Vom Hochkaräter zum "Lutschbonbon"

26. Oktober 2012, 22:50
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Immer wieder gelangen Diamanten aus dem Schatzkästchen der Habsburger auf den Markt

Der größte je gefundene Diamant ist er nicht, der legendärste vermutlich: Der sogenannte Hope, ein 45,52-Karäter, um den sich allerlei Mythen ranken und der einst den französischen Kronschatz schmückte. Nach mehreren Besitzerwechseln erwarb ihn Anfang der 1950er-Jahre der amerikanische Juwelier Harry Winston, der ihn später in ein versichertes Postpaket packte und dem Smithsonian Institute (Washington DC) geschenkweise zukommen ließ. Experten schätzen den Wert des blauen Hopes auf 200 bis 250 Millionen Dollar.

Im Vergleich dazu war der gleichfalls blaue Wittelsbacher geradezu ein Schnäppchen: 2008 gelangte der Klunker, der als Mitgift der Infantin Margarita Teresa zwischendurch auch mal im Besitz der Habsburger war, bei Christie's zur Auktion: Erst bei umgerechnet 18,7 Millionen Euro setzte sich Laurence Graff gegen einen hartnäckigen Kontrahenten durch. Da hatte der Stein noch 35,5 Karat. Dann verpasste ihm der Londoner Juwelenhändler sowohl einen anderen Namen (Wittelsbach-Graff, 31 kt) als auch einen neuen Schliff: zugunsten einer höheren Lichtreflexion respektive eines stärkeren "Feuers". Der 300 Jahre alte Rosenschliff war dahin, die historische Gestalt damit futsch.

Viele seiner Branchenkollegen urteilten diese Aktion als barbarisch ab, sogar Museumsdirektoren waren empört: zu einem Lutschbonbon entwertet, verlautbarte etwa Hans Ottomeyer (damals Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums in Berlin). Als hätte man einen Rembrandt übermalt, so der Nachsatz.

Königliche Schmuckschatullen

Dabei hat solches Umarbeiten durchaus Tradition: So ließ Königin Victoria den Koh-i-Noor 1850 ebenfalls neu schleifen, womit der Karatwert von ehemals 186 auf 108,93 schrumpfte. Ob den jüngst im Frühjahr bei Sotheby's (Genf) für umgerechnet 7,53 Millionen Euro versteigerten Beau Sancy (34,98 kt) der preußischen Hohenzollern ein ähnliches Schicksal ereilt, ist ungewiss.

Einen Griff in königliche Schmuckschatullen gewähren aktuell in Genf anberaumte Juwelenauktionen: Sotheby's (14. 11.) avisierte als Highlight ein mit zahlreichen Diamanten besetztes Cartier-Armband, das ehemals das Handgelenk der spanischen Königin Victoria Eugenia zierte (620.000 bis 1,07 Mio. Euro).

Christie's offeriert (13. 11.) hingegen einen 76,02-Karäter aus dem Hause Habsburg-Lothringen, konkret aus dem Besitz Erzherzogs Joseph August von Österreich (ca. 11,55 Mio. Euro / 13,97 Mio. CHF). Seine historische Gestalt verlor dieser Diamant übrigens schon 1993 (78,54 kt), nachdem der jetzige Einbringer ihn bei Christie's ersteigerte (9,68 CHF) und umarbeiten ließ. (kron, Album, DER STANDARD, 27./28.10.2012)

  • 11,55 Millionen Euro schwerer Diamant aus dem Besitz Erzherzogs Joseph August 
von Österreich.
    foto: christie's

    11,55 Millionen Euro schwerer Diamant aus dem Besitz Erzherzogs Joseph August von Österreich.

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