Steuerbetrugsurteil gegen Berlusconi: Endgültiger Sturz

Kommentar26. Oktober 2012, 18:44
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Es ist eine Ironie des Schicksals, dass seine Verurteilung nur einen Tag nach seinem endgültigen Rückzug aus der Politik erfolgte

Über Jahre hatte sich Silvio Berlusconi mit Sondergesetzen aller Art einer Verurteilung entzogen. Das fatale Urteil zu vier Jahren Haft wegen Steuerbetrugs kam, als kaum noch jemand damit gerechnet hatte. Es besiegelt den endgültigen Sturz eines Monarchen, der fast zwei Jahrzehnte italienischer Politik geprägt hat. Eines von einem übermächtigen Ego getriebenen Populisten, dem Skandale und Entgleisungen über Jahre nichts anhaben konnten. Mit einer Verurteilung war viel eher im Ruby-Prozess gerechnet worden, der in wenigen Wochen zu Ende geht und in dem der 76-Jährige zum zweiten Mal verdonnert werden könnte.

In seinem als Plastikpartei verspotteten Volk der Freiheit (PDL) war Berlusconi stets uneingeschränkter Herrscher. Er bestimmte, wer kandidieren, wer ein wichtiges Amt bekleiden durfte oder wer - wie sein Gegenspieler Gianfranco Fini - gnadenlos gefeuert wurde.

Es ist eine Ironie des Schicksals, dass seine Verurteilung nur einen Tag nach seinem endgültigen Rückzug aus der Politik erfolgte. In den vergangenen Wochen hatte sich Berlusconi kaum mehr in der Öffentlichkeit gezeigt, halsstarrig davon geträumt, noch einmal an die Macht zurückzukehren - notfalls mit einer neuen Partei. Doch der Glanz war längst verblasst, das hohe Alter auch mit teuren Kuren kaum zu kaschieren. Das Mailänder Gericht hat nun ein Denkmal vom Sockel gestoßen, dessen Risse längst unübersehbar waren. (DER STANDARD, 27.10.2012)

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