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Symbolischer Durchbruch: 2007 avancierte der Altmeister-Pionier Peter Wolf unter der Regie von Erwin Wurm zum Kunstwerk.
"Da geht er, der Peter", titelte das Profil am 21. Februar 1978 und verabschiedete in seiner Coverstory den damaligen Bundesparteiobmann der Freiheitlichen Friedrich Peter. Alfred Worm deckte in derselben Ausgabe eine 600-Millionen-Schilling-Finanzierungslücke (Wohnpark-Alt-Erlaa) auf, und Joachim Riedl zerpflückt die "kühle Plastikwelt" der soeben eröffneten U1-Strecke.
Ein paar Seiten weiter, im hinteren Teil des Magazins versteckt, stößt man auf einen brisanten Artikel, der zwei Museumsexperten die Schamesröte ins Gesicht getrieben haben muss: konkret Heribert Hutter (Gemäldegalerie Akademie der bildenden Künste) und Klaus Demus (KHM). Es ging um einen Bauernkirmes, ein zeitlich um 1700 zugeordnetes Ölgemälde, das ein Sammler kurz zuvor für 95.000 Schilling in New York ersteigert hatte. Punkto Datierung wollte der einfach Gewissheit. Bloß: Hutter datierte das Bild in das 19. ("zu gekonnt gemalt"), Demus gar in das 20. Jahrhundert ("im Stil der neuen Sachlichkeit").
Zwei gravierende Fehlurteile, wie mehrere internationale Experten in weiterer Folge bestätigten. Eine für die beamteten Autoritäten eher peinliche Angelegenheit. Dem Journalisten hatte man aber weder eine Namenszeile noch ein Autorenkürzel zugestanden: Wolf hieß er, mit Vornamen Peter.
Seine Tätigkeit als Experte für Gemälde Alter Meister lag da noch in der Zukunft, die als "marchand amateur", der um des Sammelns willen mehr tauscht als handelt, hatte er längst aufgenommen. Die Essenz dieser Jahre hütet er noch heute, hier ein Jogltisch mit alter Patina, dort ein Tisch aus Brüssel, eine Lampe aus New York und eine in London erworbene Stadtansicht. Oder auch der aus Lindenholz geschnitzte Grablegungs-Christi, der ein eigenes Sofa beansprucht. Etappen eines Lebens, in dem das Gespür für Qualität laufend geschärft wurde.
Spektakuläre Entdeckungen gab es auch, derer einige sogar, vor allem im Dienst des Dorotheums. Davon zeugen jene Spuren, die Peter Wolf im Laufe der Jahre in Form von Bildern hinterlassen sollte, etwa in den Beständen der National Gallery (London) oder dem Goya-Museum (Valencia).
Und ja, auch im Kunsthistorischen Museum in Wien: Dorthin wanderte jener Hans von Aachen ab, den Wolf in einem Keller entdeckte. Einem leisen Verdacht folgte die wissenschaftlich belegte Gewissheit: Tarquinius und Lucretia, gemalt für Kaiser Rudolf II. und ehemals in der Galerie der Prager Kunstkammer beheimatet.
Eigens aus England oder den USA angereiste Kuratoren durften es der Ausfuhrsperre wegen nur bewundern. Letztlich setzte sich das KHM gegen Unterbieter Rudolf Leopold durch, wiewohl der Kustos mit 472.400 Euro das genehmigte Budget mehr als deutlich überschritten haben soll.
Dieses Beispiel aus dem Jahr 1992 ist nur eines von vielen, steht jedoch synonym dafür, worin Peter Wolf seine wahre Bestimmung fand. Insofern hatte die eigentliche Berufslaufbahn des gebürtigen Innsbruckers 1987 begonnen: mit einem veritablen Wutanfall, besagt die zugehörige Anekdote.
Erzürnt über den "gutachterlichen Unfug" eines damaligen Experten war er im Dorotheum vorstellig geworden und ging - im übertragenen Sinne - mit einem Jobangebot. Der Rest ist quasi Geschichte: 1990 fand die erste ausschließlich Gemälden Alter Meister vorbehaltene Auktion statt.
Auf etwa zehn Millionen Schilling belief sich der übers Jahr eingespielte Umsatz der Abteilung damals. Und er stieg sukzessive: von der deutschen Konkurrenz mit Argusaugen beobachtet und süffisant als " Kap der letzten Hoffnung" oder im internationalen Vergleich als Fußnote bezeichnet.
Aus der anfänglichen Nische war bald die einträglichste Sparte des Dorotheums geworden. Eine Zäsur für den österreichischen Kunstmarkt, die selbst international nicht unbemerkt blieb. Auch, weil mit der wachsenden Zahl an Dorotheums-Niederlassungen im Ausland das Volumen an Einbringungen deutlich stieg. 2003 notierte der Jahresumsatz schon bei zwölf Millionen Euro, 2010 überstieg er die 20-Millionen-Grenze.
Parallel war aus der Wolf'schen One-Man-Show längst ein fünfköpfiges Expertenteam geworden. Denn seit der Privatisierung des ehemals von Kaiser Josef I. gegründeten "Pfandls" (2001) setzte die neue Geschäftsführung auf Expansion. Dem deutlich jüngeren Martin Böhm streut er Rosen und bezeichnet ihn respektvoll als den zweiten Gründer des Dorotheums. Ob er den launigen Wolf zähmen konnte? Der Begriff " domestizieren" sei wohl treffender, schnurrt Wolf: Vor drei Jahren habe er erstmals mit seinem Abgang geliebäugelt. Und der Chef des Hauses reagierte mit Feingefühl, gestand dem Unermüdlichen ein eigenes Refugium zu, mitsamt einem drei Meter langen Mahagonischreibtisch und einer schönen alten Staffelei.
Das gesetzliche Pensionsalter hatte er schon damals vielfach überzogen. Gerüchte, wonach er sich gern um eine Dekade verjüngte, wollten nie verstummen. Beweise blieben aus. Hier und jetzt gesteht Peter Wolf offiziell: 83 Lenze, 25 davon verbrachte er im Dorotheum. Dass er, nun als "Konsulent", dennoch künftig sporadisch durch das Palais streunt, ist mehr als wahrscheinlich. Wiewohl er das Tagesgeschäft der Abteilung längst und jetzt auch endgültig anderen überließ: Mark MacDonnell und Alexander Strasoldo, unterstützt von Kollegen in München und Italien.
Auf leisen Pfoten, von Außenstehenden nahezu unbemerkt, schlich sich der ehemalige Rudelführer Anfang September davon. Vergangene Woche fand damit die allererste Altmeister-Auktion im Dorotheum ganz ohne Peter Wolf statt. Die aktuelle Inszenierung des Nussknackers nach der Choreografie von Rudolf Nurejew an der Staatsoper, lässt er ausrichten, sei ihm jetzt lieber als Bauern von David Tenier dem Jüngeren. (Olga Kronsteiner, Album, DER STANDARD, 27./28.10.2012)
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