Ein Oldtimer auf heiklem Eignungstest

Dominik Kamalzadeh
26. Oktober 2012, 19:22
  • "Hin und wieder muss ein Abzug gedrückt werden!" - Noch ist James Bond (Daniel Craig) nicht reif für den Ruhestand.
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    "Hin und wieder muss ein Abzug gedrückt werden!" - Noch ist James Bond (Daniel Craig) nicht reif für den Ruhestand.

Im 23. James-Bond-Abenteuer "Skyfall" richtet sich die Bedrohung gegen den Geheimdienst selbst

Regisseur Sam Mendes hat einen soliden Agententhriller inszeniert, der sich geschichtsbewusst und gegenwartsbezogen zugleich gibt.

Wien - Seit 50 Jahren mordet James Bond im Auftrag Ihrer Majestät auf der Leinwand. Es ist nicht gerade so, als wären die Jahre spurlos an ihm vorbeigegangen. Die Welt ist bekanntlich nicht mehr die gleiche wie 1962, als es 007 nach Jamaika zu einem gewissen Dr. Julius No verschlug. In der nicht länger bipolaren Welt leidet Bond zunehmend an einem Legitimationsproblem. Die Marke wurde mehrmals rundum erneuert; mit Daniel Craig bekam sie 2006 einen zeitgenössischen Look, der das Physische wieder mehr ins Zentrum rückte und Gegenspieler nach neuen Bedrohungsszenarien ausrichtete. Aber wie viel Bond blieb damit noch in Bond erhalten?

Skyfall, der 23. Film der Agentenreihe, stellt sich diese Frage gleich in mehrerer Hinsicht. Direkter als in jedem Abenteuer davor lenkt dieser von Sam Mendes (American Beauty, Revolutionary Road) inszenierte Thriller das Augenmerk auf das innere Selbstverständnis des MI6. Ist ein Agentengeschwader, das mit trägen Körpern gegen zunehmend immaterielle Feinde vorgehen muss, überhaupt noch zeitgemäß? Agiert M (Judi Dench), die Obermutti der Truppe, mit ihrer Mischung aus Eigensinnigkeit und Loyalität nicht wider die Interessen des Staates? Und entspricht Bond, von dessen privater Vorgeschichte hier mehr denn je gelüftet wird, eigentlich modernen Anforderungen?

Erste Zweifel darüber streut Skyfall bereits in der variantenreichen Eröffnungssequenz, in der Bond eine entwendete Festplatte sicherstellen soll, welche die Identitäten internationaler Agenten enthält, und dabei ins Visier der eigenen Leute gerät. Später wird das Hauptquartier und insbesondere M zum Ziel von (Cyber-)Terrorattacken. Ein physisch herausgeforderter Bond - sein Briefing erhält er während der Fitnessrunde - steht hier, stellvertretend für die ganze Institution, unter Beweislast. Jeder seiner nachfolgenden Schritte wird zum Eignungstest, der messen soll, ob die Institution und ihre besten Pferde noch effizient erscheinen.

Dem seriengemäßen Abspulen von Standardsituationen verleiht diese übergeordnete Krise ein höheres Maß an Realität (natürlich immer gemessen in fantastischen Bond-Einheiten). Elegant beispielsweise (und vergleichsweise reduziert) setzt Mendes eine Szene in einem gläsernen Hochhaus in Schanghai um, bei der eine tödliche Konfrontation letzthin die geringere Rolle spielt als die Suspense-geladene Pirsch samt Lichtreflexionen auf Glas, die dieser vorausgeht (Kamera: Roger Deakins). Dass Craigs Bond mitunter die Kräfte schwinden; dass er mit seiner Abgebrühtheit, seiner Geschichte punktet, all dies macht ihn nicht eben menschlicher, aber immerhin zum sympathischen Oldtimer neben Nachwuchsnerds wie dem neuen Q (Ben Wishaw).

Vaterland vs. Privateinkunft

Auf einer anderen Ebene sucht Skyfall allerdings sehr wohl wieder die Anbindung an ein gegenwärtiges Blockbuster-Kino. Denn der innerste Konflikt des Films wird wie bei einer Comicverfilmung nun zur allzu persönlichen Sache. Javier Bardems Bösewicht Raoul Silva ist ein ehemaliger MI6-Kollege Bonds und damit ein dunkles Alter Ego, das den Dienst fürs Vaterland gegen Privateinkünfte getauscht hat. Sein manieriertes, homoerotisches Gehabe, auch seine tiefenpsychologischen Defekte sind an einschlägigen Superhelden-Gegenspielern geschult. Dies wirkt, bei aller Bardem'schen Spielfreude, doch etwas deplatziert.

Ähnlich verhält es sich mit der epischen Form des Films, die sich knapp unter zweieinhalb Stunden erstreckt und mehrere Finali aneinanderreiht. Silva erscheint als Mastermind, das nach jedem As ein weiteres aus dem Ärmel zieht. Mit solchen Einlagen nimmt Mendes mehr als einmal Anleihen bei Christopher Nolans Dark Knight-Reihe. Das zieht die Angelegenheit nicht nur in die Länge, es wirkt auch als Konzept unausgereift: Das Ruinöse dieser beiden Kontrahenten, die aus ihren Erfahrungen unterschiedliche Schlüsse zogen, es erscheint für das mondäne Bond-Franchise merkwürdigerweise zu familiär.  (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD, 27./28.10..10.2012)

Ab 1. 11. im Kino

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Ich fand Skyfall eigentlich überraschend gut - wollte einfach nur ins Kino gehen und einen Film anschauen und habe nichts weltbewegendes erwartet. Die im Film durchgängigen Anspielungen von "Mum" und ihren zwei Söhnen, wobei der erste verraten wurde und ein bissl missraten ist, war ganz interessant.

