CSU-Medienaffäre: Die schlechte alte Zeit

Kommentar |

Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen ist die CSU hochnervös

Franz Josef Strauß selig sitzt im Himmel auf einer weißblauen Wolke und rauft sich die Haare. Diese Deppen! Wissen die nicht, dass man Einfluss auf Medien nicht per Anruf ausübt, sondern durch entsprechende Besetzung des Verwaltungsrates und anderer Gremien?

Natürlich kursieren jetzt in Deutschland Scherze wie dieser - und wenn die ZDF-Medienaffäre nicht so ernst wäre, könnte man auch darüber schmunzeln. Ein Pressesprecher ruft beim Fernsehsender an, um einen unliebsamen Bericht zu verhindern. Selbstverständlich bestreitet er diese Darstellung, doch sein Rauswurf danach spricht Bände.

Das Dumme für die CSU ist nämlich, dass sehr viele Leute sich sehr gut vorstellen können, dass sich die Szene wirklich genauso abgespielt hat. 2008 verlor die CSU bei der Landtagswahl auch deshalb die absolute Mehrheit, weil Verdruss über ihr arrogantes Auftreten und ihren Absolutheitsanspruch herrschte.

Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer bemühte sich seither, den Ball flachzuhalten, etwas demütiger aufzutreten und Vertrauen zurückzugewinnen. Die Affäre kommt für ihn zur Unzeit, sie scheint ein Jahr vor der Landtagswahl ein Rückfall in die schlechte alte Zeit zu sein.

Und sie zeigt noch etwas: Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen ist die CSU hochnervös. Zwar sind ihre Umfragewerte gut. Doch SPD-Herausforderer Christian Ude ist beliebt, und bis zur Wahl kann noch viel passieren. (DER STANDARD, 27.10.2012)

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