Armstrongs Ära zur siegerlosen Zeit erklärt

Sieben Titel werden laut UCI nicht neu vergeben

Aigle/Genf  - Die Siegerliste der Tour de France bleibt zwischen 1999 und 2005 leer. Die wegen Dopings aberkannten sieben Titel von Lance Armstrong werden nicht neu vergeben, entschied der Radsport-Weltverband am Freitag bei einer Sondersitzung in Genf. Die UCI kündigte außerdem an, von den wegen Dopings verurteilten Fahrern die Preisgelder zurückzufordern. Allein bei der Tour hatte Armstrong mehr als drei Millionen Euro gewonnen.

Dem bis dahin als Rekordsieger der Frankreich-Rundfahrt geführten Armstrong waren am Montag wegen jahrelangen und systematischen Dopings alle Rennergebnisse seit August 1998 aberkannt worden. Da auch viele der möglichen Nachrücker des 41-jährigen US-Amerikaners wie Jan Ullrich und Ivan Basso nachträglich Dopingsperren erhalten haben oder zumindest unter Betrugsverdacht stehen, entschied sich die UCI, die Ära zur siegerlosen Zeit zu erklären.

"Das UCI Management Committee anerkennt, dass der Verdacht weiterhin über dieser dunklen Periode hängt. Für diejenigen, die sauber gefahren sind, mag es hart erscheinen, aber sie würden verstehen, dass durch die Neuvergabe von Plätzen wenig Ehre gewonnen worden wäre", begründete der Weltverband in einer Stellungnahme. Auch Tour-Direktor Christian Prud'homme hatte sich zuletzt für diese Vorgehensweise ausgesprochen.

Das von der US-Anti-Doping-Agentur (USADA) aufgedeckte Dopingsystem um Armstrong hat in den vergangenen Wochen zu Geständnissen zahlreicher weiterer Profis geführt. Auch deren Ergebnisse wurden annulliert. Außerdem reagierte die UCI auf die heftigen Vorwürfe gegen den Verband im Zuge der Affäre und will laut eigenen Angaben eine unabhängige Untersuchungskommission einsetzen. Details sollen in der ersten November-Woche mitgeteilt werden.

"Wie ich schon am Montag gesagt habe: Die UCI ist bestrebt, diese schmerzhafte Episode in der Geschichte unseres Sportes zu retten", betonte UCI-Präsident Pat McQuaid. "Wir werden alles von der unabhängigen Kommission für notwendig Erachtete unternehmen, um den Radsport wieder fit zu machen. Schon heute ist der Radsport ein ganz anderer Sport als er es zwischen 1998 und 2005 gewesen ist."

Die Mitglieder der Untersuchungskommission sollen von einer unabhängigen Sportbehörde nominiert werden. Um welche Organisation es sich dabei handelt, will die UCI übernächste Wochen bekanntgeben. Eine Aufgabe der Kommission werde es auch sein, Wege zu finden, um sicherzustellen, dass überführte Doper auch nach ihrer Karriere nicht mehr im Sport tätig sein können, auch nicht in anderen Funktionen.

Im Gegensatz zur Armstrong-Ära bleibt der Tour-Sieg von Bjarne Riis 1996 weiterhin bestehen. Der Däne, mittlerweile Teamchef bei Saxo Bank, hatte 2007 Doping gestanden, sein einziger Titel bei der Frankreich-Rundfahrt wurde ihm wegen Verjährung von mehr als acht Jahren damals aber nicht aberkannt.

Spannend könnten sich weiterhin auch die Regressforderungen entwickeln. "Das Komitee fordert Armstrong und alle anderen betroffenen Fahrer auf, das Preisgeld, das sie erhalten haben, zurückzuzahlen", betonte die UCI.

Neben drei Millionen alleine aus diesem Bereich sieht sich Armstrong noch mit einer Millionenklage der US-Versicherungsfirma SCA Promotions konfrontiert, von der er für seine Tour-Siege Bonuszahlungen erhalten hat. SCA Promotions fordert von Armstrong 7,5 Mio. Dollar (5,74 Mio. Euro) an Prämien zurück. (APA/AFP/Reuters/dpa), 26.10.2012)

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