Rapid, ein mit Senf gefülltes Zuckerl

Christian Hackl
26. Oktober 2012, 18:02
  • Die Post-Match-Statements der Trainer

Die Europa League ist für Österreichs einzigen Vertreter ein Desaster. Das 0:4 gegen Bayer Leverkusen zeigte einmal mehr die Grenzen von Rapid auf

Wien - Eigentlich ist die Gruppenphase der Europa League für Rapid laut Trainer Peter Schöttel "nur ein Zuckerl". Allerdings kein süßes, sondern ein mit Pfeffer oder Senf gefülltes. Derjenige, der es lutscht, speibt sich im Extremfall an. Auf Kindergeburtstagen und Betriebsfeiern kommen die Dinger echt gut an. Sie dienen als Stimmungskanone, im Vergleich dazu kann das gewöhnliche Furzkissen einpacken. Gott, was haben wir gelacht.

Es war nicht so, dass sich die Rapidler nach dem 0:4 gegen Bayer Leverkusen übergeben haben, aber viel hat nicht viel gefehlt. Von " mangelnder Qualität" haben sie gesprochen, der routinierte Stefan Kulovits bescheinigte sich und seinen Kollegen "Kindergartenreife". Verteidiger Mario Sonnleitner verkannte die Situation. Der Hinweis, dass man in der heimischen Liga zu selten gefordert werde, war an diesem Donnerstagabend eine absolute Themenverfehlung. Rapid plagt sich nämlich auch gegen Wiener Neustadt.

Mangels Alternativen ist wieder das "große Vergessen" angesagt. Das hat bereits nach dem 0:2 im Derby gegen die Austria nicht funktioniert. Am Sonntag wird in der Liga Titelverteidiger und Spitzenreiter Red Bull Salzburg begrüßt, das klingt schlimm, zumal das 0:4 gegen Leverkusen eher zu den unvergesslichen, nicht verdaubaren Zuckerln zählte. Schöttel wurde tatsächlich gefragt, ob der Aufstieg nach drei Niederlagen ein Thema sei, in der Geschichte des Fußballs gab es selten konkretere Antworten: "Nein. Immerhin durften wir uns mit guten Gegnern messen."

Rapid steckt in der Krise. Seit sechs, sieben oder auch acht Wochen fehlt der Depression das Manische. Leverkusen war fast schon egal. Dass Schöttel "Mut" angekündigt hatte, war nur ein Akt der Notwehr. " Irgendetwas muss man ja vor einem Spiel sagen. Uns fehlt in dieser Phase das Selbstvertrauen. Das Derby stimmt mich viel nachdenklicher."

Ohne Hirn

Ursachenforschung. Die prekäre Personalsituation ist mit dem aktuellen Kader nicht zu bewältigen. Fallen etwa Steffen Hofmann und Guido Burgstaller - er ist übrigens Rapids einziger aktueller Teamspieler (Spieler ist relativ, er gehört dem Aufgebot an) - aus, sind das zwar keine Ausreden, aber nicht zu schließende Lücken. Kapitän Hofmann ist seit rund zehn Jahren das Hirn, der Antreiber. Er laboriert an einer Augenverletzung, möglicherweise läuft er gegen Salzburg mit Schutzbrille ein. Schöttel hofft es.

Der 45-Jährige kennt die Hütteldorfer Realitäten (wenig Geld und Perspektiven), er hat ja dort praktisch sein komplettes bisheriges Leben verbracht. "Wir bewegen uns auf einem schmalen Grat, weil wir viele Junge haben. Wir gehen mit dem eigenen Nachwuchs einen klaren Weg. Den werde ich verteidigen, auch wenn ich irgendwann allein dastehen sollte."

Noch ist er in einer großen Gruppe, gegen Leverkusen waren 43.200 Fans im Happel-Stadion. Der Rapid-Anhang, Teile davon gelten als verhaltensauffällig und notorisch bescheuert, war diesmal extrem lieb. Er begleitete die Mannschaft stimmlich auf der Reise ins Unheil. Rudi Völler, der Sportdirektor der Deutschen, war jedenfalls beeindruckt. " Eine überragende Stimmung. Ich bin viel herumgekommen, aber das war einmalig." Schöttel blieb nur die Entschuldigung: "Wir konnten eure und unsere Erwartungen nicht erfüllen."

