ÖBB-Gütersparte bringt Politik in Zugzwang

Luise Ungerboeck, 26. Oktober 2012, 17:25

Der Sanierungskurs zeitigt Folgen: Dem Bund drohen ab 2013 Kosten von jährlich 42 Millionen Euro für Rail Cargo Austria

Wien - Die ÖBB-Gütersparte Rail Cargo Austria (RCA) setzt die politischen Eigentümervertreter mit ihrem Sanierungskurs gehörig unter Zugzwang. "Akzeptanz Absenkung Modalanteil Schienengüterverkehr von 32 Prozent auf 29 Prozent (Minimum)", heißt es in Unterlagen, die dem RCA-Aufsichtsrat am 3. Oktober präsentiert und der Verkehrssprecherin der Grünen, Gabriela Moser, zugespielt wurden. Die angestrebte Reduzierung des europaweit einzigartig hohen Schienenanteils am Inlandsgüterverkehr, die die RCA-Führung im "Zielbild RCA 2015" skizzierte, steht klar im Widerspruch zu den Zielen von SP-Verkehrsministerin Doris Bures. Sie sprach erst jüngst von Erhöhung des Schienenanteils auf 40 Prozent am Transportaufkommen.

Ökonomisch ist die von RCA ventilierte Rücknahme von Zugsverkehren - auf dem Prüfstand steht, wie vom Standard exklusiv berichtet, die Schließung von landesweit bis zu 143 Verladestellen bis 2015 - nachvollziehbar: Viele davon sind defizitär, werden teils nur von einem Wagon pro Tag frequentiert. "Bei manchen Bedienstellen machen wir bei einem Euro Umsatz 90 Cent Verlust", rechnet ÖBB-Sprecherin Sonja Horner vor. "Aber es ist nicht unser Ziel, die Fläche aufzugeben. Wir wollen keinen Kahlschlag, sondern sprechen mit Kunden über Preis und Produktionskonzepte."

Grüne sieht Kahlschlag

Einen "Kahlschlag" sieht jedoch die Grüne Moser: "Gibt die ÖBB 140 Verladestellen auf, werden bis 2015 rund 1,16 Mrd. Tonnenkilometer auf die Straße verlagert." Sie nennt das Strategiepapier der RCA, das am kommenden Dienstag im Aufsichtsrat erneut diskutiert werden soll, " skandalös" - auch weil darin von "Stakeholdern", also ÖBB-Eigentümervertretern, ultimativ eine "Lösung für die kurzfristige Abgabe von 700+ Mitarbeiterüberkapazitäten" als "notwendiger Beitrag" gefordert wird. Diese Personalreduktion müsste laut RCA-Papier bereits " 2013 ergebniswirksam" werden. "Die RCA verliert laufend Großkunden an die Konkurrenz, aber die dringend nötige Vertriebsoffensive zur bestmöglichen Ressourcenauslastung ist nur in Plan B vorgesehen", ärgert sich Moser, was man bei RCA bestreitet: Die Strategie 2015 fuße auf profitablem Wachstum, dazu gehöre eine Vertriebsoffensive der RCA-Speditionstochter Express-Interfracht.

Die Alternative zu den "Angebots- und Personalanpassungen", die wohl kaum über Frühpensionierungen durchführbar sein werden: Der Bund müsste ab 2013 jährlich 42 Mio. Euro in die RCA einschießen - oder die seit zwei Jahren regelmäßig geforderte Kapitalerhöhung im Volumen von 400 Mio. Euro durchführen.

Düstere Aussichten

Andernfalls sind die Aussichten düster: Massive Wertberichtigungen wären notwendig, rückläufige Cashflows würden Liquiditätsengpässe verursachen und über kurz oder lang zu Überschuldung und Insolvenz führen. Denn der RCA-Eigenkapitalpolster ist dünn, er wurde in den vergangenen acht Jahren aufgezehrt.

