Griechenlands Finanzminister im Spital

26. Oktober 2012, 18:45
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Athen/Istanbul - Minister oder hoher Beamter in Athen zu sein ist kein Honiglecken in diesen Tagen: kaum mehr als vier, fünf Stunden Schlaf, Marathonverhandlungen mit der Troika und widerspenstigen Koalitionspartnern und immer nur Spießrutenlaufen in der Öffentlichkeit. Finanzminister Yiannis Stournaras ist das jüngste Opfer in einer Serie von gesundheitsbedingten Ausfällen in der Regierung. Der 55-Jährige war Donnerstag mit Erschöpfungszuständen und dem Verdacht auf Lungenentzündung ins Spital eingeliefert worden.

Stournaras schlug den Rat der Ärzte in den Wind und ging wieder zurück ins Büro. Vergangene Woche war eine von Stournaras' Mitarbeiterinnen bei einer Verhandlungsrunde mit der Troika zusammengebrochen. Kurz vor dem EU-Gipfel in Brüssel erlitt ein enger Mitarbeiter von Premier Antonis Samaras einen Infarkt, während des Gipfels musste Samaras' Finanzfachmann Giorgias Zannas wegen akuten Bluthochdrucks auf dem Zimmer bleiben.

Einem Bericht des Währungsfonds zufolge hat das Land "keine Chance", das Schuldenziel von 120 Prozent des BIPs im Jahr 2020 zu erreichen; im besten Fall würden es 136 Prozent sein. Griechenland braucht weitere Finanzhilfe in der Höhe von bis zu 30 Mrd. Euro, wenn das Land einen Aufschub von zwei Jahren für die Erfüllung seiner Sparauflagen erhält.

Polizei und Regierung sehen mit Sorge dem Nationalfeiertag am Sonntag entgegen. Wie im Vorjahr werden bei den Militärparaden Straßenblockaden und Buhrufe erwartet. (mab, DER STANDARD; 27./28.10.2012)

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    Die Lage in Griechenland bedeutet auch Dauerstress für Politiker. Finanzminister Yiannis Stournaras ist das jüngste Opfer.

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