Leverkusen muss das 4:0 übrigens auch vergessen. Völler besteht darauf. " Obwohl unsere Vorstellung beeindruckend war." Am Sonntag warten in München die Bayern. Der Sportdirektor spendete den schönen Satz: "Das wird ein ganz anderes Spiel." Und so gab es doch noch den kleinsten gemeinsamen Nenner zwischen Rapid und Leverkusen. Beim Vergessen sitzt man quasi im selben Boot. Die Zuckerln schmecken freilich ganz anders. (Christian Hackl DER STANDARD 26.10.2012)

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man hat einfach gesehen, dass ohne hofmann nichts geht.
wir hatten ja nicht mal eine richtige torchance.

kein einziger bei rapid kommt nur annähernd an ihn ran.

das würde mich nachdenklich machen herr schötttel.

Rapid

hat Glück gehabt. Nicht auszudenken wenn der Gegner Borussia Dortmund gewesen wäre.

Teile davon gelten als verhaltensauffällig und notorisch bescheuert

.... das gilt genauso für einfallslose journalisten, wie der artikel belegt.

Ein gutes Spiel beginnt im Kopf. Spieler wie Prager haben ewig ein mentales Problem und das muss man auch einmal ansprechen! Es kann nicht sein, dass man als Bundesligaspieler bei Rapid nicht daran glaubt, man könne in der Premierligue spielen, wenn es ein SM dahin geschafft hat!
Den Prager zb. würd ich gerne einmal fragen, warum er sich entschieden hat profifussballer zu werden, wenn genau jede kugel, mit der er etwas zu tun hat beim gegner landet? Ist gar nicht persönlich, aber was ist das? .....Und dann sollte ein trainer die mannschaft auch so vorbereiten, dass alle das gefühl haben, sie können in der premierligue spielen und die unsinnigen prognosen lassen und im jetzt und hier arbeiten, von spiel zu spiel.

liab ...

"Der Hinweis, dass man in der heimischen Liga zu selten gefordert werde" ... wie war nochmal das Derbyergebnis vom letzten Wochenende ? oder meinte er doch überfordert ?

D-Buli so schön. Fußballer die bälle annehmen und sofort weiterverarbeiten können. Bremen wieder ganz stark.

Schöttel sollte vielleicht sein Rotationsprinzip überdenken, wie kann ich einen Trimmel als IV nehmen wenn ich merke in der Offensive läut nix? So schlecht war Schimplsberger auch wieder nicht.
Prager aufzustellen ist wertlos, der verhaut Bälle die man sonst blind spielt.

Schimpl ist/war verletzt.

sie haben bestimmt ihr bestes gegeben

zu mehr hat's eben leider nicht gereicht.

(in diesem sinne: weitermachen)

Realitätsschwund

Beim Freund Sonnleitner wundert mich gar nichts mehr . . . Wenn man schon den Weg der Jungen geht, dann setze ich diese auch ein. Zu früh ist es nur wenn man was gewinnen muß, da ja nicht gegeben, wäre es eine super internationale Erfahrung für die Jungen.

Ausrede...

Nach solchen Spielen hört man immer die gleiche Ausrede: Die österr. Liga ist zu schwach, wir können international halt nicht mithalten. Das ist natürlich nicht unrichtig, aber damit kann man letztlich alles rechtfertigen. Es ist sehr billig, die Schuld immer nur auf andere Umstände zu schieben anstatt sich mit den hausinternen Problemen zu beschäftigen. Rapids Autritt ist ja selbst in der angeblich so schwachen heimischen Liga im Moment einfach nur ein Graus. Ein 0:4 daheim im ausverkauften Stadion gegen ein genügsames Leverkusen Team, das nur auf Sparflamme spielt, ist eine Schande. Punkt!

Dass unsere Liga zu schwach wäre, ist tatsächlich eine Ausrede

Erstens sind wir in Europa die Nr. 14 und dann haben noch im vergangenen Jahr die Vereine Red Bull Salzburg, Austria und Sturm viele Punkte gemacht. Austria allein machte in der Gruppenphase 8 Punkte und insgesamt im vergangenen Jahr 1,5 Punkte für die Wertung. Heuer haben alle Vereine zusammen diese Punkte. Es liegt (lag) allein daran, dass unglücklicherweise die falschen Vereine dabei waren. Admira, Ried und Rapid waren (sind) einfach zu schwach. Diese Tatsache darf man nicht so einfach unter den Teppich kehren. Allerdings sehe ich bei Rapid auch in der Zukunft keine Perspektiven. Sie haben kaum Spieler, die sie auf den Markt werfen können um Geld zu verdienen und der Nachwuchs ist sicher auch nicht besser als der der Mitbewerber..