Aufgescheucht, wenngleich diskret im Hintergrund, reagiert auf die Schließungsszenarien die Industrie. Sie wäre zwar erst ab Ende 2013 betroffen, das jedoch massiv: 2014 würde es nach dem Aus für " Bedienstellen mit minimalem Aufkommen" so richtig zur Sache gehen: Zur Disposition stünden dann Verladestellen in Wiener Neustadt, St. Valentin, Zeltweg, St. Veit an der Glan, Pöchlarn, Traisental - und mit ihnen Zubringeräste für teils exponierte Industriestandorte. Davon wären Konzerne wie SCA/Ortmann, ÖBf, BMW, Hödlmayr, Schaffer, Papst, Lenzing und Stahlverarbeiter Welser ebenso betroffen wie Stora Enso, Bundesheer, Zellstoff Pöls und hunderte Transporte der Agrana.(Luise Ungerboeck, DER STANDARD; 27./28.10.2012)

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Wundert uns das?

Der LKW muss für den Großteil des Straßennetzes keine Maut zahlen, der Güterzug für jeden Meter des Schienennetzes dagegen schon. Wenn die Ministerin mehr Güter auf die Schiene verlagern will, müsste sie genau hier ansetzen. Nur irgendwas vor den Medien zu fordern reicht nicht.

Ist ja beim Auto(bus) das Gleiche.

Natürlich ist der Schienenverkehr teurer als eine Buslinie, wenn die Streckenbenutzung eingerchnet wird.

Es wäre wohl sinnvoll, dass bei gemeinwirtschaftlichen Leistungen (egal ob PV oder GV) das Ministerium die Schienenmaut übernimmt.

If you don´t know, what you are talking about, you should the f•+? up !!!

http://www.allianz-pro-schiene.de/projekte/... rreich.pdf

Seite 19:
"...Von den 40.000 Bahnwaggons jährlich, die bei Lenzing be- und entladen werden, wird bei ca. 30.000 Waggons das Gewicht dynamisch ermittelt...."

was bzw wen meinten sie jetzt

konkret mit ihrer kritik?

Ich weiß auch nicht

was da gemeint ist. Fakt ist, wenn alle diese genannten Äste geschlossen werden, dann muss Lenzing (wie auch ein Großteil der restlichen Holzindustrie) auf die Straße verlagern. Wenn man weiß, dass heuer ca. 2 Mio to Rohholz mit RCA im Inland transportiert wird, dann weiß man auch, dass die Hälfte davon ca. 40.000 LKW Fahrten ausmachen. Diese Schließpläne treffen das Herz des österr. Waldes: in Salzburg, St. Pölten oder Wien Matzleinsdorf kann man kein Holz verladen. Aber CO2 produzieren und dann ordentlich Strafe zahlen, dazu sind wir in Österreich fähig. Und auch die Lebensqualität vieler reduzieren. Und auch einige der 300.000 Arbeitsplätze in der Holz- und Forstbranche gefährden. So jetzt habe ich keine Zeichen mehr um meinen Ärger zu..

unangemessen

die genannten firmen sind sicher namhafte vertreter der industrie und bedeutende arbeitgeber. aber: wenn die bahn für sie wirklich ein standortkriterium ist - wieso fahren die dann nur so wenig damit? ein wagon pro tag ist nicht der große bringer...

hier ein großes gejammere vonwegen standortgefährdung anzustimmen ist etwas anangemessen...

Verschärfte Umweltbelastungen politisch in Kauf nehmen um RCA nicht zu sanieren?

Die Welt der Logistik hat sich geändert und mit just in time, kurzfristigem Lagerwesen,geringerer Fertigungstiefe,abnehmender Sendungsgröße, vertiefter internationaler Arbeitsteilung haben sich Stellgrößen für den Güterverkehr geändert.Wenn bebi RCA von der Schließung von Bedienstellen mit geringer Frequenz (1mal / Jahr) redet so geht es da um Schüttgut wie zB Zuckerrüben oder Gleise zu einem Truppenübungsplatz. Hier eine Verkehrsverlagerung aus wirtschaftlichen Gründen wäre doch Humbug. Besser sollte geplant werden was 40 % Modalverkehr im Ergebnis der Bedienstellen ergeben. Statt mit dem Ende der Vollkostenrechnung ("Verlust") der Politik zu drohen, die Ergebnisse der Deckungsbeiträge je Kostenträger (Bedienstelle) und Segment zu sehen.

Das schlimme an der Bahnpolitik: Kein langfristiges schlüssiges Konzept !

Statt euroapweit dafür zu kämpfen wie man die Bahn als ökologische Alternative zu Auto und Flugzeug positioniert hat die SPÖ bis heute kein Zukunftskonzept für die Bahn.

