Burritos, größer als du

  • Ein Hobbit im Orkswald. Houston Defensive End J.J. Watt hat „Burrito" Ray Rice (27) zum Fressen gerne.
    foto: barb blake / espnmedia

    Ein Hobbit im Orkswald. Houston Defensive End J.J. Watt hat „Burrito" Ray Rice (27) zum Fressen gerne.

  • Die Nummer 1 und die Nummer 2 des Landes nebeneinander. Allerdings befinden sich Tim Tebow (15) und Mark Sanchez (6) damit auf der Liste der meist überschätzten Spieler der NFL.
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    Die Nummer 1 und die Nummer 2 des Landes nebeneinander. Allerdings befinden sich Tim Tebow (15) und Mark Sanchez (6) damit auf der Liste der meist überschätzten Spieler der NFL.

Während die New York Jets und die Baltimore Ravens in den USA geschrumpft wurden, befindet man sich in Europa im „Home-Grown" Gewächshaus

Hand aufs Herz und dann erst hoch: Wer dachte sich, als das Spiel der Patriots gegen die Jets in die Overtime ging, dass New England das verlieren wird? Vermutlich hatten sogar die eingefleischten Jets-Fans, oder besser gesagt gerade diese, eine ungute Vorahnung, denn fast zu gut sah ihr Team in Hälfte zwei aus, als dass sich eine Phase der Dominanz über die Patriots noch in eine Nachspielzeit hinein verlängern ließe. Ließ sie sich dann auch nicht. Die knappe Niederlage in Foxboro war ganz bitter für die New Yorker, denn wenn sie ihre guten Partien am Ende schon verspielen, dann wird die Saison wohl nach 16 Runden für sie vorbei sein; denn da kommen sicher wieder schlechtere Spiele auf sie zu, die sie dann nur selten gewinnen.

Ganz vorne findet man die Jets bei Sports Illustrated. Tim Tebow wurde dort zum MOP (Most Overrated Player) gekürt. Mark Sanchez brach in spontanen Jubel aus, bis er weiter klickte...

Die Jets (3-4) sind nicht die einzigen mit einem Problem in der AFC. Baltimore (5-2) verlor mit Ray Lewis (übrigens die #5 der MOPs bei SI!) und Ladarius Webb verletzungsbedingt zwei wichtige Stützen ihrer Defense und erlitt gleich im Anschluss eine 13:43-Schlappe in Houston (6-1). Es war die höchste Niederlage der Ravens seit fast fünf Jahren. Im November 2007 gingen sie in Pittsburgh mit 31 Punkten Unterschied geschlagen vom Feld.

Verärgerter Joe

Die kommenden Wochen werden für Baltimore interessant, denn müssen nicht nur in der Defense neue Leute diese Lücken mit Sinn füllen (und nicht nur herumstehen), auch die Offense muss einen Schritt nach vorne machen, die ja, zumindest im Vergleich zur dunklen Seite des Balls, bei den Ravens ein wenig ein Schattendasein führt. Quarterback Joe Flacco beschwerte sich schon in der Vergangenheit darüber, dass von ihm nie die Rede ist. Bei Spielvorschauen sind für gewöhnlich die Quarterbacks gerne am Titelbild. Manning vs. Brady. Rodgers vs. Brees. Es heißt sogar Ryan vs. Stafford. Den Namen und das Konterfei von Flacco liest und sieht man aber nur, wenn er sich einen bescheuert aussehenden Schnurrbart wachsen lässt. Da kam auch der Charity-Hinweis zu spät für den Gewinner des Errol Flynn Look-A-Like-Gewinnspiels. Man liest halt lieber den Namen eines überlebensgroßen Linebackers: Ray Lewis. Das ärgert den Joe. Allerdings zu Unrecht, denn die Defense gewinnt für die Ravens einfach ihre Spiele. Ausnahmen bestätigen die Regel und wenn man Flacco mal im Bild hat, dann gibt er gerade den Ball an Ray Rice weiter. Das nagt natürlich am Ego.

Wobei auch Rice gegen Houston auf Reiskorngröße gebracht wurde. Texans Defensive End J.J. Watt erklärte dem Runningback gar, dass er Burritos isst, größer als er. Rice ist 1.73 Meter „groß". Das längste in Houston erhältliche Burrito (Sonderanfertigungen ausgenommen) ist ein Yard (91.44 cm) lang. Watt hat also übertrieben, aber nur ein bisschen.

