In Spanien ist jeder Vierte ohne Job

In den vergangenen zwölf Monaten wurden in Spanien weitere 835.900 Arbeitsplätze zerstört

Kein Ende der spanischen Abwärtsspirale. Mit Ende des 3. Quartals wurden 5,78 Millionen Arbeitslose gezählt, wie aktuelle Daten des nationalen Statistik- Instituts belegen. Erstmals wurden die 25 Prozent überschritten - ein Höchstwert seit 35 Jahren.

Binnen Juli und September waren 85.000 Menschen mehr Arbeitslose gemeldet. Im Vorjahresvergleich stieg die Zahl um fast 836.000. In mehr als 1,7 Millionen Haushalten geht kein Familienmitglied einer Beschäftigung nach, so die Statistik.

"Bis Mitte 2013 ist keine Verbesserung in Sicht", gestand Wirtschaftsstaatssekretär Fernando Jiménez Latorre von der Partído Popular (PP) ein, obgleich er "eine gewisse Stabilisierung am Arbeitsmarkt" ortete. "Wir sind in einer Situation des nationalen Notstands", meinte indes Soraya Rodríguez, Parlamentssprecherin der Sozialistischen Opposition (PSOE). Die Partei kritisierte die geplante Entlassung von mehr als 50.000 Beamten. Laut Rodríguez sei die Arbeitsmarktreform der Rechtsregierung gescheitert. Die PSOE fordert fünf Milliarden Euro für die Schaffung neuer Jobs, vor allem für die junge Generation. Die Sozialversicherungsanstalt verbucht ein Defizit von mehr als 10,5 Mrd. Euro. Mehr als ein Prozentpunkt des BIPs fehlen wegen Pensionen und hohen Arbeitslosenzahlungen.

Bad Bank ab Dezember

Spanien befindet sich auf einem guten Weg, um seine Probleme im Finanzsektor zu korrigieren", bestätigten die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank nach einer ersten Prüfung der iberischen Banken, die am Freitagabend publik wurde. Die "Bad Bank" soll am 1. Dezember ihre Arbeit aufnehmen. "Es ist ein weiterer Schritt in Richtung der Verbesserung und der tiefgreifenden Reform des spanischen Banksystems", lobte EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn: "Und zugleich ein essenzielles Element, um das Vertrauen der Investoren und der Konsumenten wieder herzustellen." Der Internationale Währungsfonds mahnte dazu, "Banken, die unrettbar sind, so rasch wie möglich zu liquidieren".

Mehr als eine Woche hatte eine Delegation aus EU-Kommission, EZB und einem IWF-Experten die "Bad Bank"-Pläne Spaniens unter die Lupe genommen. 32 Konditionen des vor dem Sommer getroffenen Übereinkunftsmemorandums galt es zu erfüllen.

Premier Mariano Rajoy will nicht mehr als 54 Milliarden Euro der mit bis zu 100 Milliarden Euro limitierten Rettungskredite zur Sanierung des maroden Finanzsektors benötigen. Doch die verstaatlichten Institute Bankia, CatalunyaCaixa, Novagalicia sowie die Banco de Valencia allein dürften 45 Milliarden Euro benötigen. Weitere 25 Milliarden Euro sollen in die geplante Bad Bank fließen, der "Auffanggesellschaft" für faule Immobilienaktiva.(Jan Marot, DER STANDARD; 27./28.10.2012)

Share if you care