Darmkeim-Infektionen: Charité-Chef räumt Fehler ein

26. Oktober 2012, 21:33
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Berliner Charité um Schadensbegrenzung bemüht

Berlin - Nach den Informationspannen bei den Darmkeim-Infektionen von Babys kämpft die Berliner Charité um ihren Ruf. Der Chef des renommierten Uniklinikums, Karl Max Einhäupl, wies Vorwürfe zurück, dass die Gesundheitsbehörden zu spät informiert worden seien. "Da wurde nichts vertuscht", sagte Einhäupl am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. Er räumte aber Fehler bei der Information der Öffentlichkeit ein. "Heute würde ich fordern, die Öffentlichkeit sofort bei einem Keim-Ausbruch zu informieren."

Einhäupl stellte zugleich fest, dass die Ursache für den Tod eines Babys am 5. Oktober im Herzzentrum nicht Darmkeime gewesen seien. "Die Serratia war nicht ursächlich für den Tod des Kindes", sagte er unter Berufung auf die behandelnden Ärzte in der Charité und im Herzzentrum. Das Baby habe eine Serratien-Infektion gehabt, sei aber nicht daran gestorben. Das Kind war von der Charité in das Herzzentrum überwiesen und dort operiert worden.

Verstoß gegen Infektionsschutzgesetz

Das Gesundheitsamt Berlin-Mitte hatte zuvor dem Herzzentrum und der Charité Konsequenzen angedroht, weil sie die Infektionen zu spät gemeldet hätten. "Das ist ein Verstoß gegen das Infektionsschutzgesetz", so die Leiterin des zuständigen Gesundheitsamtes, Anke Elvers-Schreiber. Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD) kündigte Geldstrafen in dreistelliger Höhe gegen beide Kliniken an.

Am Donnerstagabend war bekanntgeworden, dass nicht nur an der Charité, sondern auch am benachbarten Herzzentrum Darmkeim-Infektionen ausgebrochen waren. Die Keime wurden dort laut Bezirksamt bereits Mitte September nachgewiesen, jedoch erst in dieser Woche dem Gesundheitsamt mitgeteilt. Auch die Charité habe zu spät reagiert. Das Bezirksamt bildete einen eigenen Krisenstab.

Nach dem Tod des Babys gab es über Tage Spekulationen, das später gestorbene Kind habe die Darmkeime aus der Charité mitgebracht und sei daran gestorben. Sowohl nach Erkenntnissen des Gesundheitsamtes als auch von Einhäupl kam das Baby ohne Darmkeim-Erkrankung ins Herzzentrum. Nach dem Tod des Babys ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung. Am Donnerstag ließen Ermittler Krankenakten der Charité und des Herzzentrums sicherstellen. (APA, 26.10.2012)

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