Sanierungsbedarf im Parlament

Einserkastl |

Wir haben uns den Parlamentsumbau zu leisten und nicht dauernd vor uns herzuscheiben

Nationalfeiertag ist, weil am 26. Oktober 1955 das Parlament das Neutralitätsgesetz beschlossen hat (gegen die Stimmen der FPÖ-Vorgängerpartei VdU übrigens). Die Sache mit dem "Abzug des letzten Besatzungssoldaten" ist unausrottbare Folklore, aber das ist halt so.

Das Parlamentsgebäude wird übrigens demnächst zusammenfallen. Zumindest ist es schwer sanierungsbedürftig, schon seit Jahren. Es geschieht aber nichts - oder doch, der Architekt, der den Wettbewerb für den Umbau des Hohen Hauses (vor allem die Neugestaltung des 50er-Jahre-Plenarsaals) gewonnen hat, wurde jetzt ausgebootet. Das Siegerprojekt sei mit einer "effizienten Gesamtsanierung nicht vereinbar". Das ist komisch und undurchsichtig.

Der eigentliche Problemfall besteht darin, dass mit der Sanierung dieses Prachtbaus aus der Zeit des Historismus nichts weitergeht. Niemand - nicht die Parlamentspräsidentin, nicht die Regierung - sagt: So, das machen wir jetzt. Es soll nämlich fast 300 Millionen Euro kosten. Und die Regierung und die Präsidentin und die meisten Parteien haben Angst vor dem Geschrei der Krawallblätter, der FPÖ und wohl auch der Stronach-Truppe: so viel Geld!

Aber es ist das Parlament. Es ist ein wertvoller historischer Bau, es ist das Symbol unserer Demokratie und indirekt eines doch recht erfolgreichen Staatswesens. Wenn die Kostenberechnungen stimmen, dann haben wir uns das zu leisten und nicht dauernd vor uns herzuschieben. (Hans Rauscher, DER STANDARD, 27./28.10.2012)

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Ein wenig mehr Grün würde dem Parlament nicht schaden!

Keine Lobby?

Soviele denkmalgeschützte Bauten wurden allein in Wien schon dem Erdboden zu Gunsten von Wohnbauten gleichgemacht. Warum leisten wir uns ein viel zu großes Parlamentsgebäude? Würde ein angemieteter Saal in einer x-beliebigen VHS nicht auch reichen? Eigentlich schon!

Ich denke, jede Stadt, die halbwegs etwas auf sich hält, hat ein ordentliches Parlament. Und wenn es schon einmal dasteht und vor allem oft und oft Ziel von Fotos von Touristen ist, sollte man es auch endlich einmal sanieren.
Jawohl, Herr Rauscher, unsere unfähige Politikertruppe soll sich endlich einmal wenigstens in dieser Sache zusammenreissen. Sie sollen sich nicht selbst die Spesen deftig erhöhen, sondern das Parlament nicht zusammenfallen lassen.

ich sags mal als erster (liebe rotstrichler, nur keine hemmungen):

wie wäre es mit abreißen? historismus ist ja eh nicht wirklich alt, sondern lediglich die zeitgenössische form von kitsch im 19. jhdt. um den aufgerufenen betrag könnte man was wirklich qualitätsvolles neues hinstellen.

und die archäologen des 4. jahrtausends würden sich nicht wundern, warum die wiener 1914 aufgehört haben, ästhetische häuser zu bauen.

renovierts das Teil endlich!

300 Mio sind kein Pappenstiel, aber eigentlich nur eine einmalige Ausgabe, die erst in 30-50 Jahren wieder fällig wird. Das wichtigste Gebäude der österreichischen Demokratie (woauchimmer sie gerade sein mag) darf in seiner Sanierung ruhig diesen Bruchteil der Sanierungskosten des Linzer Hauptbahnhofs oder des Wiener Westbahnhofs kosten, immerhin sitzen da die Leute drin, die über 8 Millionen Österreicher repräsentieren (sollten).

Also machts es schnell und vor allem: machts es g'scheit!

