Die Hollywood-Stars sind hinter dem Titel her

Ansichtssache29. Oktober 2012, 12:51
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Ein Sammelsurium an Stars soll die Los Angeles Lakers zu alter Glorie führen. Lebron James bleibt jedoch die Macht unter den Körben der NBA und arbeitet an seinem Vermächtnis - Eine Vorschau auf die neue Saison in einer Ansichtssache

Wien - Während die amerikanischen Eishockey-Hallen weiter zu sind, bleibt den Basketball-Fans eine erneute Verhöhnung durch Spielergewerkschaften und Vereine erspart. Der Reibach ist sauber aufgeteilt worden und somit hebt die neue NBA-Saison endlich wieder pünktlich an. Und wenn der Titelkampf noch spannender als im Vorjahr wird (ist das überhaupt möglich?), dann kommt Freude auf! Dienstagnacht geht es los mit Miami gegen Boston.

Delikate Themen gibt es natürlich tonnenweise, grundsätzlich dreht sich die Geschichte heuer aber um Lebron James. "Er ist ein Freak", sagt ein aktueller NBA-Head Coach. Und dieser Freak ist wohl auf seinem Zenit: 27 Jahre alt, NBA-Champion und Olympiasieger. Die Frage ist: Wie viele Titel kann er noch gewinnen? James beginnt heuer auf jeden Fall an seinem Vermächtnis zu arbeiten.

In seine Kraftsuppe wollen ihm natürlich die Los Angeles Lakers spucken. L.A. hat auf dem Papier ein Championship-Team, mal sehen aber, ob Kobe Bryant nicht schon sein eigenes Drehbuch geschrieben hat.

Dazu gibt es in der Liga noch haufenweise verletzte Schlüsselspieler, deren Gesundheit über Wohl und Wehe ihrer Teams entscheiden. Titelkandidaten sind wohl am ehesten Miami, L.A. Lakers und Oklahoma City. Aber auch für weniger erfolgreiche Teams geht hier und jetzt der Vorhang auf. (Florian Vetter, derStandard.at, 29.10.2012)

Was hat Lebron James (li.) noch vor? Vielleicht will er Michael Jordan übertrumpfen? Und selbst wenn er nicht sechs oder mehr Titel holt, womöglich durchbricht er irgendwann einmal die basketballerische Schallmauer von 35.000 Punkten, 10.000 Assists und 10.000 Rebounds. "Vielleicht ist seine allergrößte Leistung aber auch, dass er das Spiel neu definiert hat", wie Bill Simmons auf ESPN schreibt. Als "Power Guard", einer Mischung aus Larry Bird 2.0 und Magic Johnson.

Step by step. Viel Hilfe bekommt er jedenfalls heuer von Scharfschütze Ray Allen. Die Heat werden noch ungemütlicher zu verteidigen sein. Wenn James zum Korb zieht und die gesamte Defense sich auf ihn stürzt, hat Allen Platz für offene Dreier.

Prognose: Titelverteidigung

1

Ein Ansammlung von Stars in Hollywood: Das passt wie die Faust aufs Auge. Die Schauspielerriege wird sich mehr denn je in den vorderen Reihen drängeln, um Steve Nash, Dwight Howard, Metta World Peace, Kobe Bryant und Pau Gasol (v. li.) spielen zu sehen.

Wären all die genannten Herren in ihrer sportlichen Blütezeit, könnten die Lakers sicher 70 Saisonspiele gewinnen und an den ewigen Rekord der Chicago Bulls (72-10, 1995/96) hinriechen. Sie haben mit ihren Neuzugängen auch ihre Offense upgegradet: Elemente der Princeton-Offense und freieres Agieren bei Pick n' Rolls soll es Nash und Howard erleichtern, sich einzufügen. Fragezeichen bleiben aber vor einem möglichen Titelkampf: Wie fit ist Koloss Dwight Howard nach seiner Banscheiben-OP? Kann Kobe Bryant trotz Alterserscheinungen effektiv sein und für das Team spielen? Und wieviel Entlastung kommt von den (durchschnittlichen) Ersatzspielern? In der Vorbereitung haben die Lakers kein Spiel gewonnen (0-8). Ist wohl wurscht.

Prognose: Finals

2

In Oklahoma City ist knapp vor Saisonbeginn noch eine Transferbombe hochgegangen: James Harden, eine zentrale Figur des Teamerfolges (NBA-Finals) wurde zu den Houston Rockets abgegeben. Er hätte ein weniger lukratives Vertragsangebot von OKC annehmen sollen, um die Mannschaft etatmäßig und steuerlich zu entlasten. Da es im US-Sport aber nur ums Geld geht, lässt sich Harden seine sehr guten Leistungen einfach woanders maximal auszahlen.  

Oklahoma City bleibt dennoch ein Titelkandidat. Hätte Kevin Durant (li.) neun Sekunden vor Ende von Spiel 2 der vergangenen Finals den Foulpiff beim Bump von Lebron James bekommen, ja wer weiß: Vielleicht wäre alles anders gekommen. Durant wird es verkraften. Auf dem Prüfstand steht auch Guard Russel Westbrook (re.). Kein Spieler ist in der jüngsten Vergangenheit so emporgestiegen. Anstatt Jubelpresse wird er jedoch zerissen, wenn die Thunder scheitern. Die Welt ist halt doch ungerecht.

