"Wettbewerb ist stark wie nie zuvor"

26. Oktober 2012, 17:44
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Harald Mayer plädiert für die Sonntagsöffnung in Innenstädten. Spielraum für höhere Gehälter sieht der Tchibo/Eduscho-Chef nicht

Wien - Der Duft nach Kaffee zieht in der Wiener Zentrale von Tchibo/Eduscho nur durch die Büros. Auf bis zu acht Tassen kommt der Chef der Handelskette, Harald Mayer, täglich. Die Rösterei steht seit Jahren still, der Konzern wird in Österreich im Dienste niedrigerer Kosten und einfacher Logistik von der Hafenstadt Hamburg beliefert.

Ein paar Klicks auf die Kaffeemaschine, und Mayer nippt genießerisch an seinem Espresso. Kritik am Boom der Kapselsysteme wischt er vom Tisch. Glaube man wirklich, dass die Hersteller nicht intensiv an verrottbarer Verpackung arbeiteten? "Es sind alle an sauberen Lösungen dran. Das ist nur noch eine Frage der Zeit."

Auch dass Filterkaffee deutlich billiger sei als klein portionierter, bezeichnet er als "Lug und Trug". Ersterer würde nämlich zu großen Mengen weggeschüttet. Gegen Filter spreche zudem, dass die Zubereitung länger dauere - und bei einer einmal offenen Packung die Klasse der Bohnen verlorengehe. Mayer sieht seinen Konzern am hart umkämpften Kapselmarkt als Marktführer, weit vor Nespresso.

Webhandel zählt

Tchibo/Eduscho betreibt in Österreich 150 Filialen, ist mit Shop-in-Shops in den Lebensmittelketten vertreten und zählt zu den drei größten Webhändlern. Der deutsche Mutterkonzern bezahlte verbotene Absprachen jüngst mit hohen Strafen. In Österreich ermittelt die Kartellbehörde aktuell im Lebensmittelhandel, auch Kaffee soll im Visier sein. Mayer sieht sein Unternehmen in keiner Weise betroffen. Noch nie habe es Besuche der Wettbewerbsbehörden gegeben. "Ich spreche mit vielen Leuten, aber nicht über Preise und über Geld. Mauscheln in geschlossenen Räumen ist nicht gefragt."

Mayer koppelt sich auch an anderer Front vom Gesamtkonzern ab. International büßte Tchibo im Vorjahr aufgrund hoher Rohstoffkosten spürbar Gewinn ein. In Österreich hielten ihn die 1250 Mitarbeiter zugleich stabil. "Wir sind die stärkste Auslandsgesellschaft der Gruppe." Der Umsatz von 327 Millionen Euro werde heuer voraussichtlich steigen. Für mehr als 60 Prozent des Geschäfts in den Filialen sorgen wöchentlich wechselnde Non-Food-Artikel. In ausgeklügelter Logistik und Warenversorgung liege, wie Mayer sagt, das wahre Können des Konzerns.

Kaum finanzieller Spielraum

Was die laufenden Verhandlungen des Kollektivvertrags im Handel betrifft, sieht er finanziell aber wenig Spielraum. Dass der Handel eine Niedriglohnbranche sei, wie die Gewerkschaft klagt, sei falsch: Der Lohnabschluss sei stets über der Inflation gelegen. Die Kosten zu absorbieren werde zunehmend schwieriger. "Der Wettbewerb ist so stark wie nie zuvor, die Investitionen sind enorm, die Gewinnerwartungen nicht übertrieben."

Kein Verständnis hat Mayer für den Ruf einzelner Einkaufscenter-Betreiber nach einer Sonntagsöffnung. In Innenstädten wie auch innerhalb des Wiener Gürtels plädiert er aber sehr wohl für entsprechende Möglichkeiten. Österreich könne sich nicht auf Dauer dagegen sperren. "Sonst gehört man zu den Ewiggestrigen." (Verena Kainrath, DER STANDARD; 27./28.10.2012)

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