Der Einsturz

"Du kannst in einer Demokratie nichts bewegen. Wir würden eine gemäßigte Diktatur brauchen, wo es ein paar Leute aus der Privatwirtschaft gibt, sie sich wirklich auskennen."
Felix Baumgartner, Stratostiker bei Red Bull Mateschitz

Zumindest der Teil mit der Parlamentsrenovierung

ist absolut richtig!

Kann doch nicht sein, dass man in einem Land, in dem jeder wehrlose Berg angebaut, jedes Kaff mit jeder Ödnis über eine Schnellstraße verbunden wird, in dem man BUWOG oder Austria Tabak praktisch verschenkt - die paar Mio für eine Generalsanierung fürs Parlament nicht da sind.

Um 300 Mio kann man nicht einmal 3 von den stillgelegten Eurofightern kaufen - und entsprehcen übrigens dem Gegenwert des Steuerzuschusses von 200 durchschnittlichen Nationalbank-Pensionen.

Man kann nur hoffen, dass Prammer sich eine Zusage von allen Parteichefs unterschreiben lässt, spätestens nach der Wahl zügig mit der Renovierung zu beginnen!

Werter Herr Rauscher, das kommt meiner Meinung nach daher,

dass neoliberale Journalisten wie Sie uns seit Jahren und Jahrzehnten einreden wollen, dass jeder Euro für die öffentliche Hand ein vergeudeter ist und in Frage gestellt wird! Für den Neoliberalismus sind demokratisch gewählte Parlamente mit allgemeinem Wahlrecht ja ohnehin suspekt und mehr ein notwendiges Übel.

Aufgrund der medialen Hegemonie des Neoliberalismus fürchten sich die derzeit verantwortlichen österreichischen Politiker, die leider alle keine cojones haben, davor, dem etwas entgegenzusetzen und das führt zu dem von Ihnen beschriebenen Zustand.

Dass gerade Sie das aber jetzt kritisieren, nennt man wohl eher "Chuzpe"!

weil alle wissen daß das bauvorhaben am ende doppelt bis vierfach soviel kosten wird wie kalkuliert und keine/r den erzberger dafür machen will

"Folklore"?

Der Staatsvertrag sah eine 3-monatige Frist für den Abzug der Besatzungsmächte vor, und diese Frist endete am 25. Oktober. Unmittelbar danach wurde die Neutralität beschlossen. (Solange noch Besatzungssoldaten da waren, hätte man es ja wohl schwerlich machen können. Danach hat man aber keine Zeit verstreichen lassen.) Das heißt, die zwei Ereignisse fallen sehr wohl zusammen, also nix "Folkore", der Nationalfeiertag steht definitiv mit dem endgültigen Abzug der Alliierten in Zusammenhang. Eigentlich sollte man das wissen!

Wann ging der letzte Soldat?

"Der 25. Oktober 1955 war der letzte Tag dieser 90-Tage-Frist. Offiziell übergaben die Briten an diesem Tag die letzte besetzte Kaserne Klagenfurt-Lendorf an Österreich. Inoffiziell allerdings wurden noch am 29. Oktober zirka 20 britische Soldaten mit ihrem Offizier, Oberst E.T. Roberts, mit Geschenken der Bevölkerung aus Kärnten verabschiedet. Der letzte sowjetische Soldat hatte Österreich nachweislich schon am 19. September um 20 Uhr verlassen. Bis heute hält sich aber die Legende vom letzten russischen Besatzungssoldaten, der Österreich am 25. Oktober verlassen haben soll."

Wikipedia ist zwar keine Quelle (und gibt auch keine an) - aber ganz von der Hand zu weisen?

Oha, sehe gerade, dass das weiter unten auch schon geschrieben wurde ...

Endlich wieder einmal ein guter Kommentar von Rauscher.

und mit gaffa kann man nichts mehr machen?

als nämlich neulich bei uns die therme hin war...

Das kommt davon wenn die Parlamentspräsidentin eine bürokratische Parteisoldatin ist, ohne Visionen, ohne Charisma, die Korrupten des Landes schützt und nur auf die Schlagzeilen der Kronenzeitung schielt.