Die Lage für die Ravens ist bei 5-2, einer Bye Week und dann Cleveland und Oakland vor sich allerdings alles andere als hoffnungslos. Die Playoffs werden sich wohl erneut ausgehen, aber das Ziel ist natürlich ein anderes. Eine zweite Bowl sollte her, alles andere kennt man bereits zu genüge.

Green Bay erstmals dabei

Interessant an der AFC ist, dass man in ihr mit einem 3-3 Record auf einen Playoffplatz steht (gleich drei mit Denver, San Diego und Miami), oder in Lauerstellung (Pittsburgh, Indianapolis), während man in der NFC mit 4-3 (Seattle, Arizona) nicht dabei ist. Green Bay hat sich als einziges .571 Team und als Dritter der NFC North mit seinem zweiten Sieg in Folge den vorläufig sechsten und letzten Platz, der für eine Teilnahme an der Post Season berechtigt, gesichert.

Nach sieben Wochen sind unter den Top 6 der NFC zwei Überraschungen auszumachen: Minnesota (5-3) ist, trotz der überraschend deutlichen Heimniederlage gegen Tampa vergangene Nacht, drinnen, Detroit (2-4) fehlt. Vielleicht wird es ja noch was in der World Series mit den anderen Katzen für die Motown (da schaut es aber auch nicht gut aus derzeit), die Lions wirken heute aber bereits wie ein geschlagenes Team. Da kann Jim Schwartz erzählen was er will. San Francisco, Tennessee, Minnesota und Chicago haben Detroit schon geschlagen, Green Bay (2x), Houston und noch ein weiteres Mal Minnesota werden die Lions noch schlagen, die damit die Saison mit einem eh noch schönen 8-8 Record und dem braven achten Platz beenden werden. So wird es sein. Kontrollieren sie es im Jänner.

Die NFC gehört am Papier den ungeschlagenen Falcons, die ihre erste Niederlage vielleicht im ersten Playoffspiel und vielleicht dann gegen die Giants erleiden werden? Tatsächlich gehört sie den Bears, den Niners, den Giants und - auch darauf lege ich mich fest - den Packers. In der West riecht Arizona nach gutem Beginn nun streng, Seattle könnte die Pace bis zum Ende halten. Wenn es von hinten eine Überraschung gibt, dann vielleicht gleich eine veritable, damit meine ich New Orleans. Das Mittelfeld, von Philadelphia über Dallas, Tampa bis zu Washington wird es aber generell schwer haben, als solches nicht zu verhungern.

EFAF im Gewächshaus

Ich habe die (mit vielen roten Strichen bedachte) Beschwerde darüber, dass ich kein Wort über die German Bowl letzthin verlor, zur Kenntnis genommen und hole es hiermit nach: Morsch.

Jetzt mal im Ernst. Es macht (hier zumindest) wenig Sinn, über die Endphase einer Amateurliga zu berichten, die auf Grund ihrer Länge von Woche zu Woche merklich schwächer wird. Der alte und neue Meister spielte in der EFL eine tolle Partie in Wien, hatte damals zwar schon Ausfälle in der Offense zu beklagen, aber dafür auch noch eine schlagkräftige Defense. Das Finale der deutschen Meisterschaft war das 20. Bewerbspiel für die Unicorns in der Saison. Das bedeutet, dass ein Großteil der Spieler, die auch einer Arbeit und/oder Studium nachgehen, die selbe Anzahl an Footballspielen im selben Zeitraum absolvieren müssen, wie der Gewinner der letzten Super Bowl. Zum Vergleich: Der österreichische Meister Raiffeisen Vikings absolvierte 2011 „nur" 15 Spiele und kam am Ende auch schon am Zahnfleisch daher. Nun sollte uns allen der Unterschied zwischen den New York Giants und den Schwäbisch Hall Unicorns klar sein. Wenn das der Fall ist, dann braucht man sich über 100+ Punkte in einem Spiel nicht lange wundern, in dem sich halt zwei Mannschaften gegenüber standen, die defensiv aus dem letzten Loch pfiffen. Es ist einfach zu viel.

