"Wir brauchen europäische Standards"

Interview

Vom Boxring in die hohe Politik: Weltmeister Witali Klitschko kämpft mit der Partei Udar um den Einzug in die Rada

Im Interview mit André Ballin sagt er, was er anders machen will und welche Chancen er hat.

 

STANDARD: Was ist schwieriger: Wahlkampf oder die Vorbereitung auf einen Boxkampf?

Klitschko: Die Wahlkampagne ist selbst so etwas wie ein Boxkampf. Der Wahlkampf ist dabei schwieriger. Beim Boxen gibt es Regeln. Der ukrainische Wahlkampf hingegen erinnert an einen Kampf ohne Regeln.

STANDARD: Warum haben Sie dann entschieden, Politik zu machen?

Klitschko: Um diese Regeln zu ändern. Ich liebe meine Heimat. Ich weiß, dass die Ukraine alle Möglichkeiten hat, ein modernes Land zu werden. Aber das Fehlen demokratischer Regeln erschwert diese Aufgabe. In der Ukraine geht es in den letzten Jahren immer häufiger um autoritäre Tendenzen als um einen demokratischen Aufbruch.

STANDARD: Warum sollten denn die Ukrainer für Sie stimmen?

Klitschko: Wir unterscheiden uns völlig von allen anderen Parteien. Wir bieten offene und transparente Spielregeln an. Transparenz haben wir stets am eigenen Beispiel demonstriert: Wir haben einen offenen Parteitag abgehalten und unsere Wahllisten geöffnet. Die Listen wurden Journalisten und der Öffentlichkeit vorgelegt, und nach Beanstandungen wurden 15 Prozent der Personen, die auf der Wahlliste standen, gestrichen. Sie haben unsere Kriterien nicht erfüllt. Wir sind stets für Transparenz aufgetreten, waren nie an der Macht und haben nie mit der Regierung paktiert. Wir sind neu.

STANDARD: Sie haben zugunsten der "Vereinigten Opposition" Kandidaten in einzelnen Wahlkreisen zurückgezogen. Heißt das, Sie werden mit ihr koalieren?

Klitschko: Wir haben uns in den Wahlkreisen (insgesamt 26) zurückgezogen, in denen unser Kandidat im Rating schwächer war. Wir haben Gleiches von der Opposition erwartet, doch leider hat sie nur acht Kandidaten zu unseren Gunsten gestrichen. Trotzdem glaube ich, dass wir mit der Opposition eine Koalition bilden können, die zur Mehrheit führt.

STANDARD: Wo sehen Sie die Ukraine im Spannungsfeld zwischen der Europäischen Union einerseits und Russland andererseits?

Klitschko: Wir sind Europäer, geografisch und mental. Aber echte Europäer werden wir erst dann, wenn wir europäische Standards tatsächlich einführen. Im Verhältnis zu Russland herrschen derzeit zu viele Emotionen. Russland ist einer der wichtigsten Partner für uns. Wir müssen gutnachbarliche Beziehungen herstellen - zu beiderseits günstigen Konditionen.

STANDARD: Mit wie viel Prozent rechnen Sie bei den Wahlen?

Klitschko: Unser Minimalziel liegt bei 15 Prozent. Derzeit geben uns verschiedene Umfrageinstitute zwischen 16 und 19 Prozent. Wir rechnen damit, eine Fraktion mit etwa 70 Abgeordneten zu stellen.

STANDARD: In der Rada (Parlament) gibt es die "Tradition", seine Meinung mit Fäusten durchzusetzen. Glauben Sie, die Abgeordneten werden künftig vorsichtiger, wenn Sie im Parlament sind?

