ist veraltet, unflexibel und geht von falschen Annahmen aus. Jeder Studie¬rende sollte unabhängig vom Einkommen der Eltern Studienbeihilfe beziehen kön¬nen. Ziele des Bologna-Prozesses waren unter anderem eine erhöhte Mobilität, mehr Flexibilität im Studium sowie eine internationale Harmonisierung der Studien und eine höhere Wettbewerbsfähigkeit. Die Piratenpartei Österreichs erarbeitet derzeit verschiedene Maßnahmen und Vorschläge, klarere Strukturen zu schaffen und so die erklärten Ziele eines gemeinsamen europäischen Hochschulwesens umzusetzen. Die Freiheit der Forschung an den Universitäten ist von fundamentaler Bedeutung für den Wissenschafts- und Bildungsstandort Österreich. Prekäre Arbeitsverhältnisse und Unsicherheiten müssen endlich durch freie und ausfinanzierte Forschung abgelöst werden. Die Piratenpartei Österreichs bekennt sich ausdrücklich zu weitestgehender Transparenz. Nur durch diese können Vorgänge, vor allem auch im österreichischen Hochschulsystem, kontrolliert und optimiert werden. Unser Ziel ist eine transparent geführte Hochschulverwaltung.

Frank Stronach, Team Stronach: Jene Studienrichtungen, nach denen in der österreichischen Wirtschaft die größte Nachfrage herrscht, sollen vom Staat gefördert werden. Gleichzeitig soll die Verwaltung bei allen Studienrichtungen auf allen universitären und öffentlichen Bildungseinrichtungen so effizient wie möglich sein, um mehr Geld für qualitative Ausbildung zu haben.


Halten Sie die Universitäten für angemessen finanziert?

Andrea Kuntzl, SPÖ: In den meisten Studien an den meisten Standorten gibt es ausgezeichnete bis zufriedenstellende Studienbedingungen, vereinzelt aber auch große Probleme. Für die Forschung besteht eine solide Grundfinanzierung, allerdings sollte man dringend in die Karrierechancen des wissenschaftlichen Nachwuchses investieren. Insgesamt braucht es allgemein mehr öffentliche Mittel für die Universitäten, diese können aber auch deutlich transparenter verteilt und effizienter eingesetzt werden. Mit der schrittweisen Umstellung auf eine studienplatzorientierte Finanzierung sind wir hier auf dem richtigen Weg.

Katharina Cortolezis-Schlager, ÖVP: Jeder in Hochschulen investierter Euro ist ein gut investierter Euro. Mit der Hochschulmilliarde ist trotz Konsolidierungsdruck ein echtes Bekenntnis zu Wissenschaft und Forschung gelungen. Laut der jüngsten OECD-Studie Bildung liegt Österreich mit 1,44 Prozent des BIP für den tertiären Bereich im EU-Durchschnitt (1,4 Prozent) und vor Ländern wie etwa Deutschland (1,3 Prozent), Großbritannien und Nordirland (1,3 Prozent). Aber Geld allein löst keine Strukturprobleme. Daher brauchen wir eine studienplatzbezogene Finanzierung mit klaren Kapazitätsregelungen. All jene, die ihr Studium ernst nehmen und auf einen erfolgreichen Abschluss hinarbeiten, sollen optimale Bedingungen vorfinden.

Martin Graf, FPÖ: Ich habe bereits vor drei Jahren eine Uni-Milliarde gefordert, um das Budgetziel von zwei Prozent des BIP für die tertiäre Bildung in angemessener Zeit zu erreichen. Minister Töchterle hat die Milliarde von Euro auf Schilling geschrumpft und hält im Gegenzug mittlerweile fast eine halbe Milliarde Euro im Budget an Reserven zurück. Er wirkt als Sparmeister und hungert die Unis aus. Natürlich besteht generell zusätzlicher finanzieller Bedarf, wenngleich an manchen Universitäten in der Verwaltung zweifellos Einsparungspotenzial vorhanden ist.

Kurt Grünewald, Grüne: Die Forderungen der Rektoren nach mehr Geld sind mehr als berechtigt und auch belegt. Trotzdem könnten die Mittel noch effizienter eingesetzt werden durch Kooperationen und Fokussierungen. Entscheidend ist die deutlich bessere Dotierung des FWF, wo kompetitive Forschung mehr Gewicht hat. Infrastrukturen und Geräteausstattung müssen auf internationales Niveau gehoben werden. Der klinische Mehraufwand ist dringend auf seine Plausibilität zu prüfen (Querfinanzierung der den Ländern überantworteten Krankversorgung durch das Wissenschaftsministerium).

Rainer Widmann, BZÖ: Unsere Universitäten sind chronisch unterfinanziert! Das BZÖ hat wiederholt eine Uni-Milliarde (aufgeteilt auf drei Jahre) beantragt, um Österreichs Unis zukunftsfit und wettbewerbsfähiger machen zu können! Wir brauchen dringend mehr Investitionen in die Zukunftsfelder Bildung, Wissenschaft und Forschung! Aber Geld ist nicht alles. Ein neues Uni-Dienstrecht für mehr Chancen und Sicherheit für gutes Uni-Personal und eine bessere Basisfinanzierung des Staates samt leistungsbezogenen Studiengebühren gehören hier auch dazu wie eine Entrümpelung der Univerwaltungen und der Bürokratie.

