Armstrongs Ära zur siegerlosen Zeit erklärt

26. Oktober 2012, 17:42

Sieben Titel werden laut UCI nicht neu vergeben

Aigle/Genf  - Die Siegerliste der Tour de France bleibt zwischen 1999 und 2005 leer. Die wegen Dopings aberkannten sieben Titel von Lance Armstrong werden nicht neu vergeben, entschied der Radsport-Weltverband am Freitag bei einer Sondersitzung in Genf. Die UCI kündigte außerdem an, von den wegen Dopings verurteilten Fahrern die Preisgelder zurückzufordern. Allein bei der Tour hatte Armstrong mehr als drei Millionen Euro gewonnen.

Dem bis dahin als Rekordsieger der Frankreich-Rundfahrt geführten Armstrong waren am Montag wegen jahrelangen und systematischen Dopings alle Rennergebnisse seit August 1998 aberkannt worden. Da auch viele der möglichen Nachrücker des 41-jährigen US-Amerikaners wie Jan Ullrich und Ivan Basso nachträglich Dopingsperren erhalten haben oder zumindest unter Betrugsverdacht stehen, entschied sich die UCI, die Ära zur siegerlosen Zeit zu erklären.

"Das UCI Management Committee anerkennt, dass der Verdacht weiterhin über dieser dunklen Periode hängt. Für diejenigen, die sauber gefahren sind, mag es hart erscheinen, aber sie würden verstehen, dass durch die Neuvergabe von Plätzen wenig Ehre gewonnen worden wäre", begründete der Weltverband in einer Stellungnahme. Auch Tour-Direktor Christian Prud'homme hatte sich zuletzt für diese Vorgehensweise ausgesprochen.

Das von der US-Anti-Doping-Agentur (USADA) aufgedeckte Dopingsystem um Armstrong hat in den vergangenen Wochen zu Geständnissen zahlreicher weiterer Profis geführt. Auch deren Ergebnisse wurden annulliert. Außerdem reagierte die UCI auf die heftigen Vorwürfe gegen den Verband im Zuge der Affäre und will laut eigenen Angaben eine unabhängige Untersuchungskommission einsetzen. Details sollen in der ersten November-Woche mitgeteilt werden.

"Wie ich schon am Montag gesagt habe: Die UCI ist bestrebt, diese schmerzhafte Episode in der Geschichte unseres Sportes zu retten", betonte UCI-Präsident Pat McQuaid. "Wir werden alles von der unabhängigen Kommission für notwendig Erachtete unternehmen, um den Radsport wieder fit zu machen. Schon heute ist der Radsport ein ganz anderer Sport als er es zwischen 1998 und 2005 gewesen ist."

Die Mitglieder der Untersuchungskommission sollen von einer unabhängigen Sportbehörde nominiert werden. Um welche Organisation es sich dabei handelt, will die UCI übernächste Wochen bekanntgeben. Eine Aufgabe der Kommission werde es auch sein, Wege zu finden, um sicherzustellen, dass überführte Doper auch nach ihrer Karriere nicht mehr im Sport tätig sein können, auch nicht in anderen Funktionen.

Im Gegensatz zur Armstrong-Ära bleibt der Tour-Sieg von Bjarne Riis 1996 weiterhin bestehen. Der Däne, mittlerweile Teamchef bei Saxo Bank, hatte 2007 Doping gestanden, sein einziger Titel bei der Frankreich-Rundfahrt wurde ihm wegen Verjährung von mehr als acht Jahren damals aber nicht aberkannt.

Spannend könnten sich weiterhin auch die Regressforderungen entwickeln. "Das Komitee fordert Armstrong und alle anderen betroffenen Fahrer auf, das Preisgeld, das sie erhalten haben, zurückzuzahlen", betonte die UCI.

Neben drei Millionen alleine aus diesem Bereich sieht sich Armstrong noch mit einer Millionenklage der US-Versicherungsfirma SCA Promotions konfrontiert, von der er für seine Tour-Siege Bonuszahlungen erhalten hat. SCA Promotions fordert von Armstrong 7,5 Mio. Dollar (5,74 Mio. Euro) an Prämien zurück. (APA/AFP/Reuters/dpa), 26.10.2012)

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Preisgelder?

Das wird aber noch schwierig - einerseits die Preisgelder von Armstrong zurückverlangen (soweit ja voll berechtigt) aber keine neuen Sieger zu ernennen - und damit wohl gar keine Siegerpreisgelder - dann halt an die "neuen" Sieger - auszuzahlen.

Ob das so einfach geht???

Geradezu widerlich ist auch die Offenheit, in der Schwarzweißmalerei betrieben wird.

Dabei stört man sich auch nicht daran, mit zweierlei Maß zu messen. Die Zeit zwischen 1999-2005 sei die dunkle Zeit des Radsports gewesen. 1996 was das Radfahrkapitel noch in Ordnung, 1997 und 1998 auch. Da hießen die Sieger ja nur Riis und Ulrich und Pantani; die ersten beiden haben Doping gestanden - beim aus dem Leben geschiedenen Pantani will man nicht anpatzen.
Am kabaretthaftesten ist die Erklärung, weshalb der Tour-Sieg von Bjarne Riis aus dem Jahre 1996 noch Bestand hat. Riis hatte Doping 2007 gestanden. Da war die Aberkennungsmöglichkeit verjährt (mehr als 8 Jahre). Für Armstrong gilt das nicht; sonst müsste man ihm die Titel 1999-2003 belassen.

