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Der deutsche Medienkonzern Burda will das Internet-Karrierenetzwerk Xing komplett schlucken. Burda habe seinen Anteil an Xing auf 38,9 Prozent aufgestockt und bereite ein Angebot für die restlichen Aktien vor, teilte Burda am Freitag mit. Den freien Aktionären sollten nun 44 Euro je Anteilsschein geboten werden. Damit wird das gesamte Unternehmen mit 240 Millionen Euro bewertet.
Die Xing-Aktie schnellte daraufhin am Freitag um 18 Prozent auf 44,10 Euro nach oben. Damit liegt das Papier aber immer noch weit unter dem 12-Monatshoch von 64,13 Euro vom November 2011.
Zuvor hielt Burda 29 Prozent an Xing. Ganz freiwillig legte der Verlagsriese mit 2,2 Milliarden Euro Umsatz das Angebot möglicherweise nicht vor. Burda hatte sich im März mit sogenannten Put-Optionen dazu verpflichtet, einem Investor rund neun Prozent der Xing-Aktien abzukaufen. Den Zeitpunkt dafür kann der Verkäufer festlegen. Der Anteilseigner, dessen Name nicht bekannt ist, hat dieses Recht nun ausgeübt.
Da Burda damit gleichzeitig die Marke von 30 Prozent überschritt, muss das Unternehmen ein Kaufoffert für alle anderen Xing-Aktien abgeben - das verlangen die Börsenregularien. "Wir freuen uns über jeden Aktionär, der unser Angebot annimmt, aber auch über jeden, der Xing-Aktionär bleibt", sagte eine Burda-Sprecherin. Es sei nicht geplant, das Unternehmen von der Börse zu nehmen. Xing unterstrich das gute Verhältnis zu Burda, hielt sich ansonsten aber bedeckt. "Der Vorstand der Xing AG wird zum Angebot fristgerecht formal Stellung beziehen", sagte ein Sprecher.
Der Burda-Verlag ("Bunte", "Focus") ist bei Xing seit 2009 Großaktionär. Ähnlich wie Axel Springer baut der Münchner Konzern sein Internet-Geschäft seit Jahren aus, um die erodierenden Print-Umsätze aufzufangen. Zu den bekanntesten Online-Beteiligungen gehören der Tierfutterhändler Zooplus und die Internetfirma Tomorrow Focus ("Holidaycheck"). Der Familienkonzern mit 8300 Mitarbeitern erzielt 43 Prozent seines Umsatzes im Digital-Geschäft.
Xing konnte sich bisher gut gegen die US-Konkurrenz behaupten. Während es dem einst größten deutschen Freundes-Netzwerk StudiVZ über Jahre nicht gelang, die Abwanderung seiner Mitglieder zu Facebook zu stoppen, hat Xing sich in einer Nische eingerichtet. Für viele Berufstätige in Deutschland ist Xing unverzichtbar. Das merkt auch der US-Rivale LinkedIn, der hierzulande noch keine kritische Masse an Nutzern erreichen konnte. LinkedIn zählt in Deutschland, Österreich und der Schweiz zwei Millionen Mitglieder - Xing kommt auf knapp drei Mal so viele.
Experten zufolge sollten Xing-Aktionäre die Amerikaner auf dem Radar behalten. Es sei nicht auszuschließen, dass LinkedIn noch ein besseres Offert für Xing auf den Tisch legt, sagte Commerzbank-Analystin Heike Pauls. Zudem bewerte das Burda-Angebot die Internetfirma zu niedrig: Die hohen Investitionen, die Xing derzeit vornimmt, dürften sich 2013 auszahlen und dann dürfte auch der Aktienkurs wieder steigen, sagte die Analysten. Sie empfiehlt deshalb, das Burda-Offert abzulehnen.
Xing konkurriert mit sozialen Netzwerken wie Facebook, ist aber auf berufliche Kontakte spezialisiert. Nutzer können etwa Jobs anbieten und finden, Kooperationspartner suchen, sich über Geschäftsideen austauschen oder für Veranstaltungen werben. Im ersten Halbjahr gewann Xing im deutschsprachigen Raum 436.000 Mitglieder. Weltweit zählt die Plattform nun 12,4 Millionen Nutzer, davon zahlen 793.000 Mitglieder auch Beiträge. In den ersten sechs Monaten belasteten hohe Investitionen den Gewinn: Obwohl Xing den Umsatz um zwölf Prozent steigerte, sank das Betriebsergebnis auf 9,9 von 11,3 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Xing hat zu Jahresbeginn zahlreiche neue Mitarbeiter für die Produktentwicklung und den Vertrieb eingestellt. Im Gesamtjahr soll der Gewinn aber steigen. (APA, 27.10.2012)
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