Rang 14 ist ein Ergebnis aus Vorjahren

und aktuell ist sportlich nichts vorhanden. Um bei Rapid zu bleiben. Edlinger und seine Beisitzer lassen Spieler in Billigsdorf am Ramsch einkaufen, glauben an die konditionelle Unsterblichkeit von Hoffmann, verkaufen Schlüsselspieler sowie sie Weltmeister in Österreich sind - also besser als die Meisten er Liga.

Rapid ist zur Kultmarke aufgebaut worden, und wird von Fans auch so gepflegt. Der Inhalt ist leider über dem Ablaufdatum. Flasche leer.

was heißt "angeblich so schwachen liga"? unsere liga IST schwach. oder soll das vielleicht ein erfolg sein, wenn man mit ach und krach die gruppenphase übersteht und danach hochkant rausfliegt wie rbs letztes jahr? von rapid will ich gar nicht reden. ist sowieso ein trauerspiel.ich weiß nicht, warum man die dinge einfach nicht beim namen nennen kann und einfach ausspricht, was doch offensichtlich ist. es ist nicht bös oder fies gemeint aber: die österreichische buli ist eine sissiliga.

Rbs hat aber letztes Jahr wenigstens die Gruppenphase überstanden - das tolle Rapid holt nicht einmal einen Punkt wenn die so weiter spielen ......

Als Austrianer muss ich sagen, dass die Rapid zu sehr zum großen Drama neigt. Ja, die Mannschaft hat eine Krise. Aber eigentlich ist der Zeitpunkt nicht so schlecht, denn gegen Austria, Leverkusen und ev. RBS kann auch eine gute Rapid jederzeit verlieren. Wichtig ist, dass man über diese schweren Spiele darüber kommt und lernt, wo die Probleme liegen und diese gegen die leichteren Gegner angeht.
Das Problem ist aber sicher nicht die zu schwache Liga oder dass die Rapid keinen in Ö konkurrenzfähigen Kader hätte! Diese beiden Argumentationslinien die oft genannt werden, widersprechen einander übrigens ;-)

dafür gibts grün eines grünen :)

Schöttel

In dem Video sieht man was passiert, wenn der Vorstand die Mannschaft kleinspart, man einen Trainer holt, der vl von Haus aus nicht der richtige ist, weil er immer nur defensiv spielte und dieser dann auch noch nicht das persönliche Format hat (PPacult war nicht nur positiv, aber er hat Klartext gesprochen, und den Spielern in den Ar*** getreten damit sie laufen). Bei diesem Statement in dem Video wird einem ja schlecht, der Trainer von einer österr. "Topmannschaft" redet als wäre er ein 17-jähriger Lehrling, der was verbockt hat...

"Der 45-Jährige kennt die Hütteldorfer Realitäten (wenig Geld und Perspektiven)"
Das stimmt doch nicht. Rapid verdient jede Menge Geld, nur weiß niemand wo es hinfließt. Die Austria konnte sich mit deutlich geringeren Einnahmen Murg und Hosiner sichern. Allein mit der Prämie die man für den Einzug in die Gruppenphase erhalten hat, hätte man sich Hosiner kaufen können und es wäre immer noch eine halbe Million übrig geblieben.

die austria hat halt ein fettes negatives eigenkapital. darf dann halt auch nicht übersehen werden.

also viel Fremdkapital? ^^

nein, viel bilanzverlust. das frisst ein bisserl das eigenkapital auf und machts dann negativ (per 30.11.2011 - neuere zahlen liegen nicht vor - ist das Grundkapital 70 TEUR, der bilanzverlust -5.541 TEUR. und das laufende ergebnis ist jährlich unter aller sau)

oder ist bei Ihnen das fremdkapital bestandteil des eigenkapitals?

wer wären eigentlich so die 2-3 typischen/wahrscheinlichen kandidaten für eine schöttel-nachfolge? irgendwie fällt mir da keiner ein, müsste evtl. eine kreative lösung sein.

Ich würde zwei Trainer nehmen.

Fürs Lauftraining und Kondition den Phettberg.
Für die Taktik wär vielleicht der Pröll nicht schlecht.

wie wär's mit heiko vogel, der vor kurzem @basel entlassen wurde?
ein junger, taktisch versierter trainer, der auch mit jungen spieler sehr gut kann...

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