Die erste Hälfte war aber ein bissl verwirrend...was ist mit der Liste passiert? Warum wollte der Bosewicht jede Woche 5 neue Agenten enttarnen, und warum konnte der MI6 die Leute nicht abziehen?

Wirklich gut fand ich die Bilder ansich: Die Schlägerei hinter der beleuchteten Glasfasade und die Schießerei in der Nacht, wo alles auf schwarz/grau und orange (vom brennenden Haus) reduziert wurde...natürlich einige plot holes, war aber ganz ok.

Dass sich sowas unter James Bond überhaupt vermarkten darf ist eine Frechheit.
Ein ganz normaler Actionfilm. Wobei Action definitiv nicht die zu betonende Silbe in diesem Wort ist.
Es fehlte eindeutig an Stil und mehr noch an 007. Wenn mir keiner gesagt hätte, dass dies ein James Bond Film ist, wäre es mir wahrscheinlich nichtmal aufgefallen.

Gottseidank waren die Kinokarten gratis, sonsts wärs schad' ums Geld!

derweil auch in der Glotze,

stimme zu

für einen bond recht gut ABER

sonst nix besonderes. gut aufgelegte schauspieler, tolle stunts aber keine spannung.

aber kein

Bond

Hat uns unglaublich gut gefallen! Empfehlung!

zwiegespalten

guter thriller nur die zweite hälfte einfach kein bond mehr sondern ein dark knight - bourne - road to perdition mix up!!!

schade! hätte potential gehabt wenn man die grundstory mit der liste weiterverfolgt hätte!

silva

das ist kein overacting, das sieht nur so aus, weil craig nur 1 gesichtsausdruck zu bieten hat.

trotzdem solide gespielt und humorvoll!

Wieder Top

Nach dem entäuschend lahmen "Quantum Trost" wirklich wieder ein guter Bond Film.
Actionreich, teils sehr zynisch und ein wirklich guter Bösewicht.

Gutes Unterhaltungskino.

verdammt,

war der Bond wieder gut.
Grandios gespielt, sauber gezeichnete Figuren, geniales Ende als Neustart.
Ich habe noch immer Gänsehaut ...

Muss mich anschließen - war großartig

aber man fragt sich schon warum es diese Liste überhaupt gab, warum Eve nicht beide abgeknallt hat, warum Bond Patrice schießen lies, bevor er eingeschritten ist.

und zu guter letzt - achtung Spoiler (nicht weiterlesen):
Mir hat nicht gefallen, dass Silva erfolgreich war...

brosnan????? sogar der vin diesel wär ein besserer bond.

James Bond als selbstgerechtes Arschloch, Sherlock Holmes als halblustiger Actionheld, Batman und Spiderman als von Selbstzweifeln zerfressene Psychowracks.

Nein, ich mag es nicht das neue Hollywood. Wahrscheinlich bin ich mit meinen 40 dafür aber auch einfach nur zu alt.

JA

100% zustimmung!

Bond schon unter Connery ein selbstgerechtes Arschloch.

Tjo, das ist immer so wenn man die eigenen Defizite gespiegelt bekommt ;-)

Nicht alles Hollywood

James Bond und Sherlock Holmes sind aus England. Auche die Darsteller der Hauptrollen sind alle Briten

armer poidl

sie sind nicht zu alt fürs neue hollywood-kino, sondern zu träge... früher war alles besser ... eh scho wissen

Das Batman genauso Irre ist wie seine gegner,macht ja gerade den reiz aus.
Oder wie der Joker feststellte,ohne Batman bin ich bloß ein Irrer im Clownskostüm.

Bond war immer schon ein selbstgrechtes Arschloch.
Bei Sherlock Holmes schauens lieber die BBC-Serie.
Spiderman hatte immer schon Selbstzweifel.
Und Batman gehört eigentlich sowieso in die Irrenanstalt.

Pass auf Ben!

Zitat:..aber immerhin zum sympathischen Oldtimer neben Nachwuchsnerds wie dem neuen Q (Ben Wishaw)...

Du läufst jetzt schon Gefahr für immer und ewig auf "Q" festgenagelt zu werden. Damit ist Deine Karriere schon vorbei, bevor sie begann -ausgesorgt hast Du zwar schon jetzt, aber viel ansonst wird über Dich nicht in Erinnerung bleiben.
Q ist auch nur eine weitere Schablone der Wasserträger Bonds -früher die Verkörperung der techn. Überlegenheit des British Empires, heutzutage zeitgemäß der Internetfreak.
Oder kennt wer noch Desmond Llewelyn?

Desmond Llewelyn

Wer kennt ihn nicht?

Desmond lieben wir alle

Aber John Cleese war fragwürdig.
Ich fand Ben Whishaw großartig. Warum sollte ihn diese Rolle stigmatisieren? Hat Das Parfum auch nicht gemacht und mit anderer frisur geht das schnell ,-)

Der sympathischer weißhaarige Mann, der den Kerl spielte, der Bond die Spielsachen gab und sich immer beschwerte dass er sie kaputt macht?
Der selbst grad mal eine Glühbirne wechseln konnte aber sonst keine Ahnung von Technik hatte?

Die wichtigste Frage zuerst:

Kann ich mir mal die Standard-Kritik hier durchlesen ohne dass ich mit geschätzten 95% der Filmhandlung inklusive sämtlichen Wendungen und der großen Überraschung am Schluß hier geSPOILERt werde?

Danke für die Antworten :-)

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