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London/Gütersloh - Europas größter Medienkonzern Bertelsmann und das internationale Verlagshaus Pearson führen Gespräche über einen Zusammenschluss ihrer Publikumsverlage Random House und Penguin.
Man sei in Diskussionen über eine mögliche Fusion, bestätigte Pearson in London entsprechende Medienberichte. Es sei aber noch nichts entschieden und auch nicht sicher, dass man sich tatsächlich einigen werde, hieß es. Ein Bertelsmann-Sprecher sagte am Freitag, dem sei nichts hinzuzufügen.
Nach Einschätzung des Wiener Buchmarkt-Experten Rüdiger Wischenbart entstünde damit die mit Abstand größte Publikumsverlagsgruppe der Welt - mit einem Umsatz von rund 3 Mrd. Euro. In den letzten Jahren habe der Druck auf die Verlage durch die E-Books stark zugenommen. Dazu komme die Globalisierung des Geschäfts durch Unternehmen wie Amazon, Apple und Google. "Diesem Trend müssen die Verlage etwas entgegensetzen."
Die Größe des bei einer Fusion entstehenden Unternehmens dürfte die Kartellbehörden auf den Plan rufen. Die EU-Kommission wollte sich dazu am Freitag nicht äußern.
Im September hatte Bertelsmann-Vorstandschef Thomas Rabe in einem Interview gesagt, Random House sei hervorragend aufgestellt. Er sei offen für eine Stärkung, "aber nur unter unserer Führung".
Der Traditionsverlag Penguin mit dem berühmten Pinguin als Emblem - Umsatz 2011 knapp 1,3 Mrd. Euro - ist vor allem für seine preiswerten Klassiker-Taschenbücher bekannt. Er hat im angelsächsischen Raum aber auch hohen ideologischen Wert. Als er vor 77 Jahren gegründet wurde, revolutionierte er den Büchermarkt. Verleger Sir Allen Lane wollte Qualitätsliteratur für jeden zugänglich machen. Taschenbücher gab es auch bereits vorher, doch Penguin erfasste zum ersten Mal tatsächlich die Massen.
Random House - Umsatz 2011 gut 1,7 Mrd. Euro - verkauft nach eigenen Angaben pro Jahr weltweit 500 Mio. Bücher. Zuletzt hatte Random House nochmals stark zugelegt, vor allem durch das Wachstum des Geschäfts mit E-Books und durch Bestseller wie die Erotik-Trilogie "Shades of Grey".
Der Einstieg würde in den Wachstumskurs passen, den Thomas Rabe dem Konzern in Gütersloh verordnet hat und er wäre ein erster großer Schritt. Für den Wachstumskurs benötigt Rabe Geld. Zunächst war aber ein Börsengang von Bertelsmann oder von einzelnen Geschäftsfeldern als eine von mehreren Möglichkeiten der Geldbeschaffung am Veto der Eigentümerfamilie Mohn gescheitert. Danach platzte die vollständige Übernahme des größten europäischen Zeitschriftenverlages Gruner + Jahr. Bertelsmann hält 74,9 Prozent der Anteile und hätte gerne auch den Rest erworben.
Penguin würde als strategischer Partner gut zu Rabes Kurs passen. Die Briten haben sich auch in Weltregionen eine gute Position erarbeitet, in denen Bertelsmann besonders wachsen möchte, neben Nordamerika eben Schwellenländer wie China, Brasilien und Indien.
Spekuliert wird in Medien auch über eine Beteiligung Bertelsmanns, wenn der Wissenschaftsverlag Springer-Science tatsächlich demnächst an die Börse gehen sollte. Bertelsmann wollte das nicht kommentieren. Der Gütersloher Konzern hatte Springer 1999 erworben und bereits vier Jahre später wieder verkauft, um den Rückkauf von Bertelsmann- Anteilen zu finanzieren. (APA/26.10.2012)
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