Ligety und das Gletscherglücksspiel

Benno Zelsacher
28. Oktober 2012, 18:05
  • Für Hirscher machte sich die veränderte Schuheinstellung in Durchgang zwei bezahlt.
    foto: apa/ techt

    Für Hirscher machte sich die veränderte Schuheinstellung in Durchgang zwei bezahlt.

  • Starkes Rennen von Manfred Mölgg, der auf Platz zwei zu liegen kam.
    foto: apa/ techt

    Starkes Rennen von Manfred Mölgg, der auf Platz zwei zu liegen kam.

Die Natur erschwerte den RTL in Sölden erheblich. Sieger Ligety freilich raste genauso wenig als Außenseiter durch Schneeflocken wie Mölgg (2.) und Hirscher (3.)

Sölden - Es bleibt dabei. Hermann Maier ist der bisher letzte österreichische Sieger in Sölden, 2005 gelang ihm der letzte von drei Erfolgen ebendort. Am Sonntag war es echt schwierig, heftige Schneefälle und Nebel verdrängten den neuen Riesenslalomski als Thema. Und der US-Amerikaner Ted Ligety, Vorjahressieger in Sölden, gewann den zwölften Weltcup-Riesenslalom seiner Karriere. Er war 2,75 Sekunden schneller im Ziel als Italiens Manfred Mölgg, das ist der größte Vorsprung in einem Weltcup-Riesenslalom seit 37 Jahren. Marcel Hirscher, der Titelverteidiger im Gesamt- und im Riesenslalomweltcup, lag bereits 3,12 Sekunden zurück.

"Der Rückstand", sagte Hirscher, der sich im Finale vom neunten auf den dritten Platz verbesserte, "ist fast schon pervers. Es gibt nur einen, der Weltspitze ist, und nach Ted Ligety kommt der Rest der Welt." Hirscher empfand das irgendwie als Watsche. Sportlich betrachtet. Denn global betrachtet sind die Sekunden schon zu relativieren angesichts des Unfalltods seines Teamkollegen Björn Sieber am Freitag.

Die Niete

So richtig sauer war Philipp Schörghofer. Der Salzburger hatte eine Niete gezogen, die Startnummer eins, die bescherte ihm nicht nur eine Tiefschneepiste im unteren, flachen Teil, sondern auch reichlich Nebel. " Ein Scheißrennen", sagte er, der die Entscheidung als 52. klar verpasste, und klagte darüber, dass der Start nicht um eine halbe Stunde verschoben wurde. Und er mutmaßte, dass dies etwas mit dem Formel-1-Rennen in Indien zu tun gehabt habe, welches im Fernsehen zwischen den beiden Riesenslalomdurchgängen gegeben wurde. Schörghofer legte aber großen Wert darauf, dieses kleine Malheur im selben Sinn wie Hirscher zu relativieren.

Kanonen und Planen

Jakob Falkner, Chef des Söldener Organisationskomitees, zudem Aufsichtsratschef des Tourismusverbands Ötztal und Geschäftsführer der Söldener Bergbahnen, war naturgemäß begeistert von dem Event, welches 1993 zum ersten Mal veranstaltet worden war und seitdem ständig gewachsen ist. Und er erinnert sich an die Zeit, die dem Weltcup vorausging. "Es gab viel Widerstand, der Naturschutz spielte eine große Rolle. Die Mannschaften haben aber immer schon bei uns trainiert. Also habe ich dem Internationalen Skiverband gesagt, dass man logischerweise auch die Trainings verbieten müsse, schließlich dauern die wochenlang, während die Rennen ja nur an zwei Tagen stattfinden."

Komplizierte Kosten-Nutzen-Rechnung

Seit ein paar Jahren wird der Gletscher maschinell beschneit. Das wirkt grotesk angesichts der aktuellen Schneemengen, doch ohne Kanonen hätte man keine Chance gehabt, eine Rennpiste herzustellen. "Aber wir haben die Beschneiung nicht wegen dem Weltcup gemacht. Da würden Kosten und Nutzen in keiner Relation stehen", sagt Falkner. "Wir beschneien, um den Gletscher zu stabilisieren." Schließlich geht er wie seine Kollegen dramatisch zurück.

Und um das zu verhindern, schießen nicht nur Kanonen, sondern werden neuralgische Stellen seit Jahren sommers mit Planen abgedeckt. Womit sich die nächste Groteske ergibt, nämlich jene, dass ein bewirtschafteter Gletscher ein längeres Leben zu haben scheint als ein unberührter. Der Energieaufwand ist beträchtlich, was die Kosten-Nutzen-Rechnung kompliziert macht. Abgesehen davon wird der Skiweltcup in zwei Wochen mit Slaloms für beide Geschlechter in Levi, Finnland, fortgesetzt. (Benno Zelsacher, DER STANDARD, 29.10.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 105
1 2 3
Seit 2005 kein heimischer Erfolg mehr

ist schon bezeichnend für die Misere im österreichischen Skisport, der der internationalen Konkurrenz nur mehr hilflos hinterherhinkt.

ein schönes rennen

na gut, die verhältnisse waren schwierig und ungleich. aber gewonnen hat ganz klar der beste! und auch die nächsten haben es sich verdient.
hr. schönfelder nimmt sich wohl etwas zu wichtig. ok, er hätte evtl. einen besseren platz belegt, aber die ersten waren hoch verdient. und ob einer 25. oder 48. wird, interessiert nur ihn selbst.

alles in allem ein schönes rennen mit tollen leistungen.