Rodrigo Jorquera, Piratenpartei: Die Piratenpartei Österreichs sieht den Ruf der Rektoren nach mehr Geld für Österreichs Hochschulen als berechtigt an. Schon seit längerer Zeit lässt sich beobachten, dass Hochschulen unterfinanziert sind. Wir setzen uns dafür ein, den Hochschulen ausreichende Mittel zur Verfügung zu stellen, um den ihnen aufgetragenen Aufgaben gerecht zu werden. Es ist Aufgabe der Politik zu gewährleisten, dass den Hochschulen verlässlich ausreichende Mittel zur Verfügung stehen, um Grundlagenforschung und akademische Ausbildung wirksam betreiben zu können.

Frank Stronach, Team Stronach: Wie bereits oben erwähnt, kann durch effizientere Verwaltungsstrukturen Geld gespart werden, das somit sinnvoller (Studienangebot, Lehre) eingesetzt werden kann. Von der Wirtschaft gefragte Studienrichtungen sollen vom Staat die nötigen Mittel zur Verfügung gestellt bekommen. Hier handelt es sich um eine Investition in die Zukunft des Landes.


Welche Forderung wäre Ihnen für Koalitionsverhandlungen besonders wichtig?

Andrea Kuntzl, SPÖ: Der gesellschafts-, aber auch der wirtschaftspolitische Grundkonsens, dass Österreich mehr Studierende (und nicht weniger!) braucht, sollte Basis für eine Zusammenarbeit in der Hochschulpolitik sein. Daher brauchen wir eine offensive Hochschulpolitik. Darüber hinaus besteht bei der sozialen Absicherung der Studierenden (Studienbeihilfe, Familienbeihilfe, Studierendenheime etc.) großer Reformbedarf. Auch bei den Karrieremodellen für Nachwuchs-WissenschafterInnen wären fortschrittlichere Konzepte wünschenswert. Auch die Demokratisierung der Universitäten (Faculty-Modell) ist ein ganz zentraler Punkt.

Katharina Cortolezis-Schlager, ÖVP: Uns ist im kommenden Übereinkommen besonders wichtig, dass das Modell zur kapazitätsorientierten Finanzierung flächendeckend umgesetzt werden kann. Wir stehen für einen strategischen Ausbau der Studienplätze an Fachhochschulen und Universitäten, ein Bekenntnis zur Spitzenforschung mit Aufstockung der FWF-Mittel durch Privatisierungserlöse und Budgetumschichtungen, einen Ausbau der Wissenschaftstransfereinrichtungen, die Förderung der Kooperation zwischen Hochschulen und Wirtschaft, den Ausbau der Start-up- und Spin-off-Einrichtungen sowie Entrepreneurshipcenter an jeder Hochschule in Österreich.

Martin Graf, FPÖ: Freier Hochschulzugang, denn Bildung muss auch im tertiären Bereich frei zugänglich bleiben.

Kurt Grünewald, Grüne: Absicherung des Budgetpfades zwei Prozent vom BIP bis 2020. Novelle des Uni-Gesetzes mit Faculty-Modell und Verbesserungen bezüglich Uni-Räte mit Stärkung der Senate. Massiver Ausbau des Stipendienwesens.

Rainer Widmann, BZÖ: Leistungsgerechte Studiengebühren samt evaluierter Studienbeihilfen, damit jene studieren können, die wollen, unabhängig von der finanziellen Lage - Basis: bedarfsgerechte Studienplatzfinanzierung, 5000 Euro Uni-Bonus im Konnex mit 5000 Euro Einschreibgebühr gegen den Massenansturm ausländischer Studenten; kostendeckende Studiengebühren für Drittstaaten, Uni-Milliarde als Anschubfinanzierung, um Österreichs Unis zukunftsfit zu machen; besseres Dienstrecht, um gutes Uni-Personal zu halten und ausländische Spitzenprofs zu bekommen; mehr Drittmittel durch mehr Anreize bei der Basisfinanzierung des Staates sowie allfälliger steuerlicher Verbesserungen für Unternehmen, welche mit Unis kooperieren.

Rodrigo Jorquera, Piratenpartei: Unabdingbar ist die Erfüllung der bereits im Nationalrat beschlossenen Erhöhung der Ausgaben für den Hochschulsektor auf zwei Prozent des BIPs. Ebenso müssten piratische Prinzipien wie Transparenz, Selbstbestimmung, Freiheit und Konstruktivität endlich auch im Hochschulsektor Einzug finden.

Frank Stronach, Team Stronach: Priorität haben für uns die Verschlankung der administrativen Strukturen, Verbreiterung des Angebots in den von der Wirtschaft gefragten Studienrichtungen, Studiengebühren insbesondere für Studien, für die am Arbeitsmarkt keine große Nachfrage besteht. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 29.10.2012)

Share if you care.