Amerikas "Energiewende"

28. Oktober 2012, 14:07
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Das Plakat ist an einigen Highways in Florida zu sehen: Vor schreiend gelbem Hintergrund verbeugt sich Barack Obama vor König Abdullah und gibt ihm artig die Hand. Daneben ist der Benzinpreis an Obamas erstem Tag im Amt angegeben (1,89 Dollar pro Gallone) und jener, der derzeit verlangt wird: 3,89 Dollar pro Gallone. Die Botschaft: Jemand muss Obama stoppen, bevor der Preis durch die Decke schießt.

Einmal abgesehen von der durchsichtigen Demagogie der Kampagne haben deren Autoren einige Fakten - naja, sagen wir, übersehen: Zum einen setzen weder der amerikanische Präsident noch der saudische Herrscher den Ölpreis fest, sondern die internationalen Märkte. Diese preisen Befindlichkeiten und ökonomische Trugschlüsse amerikanischer Konservativer eher nicht ein, dafür aber die Konfliktgefahr am Golf und den unstillbaren Öldurst Chinas. Allein der Iran-Risikoaufschlag soll derzeit ungefähr 20 Dollar pro Barrel ausmachen, schätzen Öl-Analysten.

Zum anderen haben die USA in den vergangenen vier Jahren eine erstaunliche "Energiewende" vollzogen: Die Vereinigten Staaten schließen 2012 zu den Saudis (Tagesproduktion derzeit etwa 9,5 Millionen Barrel Rohöl) als größte Erzeuger fossiler Energie auf. Fracking (s. auch Grafik) in der Gas- und Öl-Produktion im Mittleren Westen hat diesen Zuwachs ermöglicht. Im September wurden in den Staaten im Schnitt 5,7 Millionen Barrel Rohöl gefördert, bis zu acht Millionen sollen möglich sein. Gleichzeitig ist der CO2-Austoß der USA auf einem 20-Jahres-Tief: minus sechs Prozent zwischen 2011 und 2012. Grund dafür waren die Wirtschaftskrise, aber auch der vermehrte Einsatz von Erdgas statt Kohle in der Energieproduktion. Das Council on Foreign Relations schätzt die Ursachenverteilung auf ein Verhältnis von etwa 50:50 ein. Deswegen exportieren die USA neuerdings sogar Kohle - nach China und Newcastle (!) in Großbritannien.

Noch 2007 waren die Vereinigten Staaten zu 60 Prozent von Ölimporten abhängig, heuer sind es nur noch nur noch 40 Prozent. Bis 2020, haben Experten errechnet, könnte Nordamerika (Kanada, USA und Mexiko) energieautark sein, wenn alle Ressourcen ausgeschöpft werden. Das bedeutet vor allem: mehr Fracking, mehr Tiefseebohrungen und der großflächige Abbau von Ölsand in Kanada. Erneuerbare Energien dagegen spielen in dieser Gleichung kaum eine Rolle. Genausowenig Energie-Effizienz. Bei den Industriestandards für US-Automobile, die zwischen 2017 und 2025 gelten sollen, werden die SUVs und Trucks amerikanischer Hersteller großzügige Ausnahmeregelungen bekommen.

Diese Energiewende hat natürlich Folgen für Umwelt und Klima (von deren Schutz spricht in diesem Wahlkampf im Gegensatz zu 2008 allerdings niemand mehr). Sie eröffnet den USA aber vor allem auch geopolitischen Spielraum. Die Energiegewinnung in Nord-Dakota (das Bakken-Feld, S. Grafik) habe die schärferen US-Sanktionen gegen den Iran möglich gemacht, glauben nicht wenige Beobachter in Washington. Je weniger Öl aus dem Nahen Osten in die USA fließt, desto selbstbewusster wird Washington dort auftreten. Und je mehr Energie im eigenen Land gewonnen wird - zu welchen Kosten immer -, desto kleiner fällt das US-Handelsbilanzdefizit aus.

Beides bedeutet einen Netto-Machtzuwachs für die Washington. Wer immer der neue US-Präsident sein wird, er wird diesen strategischen Spielraum nutzen. (derStandard.at, 28.8.2012)

  • Das Plakat.
    foto: american principles superpac

    Das Plakat.

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    foto: usgs

    Das Bakken-Shale in Nord-Dakota.

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