Was aber interessant ist und das ist eben passiert, ist ein 180 Grad-Schwenk des Präsidiums des europäischen Verbandes in Sachen Import-Regelung.

Nachdem es jahrelang so war, dass man die Dinge innert Europa laufen und geschehen ließ (Legionäre ohne europäischen Zweitpass waren bereits limitiert), wird man nun erstmals auch bei europäischen Spielern regulierend eingreifen. Das nicht mit einem Berufsverbot, sondern man geht es umgekehrt an: Mit der Einführung des „Home-Grown Player" möchte man dem grassierenden Nomadentum in Europa Einhalt gebieten. In Zukunft muss jeder Teilnehmer mindestens fünf Eigenbauspieler am Feld haben, darf also maximal mit sechs „Imports" spielen. Am Wording und der Definition, wer ab wann als Eigenbauspieler gilt oder nicht gilt, wird noch gefeilt, an der Syntax soll es aber am Ende nicht liegen, meint es der Präsident der EFAF, Robert Huber, angeblich ernst. Man will, so sagt er, Aufbauarbeit von Vereinen einerseits belohnen, andererseits aber einen möglichen Spielertourismus verhindern.

IFAF sorgt für Bewegung

Das war nicht immer so und der Schwenk in diese Richtung hat einen ganz bestimmten Hintergrund. Bereits im August dieses Jahres hat der Weltverband IFAF bei einer Versammlung beschlossen, kontinentale Verbände, darunter auch den europäischen, in Zukunft nicht mehr anzuerkennen und gründete seinerseits Kommissionen, die diese ersetzen sollen. Seither kämpft Huber um das Überleben seines Verbandes, bzw. auch um sein persönliches darin und es bewegen sich plötzlich Dinge, die zuvor jahrelang still standen. So wird am Turninermodus ebenso hurtig gearbeitet, wie eben am Spielerabwerbungs-Irrsinn in Europa (was ganz speziell auch Deutschland betrifft, wo Huber ebenfalls Präsident ist), dem die EFAF über die letzten Jahre hindurch nichtstuend zugeschaut hat. Erst seitdem die IFAF Europe als Rute im Fenster steht, herrscht geschäftiges Treiben. Ob diese Flucht nach vorne Huber den europäischen Chefsessel bewahren kann, bleibt abzuwarten. Jedenfalls tut sich etwas in Europa und das war auch höchste Zeit.

Baseball in der Endphase - SNF und MNF fallen im TV aus

Wer am Wochenede die NFL im TV sucht, findet auf ESPN America nur zwei Spiele. Sunday Night und (falls es noch nicht entschieden ist) auch Monday Night fallen der World Series zum Opfer. Sonntag 18:00 Uhr kann man das Spiel der Patriots und Rams aus dem Wembley Stadion sehen, ab 21:25 läuft an selber Stelle die Partie Dallas Cowboys vs. New York Giants. PULS 4 zeigt die NYG@DAL-Partie ab 22:15 Uhr „As Live", wobei die Halbzeitpause dann natürlich ausfällt, somit Michael Eschlböck und meiner einer sie ab der Hälfte zwei „Fast Live" unterhalten werden. Grund für den Frühbeginn der Spiele ist die Umstellung auf die Winterzeit in Europa, die in den USA erst nächste Woche stattfindet.

NFL Woche 7:

San Francisco 49ers vs. Seattle Seahawks 13:6
Minnesota Vikings vs. Arizona Cardinals 21:14
Tampa Bay Buccaneers vs. New Orleans Saints 28:35
Indianapolis Colts vs. Cleveland Browns 17:13
St. Louis Rams vs. Green Bay Packers 20:30
Buffalo Bills vs. Tennessee Titans 34:35
New York Giants vs. Washington Redskins 27:23
Carolina Panthers vs. Dallas Cowboys 14:19
Houston Texans vs. Baltimore Ravens 43:14
New England Patriots vs. New York Jets 29:26
Oakland Raiders vs. Jacksonville Jaguars 26:23
Cincinnati Bengals vs. Pittsburgh Steelers 17:24
Chicago Bears vs. Detroit Lions 13:7

Spielfrei: Atlanta Falcons, Miami Dolphins, Philadelphia Eagles, Denver Broncos, Kansas City Chiefs, San Diego Chargers

Tabellen der Conferences

Playoff-Bild

 

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