Klitschko: Ich habe meine Fertigkeiten nie außerhalb des Rings angewendet und hoffe, dass ich das auch niemals muss. Politiker, die physische Gewalt demonstrieren, zeigen damit nur ihre Hilflosigkeit, weil ihnen die Argumente fehlen, um die Wahrheit ihrer Thesen zu dokumentieren. (DER STANDARD, 27.10.2012)

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16 Postings
witzig und einleuchtend,

dass für ein parlament, dass weltweit für seine handgreiflichen schlagabtausche bekannt ist, ein promovierter boxweltmeister kandidiert! vielleicht geht's wirklich nur so...

frag' mich gerade, was österreich bräuchte...

milchschnitte

schlägt man sich dort nicht gerne mal im parlament?
da freut man sich auf die nächsten handgreiflichkeiten wenn klitschko dabei ist

Die Ukraine ist ein sehr reiches Land, repräsentiert von einem verurteilten Dieb, Janukowitsch und geleitet von Oligarchen, die sich den Reichtum des Landes nach der Trennung von Russland aufgeteilt haben. Die Opposition wird eingesperrt und der Staat ist vom Abgeordneten bis zum kleinen Polizisten korrupt. Dagegen verdient ein Arzt in einem Krankenhaus in Kiev 500 Euro im Monat, bei den gleichen Lebenserhaltungskosten wie bei uns, daran wird Hr. Klitschko auch nichts ändern können.

Ergänzung

Und wenn sie dem Arzt bei der täglichen Visite keine zehn Euro in die Hand drücken, dann können sie auch daheim im Bett bleiben, also mit 500 geht er am Monatsende nicht nach Hause.

Entweder Witalij oder Vitali, aber sicher nicht Witali

Er heißt ??????? ????????????? ?????? (Urkainisch), die wissenschaftliche
Transliteration von B (in ???????) = V und nicht W

sieht dir das da oben wie eine wissenschaftliche

Arbeit aus, oder wie ein Standard-Artikel?
google-translator verwendet z.B. Vitaliy, also wieder eine andere Variante.

klitschkos einschätzung der ukraine würde auch auf österreich passen

Russland ist die Ukraine

und die Ukraine ist Russland

Geschichtlich, gesellschaftlich und kulturell

Und wenn dann irgendwelche Möchtegern-Demokraten mit populistischer antirussischer Stimmung (gegen berechtigte Kritik ist gar nichts einzuwenden, im Gegenteil)versuchen Punkte im Westen zu erzielen, dann spucken sie auf ihre eigene Geschichte und Herkunft, auf die eigenen Leute.

Die Ukraine bleibt ein unabhängiger Staat, was gut und legitimiert ist, weil es ein ukrainisches Selbstbewusstsein gibt. aber dann bitte auch akzeptieren, dass dieser Staat und das ukrainische Volk mit dem russischen stark verwurzelt sind und Russland womöglich der größte und wichtigste Partner und Freund ist.

Selbstlose Ukrainer

Ja natürlich, die Ukrainer haben so viel Weizen verkauft, dass sie danach selbst nichts mehr zu essen hatten und millionenfach verhungert sind.

Ukraine

Russland ist bestimmt nicht die Ukraine und demzufolge ist die Ukraine auch nicht Russland. Das wäre in etwa so, als würde man mir, als Schweizer, weismachen, ich sei Deutscher.

Janukowitsch ist nicht nur ein schlechter und korrupter Präsident, er ist auch ein Verräter am eigenen Lande. Gut, dass Klitschko sich politisch in seiner Heimat engagiert. Ich wünsche ihm viel Glück und Erfolg.

um die Wahrheit ihrer Thesen zu dokumentieren

Mein Gott, so suess...

Seit wann geht es in der Politik um Wahrheit ? Es geht einzig um die Durchsetzung eigener Interessen der Parteien/Elitegruppen, und das ist auch legitim so. "Die" (einzig richtige und absolute) Wahrheit existiert nicht, sie ist immer eine Frage der Perspektive.

....Den Rang
ablaufen könnte ihr allenfalls die Partei "UDAR" des Boxweltmeisters Vitali Klitschko, die von der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung unterstützt wird. Äußerungen eines CDU-Politikers zufolge hat die
Adenauer-Stiftung die Gründung von UDAR sogar ausdrücklich initiiert.http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58445

Und das ist gut so.

klitschkos einschätzung des derzeitigen zustandes in der ukraine ist ebenso völlig korrekt, wie die einsicht, gutnachbarschaftliche beziehungen zu russland herzustellen.

allerdings wird er es nicht ändern sondern das gleiche tun, wenn er an der macht ist, so wie es die orangen korruptionisten juschtschenko und timoschenko vor ihm bewiesen haben, mit denen er gerne koalieren würde.
trotz allem: viel schlechter als in den letzten 8 jahren kann es ohnehin nicht mehr werden.

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