In der Tat! Wenn sich die Parlamentspräsidentin nicht zu schade ist, die unwürdigen Vorgänge um die Abdrehung des Korruptions-U-Ausschusses als "lebendigen Parlamentarismus" zu bezeichnen, dann weiß man, was von der Dame zu halten ist. So eine Aussage ist doch nur noch die blanke Verhöhnung! Man kann nur hoffen, dass sich möglichst viele Wähler daran erinnern werden, wenn sie wirklich mal als BP kandidieren sollte.

ein wegen gier, geiz und schlichter ignoranz zusammengebrochenes gebäude,....

...ein rauchender schutthaufen, aus dem hilflos die österreichische fahne stakt, ein mit goldplunder garnierter sperrmüllplatz, kurz: eine idiotendeponie mit polizeiabsperrung scheinen mir ideales sinnbild für den zustand dieses landes zu sein.
also: einfach noch ein bisserl warten, bitte.

Man könnte natürlich...

die Rechnungen überprüfen - aber NEIN: WIR haben uns da zu leisten - wie wir uns die Eurofighter zu leisten hatten. Hallo, Herr Rauscher - ist noch jemand so naiv - oder anders beschäftigt - wie Sie, dass er oder sie glaubt, Rechnungen seien "einfach so" okay? Na gut, Grundrechnungsarten zu verstehen braucht man nicht, aber: ein bissel denken wird doch erlaubt sein....

Und warum schaffen

es die Schweizer ihr Parlament bei ähnlicher Größe um nur 84 Mio € zu sanieren? 300 Mio € nur für die Sanierung! Ein wirklich unfaßbarer Betrag. Vermutlich sind da die Schmiergelder für div. Günstlinge auch einberechnet. Die Sache mit dem Architekten der aausgebootet wurde weist ja bereits in diese Richtung.

tja die schwiezer könnens hald, es ist im übrigen s teuer weil sich östereich einfach immer neppen lässt, siehe den Ringradweg-Lücken-Schluss ca 700 m für 800.000 €, na den Meterpreis können sie sich eh selbst ausrechnen (http://derstandard.at/135025938... -in-Wien); Da werden sicher wieder zig studien und untersuchen gemacht und die machen es dann so teuer....und bringen nix bis wenig

korrupte Kleptokratie

Anscheinend haben alle das Gefühl für Zahlen verloren, wenn mehr als e10.000 aufgerufen werden. Um e300m kann man einen ganzen Stadtteil bauen, vorausgesetzt das Geld wird wirklich verbaut und es werden nicht vielfach überteuerte Angebote von Günstlingen angenommen.

Ein Beispiel eher...

... für die Arroganz des Redakteurs und des Posters.
wizenstain6

"Die Sache mit dem "Abzug des letzten Besatzungssoldaten" ist unausrottbare Folklore, aber das ist halt so. "
ein bsp für erfolgreiches marketing

Fakt ist, dass am Tag nach dem Abzug des letzten alliierten Besatzungssoldaten, sehr bewußt und symbolisch deutlich, das Gesetz über die immerwährende Neutralität beschlossen wurde.
Leicht zu recherchieren. In klassisch Rau'scher Manier ein bissi Leute verdodeln, dann kommen wir selbst gscheit rüber. Und kompetent!!
Lernen sie Geschichte, Herr Redakteur, dann schreiben sie eventuell etwas weniger Topfen.
Wenn der Volksmund den Tag der Fahne feiert, dann sowieso mit einer ebensolchen aus dem Mund.
Also, was soll's?

Das Parlament fällt zusammen, das Bundesheer wird zu tode gespart, für die Universitäten gibts kein Geld, bringen ja keine Wählerstimmen, so wie die Pensionisten (für rot) und die Bauern (für schwarz), für die wird das Geld mit beiden Händen beim Fenster raus geworfen.

http://wien.orf.at/news/stor... s/2555253/
Neugebauer in der Kommission?? Das gibt Anlass zur Hoffnung auf eine superschnelle effiziente Lösung!
;-))

neubau ist kostengünstiger

wer wuerde ein altes auto umbauen auf den techn. standard von heute ? niemand ! und aehnlich ists mit einem haus. also waere ein neubau billiger, zweckmaessiger, zeitgemaesser, bauplatz zb bei der hofburg. aber dazu fehlt dem land wohl die kraft, und der politik di klasse.

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