Die Ungerböck und die ÖVP wollen Sie privatisieren. Das Ergebnis England zeigt, dass dann das Angebot schlechter, die Löhne in der Branche, ausser für das Management, schlechter und die Gewinne für die privaten Anbieter/AGS wieder über die Zuschüsse der öffentlichen Hand finanziert werden.

Statt an eigenes Konzept zu entwickeln hat man in Österreich ein unnötig überteuertes Bahnmanagement geschaffen -finanzielle Absahnwiese für Schwarz/Blaue Freunderl.
Statt die wertvollen eigenen Immobilien selbst gewinnbringend zu verwalten/s.CH.- werden sie billigst verscherbelt.

ich glaube ich habe da etwas nicht verstanden

Die RCA fordert, dass der Anteil der auf Schienen transportierten Güter, zurückgehen soll um für eine Sanierung beizutragen. Das kann doch nur heißen, dass man für eine Sanierung mehr Leistungen auf der Straße bringen möchte.
Dafür würde ich sagen, brauchen wir die RCA nicht. Es gibt keinen Grund warum die ÖBB oder der österreichische Staat ins Frächter oder Speditionsgeschäft, das nicht auf der Schiene stattfindet, sich engagieren soll.
Wenn es die Umfeldbedingungen nicht zulassen, sei es aus Servicegründen oder aus fehlendem politischen Willen, ausreichend Verkehr auf die Schiene zu bringen muss man die RCA einfach schrumpfen. Alles andere ist meines Erachtens eine Themaverfehlung.

die von Politikern geführte BB war und bleibt ein Milliardengrab. Weniger Politik, mehr Wirtschaft mit Rücksicht auf dieUmweltvorteile des bahntransports sollte die Devise sein

Ist das Ganze nun zum Weinen oder zum Lachen..

Durch die mit der EU gekommene Liberalisierung der Verkehrsmärkte bekamen die ÖBB noch einen weiteren Konkurrenten hinzu.

Nicht nur nicht, daß es einen natürlichen Wettbewerb mit den anderen Verkehrsträgern (Strasse, Luft, Wasser) gab, es kam noch die Konkurrenz auf der Schiene dazu.

Und DIE natürlich, auch nicht fad, versucht, die grossen Bahnkunden anzubaggern (und scheint dabei recht erfolgreich zu sein).

Und das Ganze geht natürlich zu Lasten von RCA.

Spätesten hier beisst sich die Katze in den Schwanz.

Die Transporte und die damit verbundenen Einnahmen, welche die Bahn damals hatten, waren genau der Teil, welcher heute fehlt zum Erreichen von monetären Minimalzielen.

Und jetzt haben wir den Salat..

Wie schon der alte Poschalko sagte, die Liberalisierung bringt keine einzige Tonne mehr auf die Schiene. Es kam noch schlimmer, der Anteil am Modalsplit sinkt.

Der Traum jedes Eisenbahnunternehmens:

Der güterlose Güterverkehr!
Müsste man nicht die lästigen Güter irgendwo am Land zuladen (wo sie leider meistens anfallen), dann könnte man endlich diese "hippen", blitzschnellen, ultramodernen Endlosgüterzüge im Ganzzugsverkehr von Metropole zu Metropole führen!
Es entfielen nicht zur Zuladen und Entladen, sondern auch Zugzusammenstellen, Waggontransfer, Disposition!
Was sich da die Bahn ersparen könnte, und wie viel Gewinn man dann endlich machen würde!!

Genauso verhält es sich ja mit dem zweiten Lieblingsprojekt, dem fahrgastlosen Reisezug!
Endlich keine Fahrkartenschalter, Automaten, Umsteigeverbindungen, Anschlüsse abwarten mehr! Nur mehr mit TGV-ICE-Railjet... auf Ultra-Neubaustrecken schnurgerade durch die Tunnels düsen! OHNE HALT!

Das sehe ich auch so!

Der Trend in diese Richtung ist ja eindeutig!

Obwohl ein gewaltiger Personalüberhang war, so sind die ÖBBler schon lange nicht mehr fähig die eigenen Betriebsmittel sauber zu halten. Diese Arbeit wurde ausgelagert.

Auch die Arbeit mit den Nebenbahnen war dann doch zu viel, die mussten abgegeben / geschlossen werden.