Die Radfahrverbände und die Tour-Veranstalter

sind die letzten, die sich als unwissend und sauber darstellen sollten. Vielleicht sollten sie selbst, ihre Funktionäre die ganzen eingestreiften Prämien und Gehälter zurückgeben. Denn, dass sie nicht wussten, was Sache war, nimmt ihnen eh keiner ab. Da haben sie noch gut davon gelebt; jetzt putzen sie sich an Teilen des Systems ab. Diese Verlogenheit ist das widerlichste überhaupt. Wie ein Poster/eine Posterin schrieb, wird hier Verhalten und Geschichtsschreibung an den Tag gelegt, mit der sonst nur die inquisitorische Hetzjagd und Geschichtsschreibung mithalten kann. Schade, dass man als Konsument nicht die Möglichkeit denen eine auf den Deckel zu geben.

Doping im Radsport - Seit mindestens den 1930er Jahren!

Schon der große Fausto Coppi hat in den 40ern zugegeben mit Amphetaminen gefahren zu sein. Irgendeiner dieser Yesterday´s heros war so schlimm auf speed, dass er nach einem sturz in den Alpen am boden liegend und schwer aufgeschürft weitergekurbelt hat...
Insulin auch schon seit ewigkeiten beliebt zum muskelaufbau. Wie weißt man das nach?

Alles schlimm und trotzdem jeweils die besten des Sportes. Bei den trainingsumfängen die der sport mit sich bringt und den wirtschaftlichen Abhängigkeiten ist Doping zwar nicht aktzeptabel, aber verständlich weil humaner. Kein sesselfurzender Funktionär sollte eigentlich darüber so aus der emotion heraus und ganz fern der qualen darüber urteilen.

Lächerlich - so gesehen könnens jeden Sieger der letzten 30 Jahre streichen!

Unfähr gegenüber den Fahrern die wirklich sauber waren - die eigentlichen Sieger (P.S.: mit Doping ist bis zu einer 25% Leistungssteigerung möglich)

25% auweia, hier spricht der Auskenner...

Unfähr?
Kann man das echt so schreiben!?

...zumindest ungefähr so...

Wie definieren Sie Leistungssteigerung?
Die Stundenleistung steigt vielleicht um 5%, 25% ist utopisch, denn dann würde sogar ich den Burschen locker davonfahren.

durch doping kann man

einem jahr locker 20 kilo an reiner muskelmasse zulegen...danach natürlichweit weniger...
es gibt ih meinem fitness-studio einige exemplare die es mit chemie geschafft haben...
vor allem aber wird die regeneration in höhen getrieben von der ein sportler der nichts nimmt nicht einmal träumen kann...
schon nach kurzer zeit ist man wieder fähig fast identische leistungen zu erbringen...alpen-etappen zum beispiel...

das doping der zukunft wird beängstigend...weil es von jedem x-beliebigen menschen anwendbar sein wird...
kein altern mehr, mehr muskelmasse,weniger fett und ewige jugend...der chemischen industrie sei dank...

dann müssens aber echt gut in form sein

Ja, die "dunkle Periode". So spricht meistens ein Diktator über die Zeit seines Vorgängers, der ebenfalls Diktator war und den er aus dem Amt geputscht hat.

Eben wie ein Konzern

Beim Profi-Sport geht es um Geld. Für Investoren, für Sponsoren, für Medien, Werbung etc.
Und die "Armstrong-Partie" hat das eben wie ein Konzern aufgestellt. Beste Berater, beste Ärzte, beste Rechtsvertreter, beste Rahmenbedingungen.
Nach dem Motto: Ab in ein Dritte-Welt-Land - keine Umwelt- und Genehmigungsprobleme, wenig bis keine Steuern und Kinderarbeit gibt es obendrein.
Schon ein Konzern richtig abgestraft worden?

Gut so!

Aber wenn dann der 9. oder 10. Platzierte der Erste saubere Fahrer ist und dann zum Sieger erklärt wird, fühl ich mich irgendwie verarscht.

die einzig sauberen fahrer

sind die lenker der begleitfahrzeuge

Sind Sie sich da wirklich sicher?

was sagt niki lauda dazu?

Eine absolut richtige Entscheidung, mMn.

Armstrong...

war einer der unsympathischsten Sportler ever. Dass er jetzt für seinen Betrug bezahlen muss ist auch insofern eine Genugtuung, als man im Leben immer wieder auf solche Menschen trifft, bei denen man ahnt ,dass sie Betrüger sind, die alles daran setzen selbst im Besten Licht dazustehen und andere zu demütigen. Dass solche Menschen letztendlich alle bezahlen müssen ist das Schöne.

Die Frage ist nur, wen er betrogen hat.
Die hinter ihm klassierten Fahrer waren genauso gedopt. Den Sieg hat er also niemandem weggenommen.
Die Medien wollen immer Helden, genauso wie die Zuschauer.
Wer sich vom Offensichtlichen täuschen ließ, hat sich maximal selber betrogen.

Am schlimmsten hat er wohl seine Fans und Anhänger betrogen.

Keine neuen Sieger zu erklären war die einzige sinnvolle Entscheidung.

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