Prognose: Alles möglich

3

25 Millionen Dollar können auch schwer wiegen. Als Produkt der New Yorker Hype-Machine, spürt Jeremy Lin den schweren Rucksack bereits in der Saison-Vorbereitung. Gerade einmal vier Treffer bei 19 Versuchen gelangen Lin bisher für Houston, am Parkett wirkt er verloren. Sein Spiel ist nicht sehr variabel und er braucht viel Platz (Isolation), um seine Würfe loszuwerden.

Die Gefahr steigt, dass sich die Rockets einen überbezahlten Marketing-Gag eingekauft haben.

Prognose: Playoffs? Träum weiter!

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Indiana können den Chicago Bulls Platz eins in der Central Division streitig machen. Die Pacers spielen knallharte Defense und haben mit Roy Hibbert (Mi.) weiterhin ein Viech unter dem Korb positioniert. Die Starting-Five ist George Hill, Paul George, Danny Granger, David West, und eben Roy Hibbert bärenstark.

Prognose: Platz zwei im Osten und ein erneut heißer Fight in den Playoffs mit Miami

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Das ist nicht Philadelphias bekanntester Boxer, sondern Andrew Bynum. Er muss der Go-to-Guy für die 76ers werden. Die haben zwar mit Iguodala und Williams zwei tragende Säulen in der Offensive abgegeben, füllen aber endlich ihre Lücke unter dem Korb.

Prognose: Sollte Bynum sich nicht verletzen, ist in den Playoffs eine Überraschung drin

6

In Minnesota darf täglich gebetet werden, dass Ricky Rubio ohne Substanzverlust nach seinem Kreuzbandriss zurückkehrt. Die Timberwolves haben eine interessante Truppe beinander und das Ziel, also die Spitze, ist nicht hinter dem Horizont. Was passiert jedoch, wenn Rubio nicht mehr einschlägt, Kevin Love nach seinem Handbruch längere Anlaufzeit braucht oder NBA-Rückkehrer Andrei Kirilenko keine Lust mehr hat?

Prognose: Sind die T-Wolves zu Weihnachten in einem Loch, wird es wohl nichts mit den Playoffs.

7

Der bekannteste Patient der Liga ist Derrick Rose. Er teilt das gleiche Schicksal mit Rubio, auch sein Kreuzband ist gerissen und damit auch die Siegesserie der Chicago Bulls. Ohne ihren Regisseur sind die Bulls brav, aber keine Gefahr im Osten. Belinelli und der alternde Rip Hamilton müssen Boozer und Alleskönner Luol Deng offensiv entlasten, um den dritten Divisionstitel in Folge zu gewinnen. Da Rose erst nach dem Allstar-Break im Februar zurückerwartet wird, sind die Bulls heuer kein Thema für einen Titel.

Prognose: Early exit in den Playoffs

8

Übrigens: Ohne ihn wäre die NBA heute nicht, wo sie wäre: David Stern. Nach 30 Jahren wird er sein Amt als Liga-Präsident 2014 zurücklegen. In seiner Zeit ist die Liga kräftig gewachsen, hat Superstar geboren (Jordan, Bird, Magic etc.) und das Spiel spätestens mit dem Olympia-Boom von Barcelona 1992 in aller Herren Länder exportiert. Trotz herber Kritik der letzten Jahre, als Stern mit der Handhabung der Aussperrung und dem Veto gegen einen Wechsel Chris Pauls zu den Los Angeles Lakers am eigenen Denkmal kratzte, wird er in guter Erinnerung bleiben.

Prognose: Gute Pension

9

Ein Mann, der sich sein Leben gerne selbst schwer macht, ist Shooting Guard Eric Gordon. Beim Tauziehen um einen neuen Vertrag wollte er nach der letzten Saison auf Niederlagen und New Orleans pfeifen und zu den Phoenix Suns wechseln. Nun ist er aber auf dem angeschlagenen Schiff der Hornets sitzen geblieben und obendrein mit Kniebeschwerden zur Saison-Vorbereitung angetanzt. Werden ihm das die Fans verzeihen?

Prognose: Keine

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Vorhang auf für ein (brand)neues NBA-Team: Die Brooklyn Nets haben zwar von Dwight Howard einen Korb bekommen, versammeln aber dennoch eine gute Mannschaft. Mit Deron Williams und Joe Johnson formiert sich einer der physisch stärksten Backcourts in der Liga. Dazu kommt mit Gerald Wallace eine defensive Allzweckwaffe am Flügel und wenn auch noch Neuzugänge wie Mirza Teletovic, letzte Saison immerhin einer der besten Spieler Europas, einschlagen, dann könnten die Nets überraschen. Nicht zu vergessen: Es geht auch darum, wer die Nummer eins in New York ist.

Prognose: Aufmerksamkeit ist garantiert

11
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