Es war Philipp Schörghofer, und der war letztes Jahr 3., also auf dem Podium. Dass der sich ärgert, ist verständlich.

oje...bis März

geht das schon wieder los... 0-24 Uhr Skifahren am WE.. dafür zahlen wir die GIS..und dafür gibts nen eig. Sport-Kanal..*seufz*

Vorschlag: GIS abmelden, da Geräte entfernt und den GIS-Mann nicht mehr reinlassen, wie sehr er auch drohen mag.

Resultat: Es stößt einem nicht mehr so sauer auf, wenn den Fernseher andreht und im ORF wieder mal nur Mist läuft.

ja, leider.

Aus rechtlichen Gründen darf auf Sport+ kein "Premiumsport" laufen, sprich keine Bundesliga, Schifahren, Formel 1, Olympische Spiele usw.

quelle: Meine Anfrage an den ORF, die zirka den selben Inhalt wie dein Posting gehabt hat ;))

Und er mutmaßte, dass dies etwas mit dem Formel-1-Rennen in Indien zu tun gehabt habe

womit sonst? deutlich wurde aber auch dass zehn minuten vorbericht für ein f1 rennen mehr als ausreichend sind. normalerweise sind ja (die meist unnötigen) vor- und nachberichte länger als das rennnen selbst.

hab jetz nicht alles gelesen (für mich is spät)

aber alle kommen mir mit maier...

ich hätt das mit eberharter verbunden!

-> der hat auf der streif alle gefi###t

der drucjt mi nimma..

eigentlich einer da der irgendwie klar denkne kann?!

Deswegen ist der eberharter trotzdem nicht der letzte oesterr. Sieger in soelden , oder doch ?

öhm... hab ich ja geschrieben und wenn du meinem link folgst.... du wirst überrascht sein!

ligety.... andere welt

den mölgg mag ich! is a cooler kerl

ABER!!!

da hirscher is genial in den interviews!

der hot an schmäh und ois......

HUP HOLLAND weiter so!!!!

niemand kann mehr sagen wir können nur eislaufen im winter ;)

na geh...schon wieder zeit für schifahren...

...der Sommer war wieder mal zu kurz.

du merkst es daran wenn fussballspiele wegen wetterkapriolen abgebrochen werden und du bei (fussball) eine polzer und pariasek-freie zeit hast....

Keine Bange!

Das absehbare Desaster in der Randsportart Hügelrutschen ist diesmal eh noch so halbwegs passabel ausgegangen. Eigentlich interessiert es ja niemanden, und wenn in den USA einer beim American Football nicht genommen wird, oder ein Italiener zu unbegabt für europäischen Fußball ist, und sonst auch nichts kann, schnallen die sich halt Skier an. In dieser Konkurrenz der Mittelmäßigen, Ausgegrenzten und Verlierer haben sogar Abkömmlinge aus der Ösi-Nation noch eine Chance auf ein Stockerlplatzerl. Erinnert sich noch wer an die Siege des invaliden Unfallopfers Maier? Aber eigentlich kann das ein jeder. Warum nicht gleich angolanisches Sackhüpfen? Wen interessiert es?

Leute die so oft auf die Tasten drücken nur um peinlichst zu trollen, sind mir ziemlich suspekt. Trollen kann man ja auch wunderbar mit flotten Einzeilern. Wieso der Aufwand? Dummheit oder Frust?

Wie schön,

ausser Habsburger, exportierten Hitler, Wehrmacht, Polizei, Rechtsprechung usw. noch etwas zu haben, was man in Österreich runtermachen kann.- Fußball braucht es nicht, da gehts schon nicht mehr weiter runter;-)

ach wie kämpfen Sie

doch um Aufmerksamkeit, Sie armer Troll, und sicherlich sind Sie nebenberuflich NFL- und Serie-A-Superstar.
Und schon haben Sie Worte von mir erhascht, ich hoffe, Sie fühlen Sich getröstet.

Hast du minderwertigkeitskomplexe ?

" größte Vorsprung in einem Weltcup-Riesenslalom seit 37 Jahren."

zelsacher hat wohl nicht hier hereingeschaut, sonst wüsst er, dass es "erst" 33 jahre her ist ;-)

der vorsprung setzt erinnerungen an maiers zeiten frei

Geständnis

"... gestand der Routinier ..."

Man muss der APA das Wort "gestehen", das immerzu falsch gebraucht wird, endlich verbieten.

... und man sollte

unterscheiden können, ob ein Artikel von der APA kommt oder von einem Redakteur.

Vor drei Tagen Deutschland im Fußball besser als Österreich.
Gestern Slowenien im Skifahren der Damen.
Heute Amerika und Italien in jenem der Herren...

Posting 1 bis 25 von 105
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.