Der Versuch die ausländischen Beteiligungen die Arbeit machen zu lassen ist auch gescheitert. Nicht nur die MAV Cargo in Hu ist ein Problem, auch die I Beteiligungen brachten nichts.

Ein Bemühen um Kunden zum Transport war nie erkennbar, eher nur die Abwehr dieser potentiellen Kunden erkennbar.

Aufträge vergeben und Provisionen kassieren, das können die aber sehr gut. Tunnelbauorgie über 50 Mrd. geplant, wieder Andere!

auch die blöden Tunnel beleben nur die Bauwirtschaft

und wurden der ÖBB umgehängt. Sollen doch gleich Autobahnen durchleiten, durch den Koralmtunnel würde man dann eine Super Straßenverbindung haben, auch der Stau am Brenner wäre weniger, wenn der Tunnel sinnvoll genutzt würde.
Eine richtige Wirtschaftspartei würde die Gleise abtragen und Mautstraßen machen, so wären die LKWS immer gleich im Zentrum der Städte, könnten die Einkaufszentren (derzeit noch Bahnhöfe) direkt versorgen.
Abgase sind sowieso egal, die Reichen können sich eh Ferienhäuser leisten, alle anderen haben den Mund wie früher zu halten. Umsonst kann sich der Geldadel nicht noch immer die Gerichte kaufen, siehe ehemalige Regierungsmitglieder.
Über so manche im Süden braucht man bei uns gar nicht schimpfen, wir haben ärgere

alles gesteuert, umsonst wurden nicht

die Wirtschaftsspezialisten eingeschleust.
Seidem ist es modern, alles auszulagern. Eigenleistungen wurden dann halt zu Sachleistungen und es freute sich wieder einer über fette Gewinne. Zahlen tut es sowieso der Steuerzahler, gesteuert wird es halt immer mehr von der Wirtschaft, die sich gern den Kuchen zuschanzt. Sobald mal nichts mehr zu holen ist, waren es die Leute, die nur faulenzen ...

wer nichtmal stakeholder von shareholder unterscheiden kann

sollte wohl besser nix sagen. stakeholder sind nämlich nicht allein die eigentümer, sondern alle beteiligten wie mitarbeiter, kunden, zulieferer, eigentümer, etc etc

Mit diesem argumentativen Fundament erklärt uns Frau U. seit Jahren, dass die ÖBB am besten zu privatisieren seien. Wenigstens läuft das Bashing jetzt etwas subtiler.

ÖBB-Gütersparte bringt Zugzwang:

Das will ich meinen; es ist nicht einzusehen, dass die LKW-Flotte noch größer wird!

ÖBB in Zugzwang und gleichzeitig größer Fuhrwerker auf der Straße.

Ein eklatanter Widerspruch in sich!

Der LKW Transport ist noch immer viel zu billig - der Steuerzahler zahlt hier ordentlich zum Straßenbau/erhalt dazu!

Grundsätzlich soll der Gütertransport auf der Schiene MAXIMIERT werden - auch unter Inkaufnahme höherer Kosten!

Die ÖBB Gütersparte Rail Cargo Austria ist ja heute schon nicht die einzige Firma, die Gütertransport auf der Schiene durchführt (zB Cargo Service GmbH der Logserv Linz). Hier wird ein gesunder Wettbewerb den Preis gestalten... Diesem muß sich die ÖBB aber stellen!

Schein und Sein

was auch immer politisch und finanztechnisch zum
zukünftigen Güterverkehr vorzubringen ist - absolut anachronistisch ist die Tatsache, dass jede Nacht
über 100m lange Güterzüge quer durch 5 Wiener Bezirke und nur wenige Meter an Wohnhäusern vorbei rumpeln und quietschen. Das interessiert weder rot noch grün noch schwarz noch blau noch sonst wen.
Eine engagierte Kampagne gegen diese mutwillige Gesundheitsgefährdung könnte hier tausende Wählerstimmern bringen, meine Damen und Herren.

Der weis nicht um welches Thema es hier geht !!

Ab Fahrplanwechsel gehts durch den Wienerwald- und Lainzertunnel nach Kledering. Wien Nordwestbahnhof gibt es bald nicht mehr, somit keine Güterzüge mehr auf der Vorortelinie.
Gibts dann Ihre Wählerstimme?

100m lang????

inkl. Lok sind das nur 5 cargos....
welche Züge sind das?

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