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Wenig schmeichelhaft sind die Big Brother Awards 2012, die Donnerstagabend in Wien verliehen wurden. Der Datenschutz-Negativpreis wurde in vier Kategorien von einer Fach-Jury vergeben, es gab außerdem eine "Volkswahl". Die Wahl pendelte zwischen Fahndungs-Video-Clips auf Bahnhöfen und beispielsweise dem SP-Nationalratsabgeordneten Johann Maier, der laut den Initiatoren ausgerechnet bei der Abstimmung über die Vorratsdatenspeicherung im Plenarsaal des Parlaments fehlte.
Kategorie "Kommunikation und Marketing": "Die Polizei fahndet seit Monaten auf Bildschirmen in den Wiener Bahnhöfen nach Straftätern oder Vermissten. Der Spot der Polizei ist alle zwei Minuten auf jedem Bildschirm für 20 Sekunden zu sehen. Eine derartige Fahndung ist europaweit einzigartig, nur aus den USA sind uns ähnliche Videowall-Projekte bekannt", erklärte Alexander Christ, Geschäftsführer von Digilight als Nominierer. Bisher hätte allerdings noch kein einziger Hinweis zur tatsächlichen Ergreifung eines Gesuchten geführt. Fazit, so die Proponenten in einer Aussendung: "Paranoia statt Sicherheit - You have the Choice."
Einen Ausritt in Carlo Goldonis "Diener zweier Herren" machten die Juroren bei der Wahl in der Kategorie "Politik". Da fanden sie den Vorsitzenden des Datenschutzrates, den SP-Nationalratsabgeordneten Johann Maier. Der Datenschutzrat hätte sich mehrfach und einstimmig gegen die Vorratsdatenspeicherung ausgesprochen, als die Abstimmung im Parlament erfolgte. Die Big Brother Awards-Organisatoren: "Als die Vorratsdatenspeicherung im Parlament zur Abstimmung kam, fehlte Maier, den plötzlich ein menschliches Bedürfnis überkam." Die Pause dauerte lange genug, um sich der Abstimmung zu entziehen. "Die Vorratsdatenspeicherung wurde mit den Stimmen der anwesenden Abgeordneten von SPÖ und ÖVP beschlossen." Dem Austausch von Polizeidaten zwischen den USA und Österreich hätte Maier ebenfalls zugestimmt ("Weil ich Realist bin").
In der Kategorie "Business und Finanzen" siegte mit IMS Health das internationale Pharmadaten-Analyse-Unternehmen mit Sitz in New Jersey in den USA. Das Unternehmen - so die Verleiher des Preises - propagieren, dass Ärzte gegen eine Aufwandsentschädigung von jährlich 432 Euro in ihrer Software ein Plugin installieren, der "Patientendaten wie Geschlecht, Geburtsjahr, Krankenscheinart, Diagnosen, Medikamente, Dosierung, Therapie oder Laborwerte" an IMS Health liefert. Auch Daten von Apotheken und Krankenhäusern kämen dazu.
Passend dazu: In der Publikumswahl siegte die in Österreich geplante elektronische Gesundheitsakte ELGA.
Beim "weltweiten Datenhunger" kam Google mit seinem "Account für alle Plattformen" auf den ersten Platz. Das werde als bequem verkauft, führe aber nur zu noch mehr Daten über den Benutzer bei Google.
"Behörden und Verwaltung": Auch hier geht es um Google. Das österreichische Parlament hätte einen Schritt in Richtung direkte und digitale Bürgerbeteiligung getan. Seit Ende 2011 können Petitionen und Bürgerinitiativen über die Parlaments-Website unterstützt werden. "Klingt positiv. Doch seither weiß auch Google, wer in Österreich welches Bürgeranliegen offiziell mit seiner Unterschrift unterstützt hat", so die Juroren. Auf dem Server werde nämlich das Google-Captcha-Programm verwendet.
Als "Defensor Libertatis" wurde Jacob Appelbaum ausgezeichnet. Der Netzaktivst ist stark beim Tor-Projekt, ein Netzwerk zur Anonymisierung von Verbindungsdaten, engangiert. (APA, 25.10. 2012)
die damen und herren datenschützer, sollen mir vielleicht folgendes erklären:
das österreichische gesundheitssystem ist bekanntlich in vielen bereichen von einem endgültigen kollaps bedroht. eine zweiklassen-medizin (beispielsweise schneller operations-termin für klasse-patienten) gibt es bereits - auch wenn das viele nicht wahr haben wollen. ELGA wäre ein mittel kosten zu reduzieren - keine mehrfachuntersuchungen, alte befunde werden nicht verschlammt, vorgeschichte für den arzt usw. usf. ... man kann ja immer GEGEN etwas sein, aber dann muss man auch eine alternative nennen können! also bitte, wie sollen beispielsweise kosten für mehrfachuntersuchungen eingespart werden? ich bin jetzt einmal ganz ohr.
Weil die Diagnose nicht so recht stichhaltig erscheint bzw. weil es sich einfach um ein weitreichendes kritisches Problem handelt (Krebs, Herz, Organversagen ...) möchte ich eine unabhängige zweite Meinung einholen. Es wäre ausgesprochen kontraproduktiv, wenn der zweite Arzt bereits voreingenommen durch die Meinung des Ersten untersucht.
Es ist nun einmal Tatsache, dass viele sich einfach keine Mühe (mehr) machen, wenn schon eine, wenn auch noch so fehlerhafte, Diagnose vorliegt.
Nebenbei: mir selbst hat das Verfahren bereits eine überflüssige Operation erspart.
Das war zwar jetzt in sich keine Alternative, aber ich halte es für ein unwiderlegbares Gegenargument.
Darüber hinaus liegen bereits genug Verbesserungsvorschläge auf dem Tisch.
der Nutzer lebt, dürfte doch hoffentlich jeden klar sein. Intern werden sie es wohl auch verwenden, um Apple und Microsoft zu schwächen, weil so ein Engerl ist Google wirklich nicht. Aber mir kommt es so vor:
Politiker dürfen alles über die Menschen wissen, aber Unternehmen nicht?
Abgesehen davon, dass sich Politiker von Unternehmen gar nicht so leicht trennen lassen (zB besteht ein signifikanter Anteil der ÖVP Politiker aus (ehemaligen) Raiffeisen Mitarbeitern), bin ich dafür, dass *weder* Politiker *noch* Unternehmen so vieles über uns wissen sollten. Macht verlangt Transparenz. D.h. *Wir* sollten so viel wie möglich über Politiker und Unternehmer wissen, nicht umgekehrt.
Aber nicht nur um Google, sondern außerdem auch noch um die Parlamentsdirektion (verantwortlich: die Nationalratspräsidentin):
Die Parlamentsdirektion zeigte zunächst wenig Problembewusstsein: "Auch Facebook und Twitter" würden Googles reCaptcha einsetzen hieß es in einer Rechtfertigung. Also wurden Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) und die in der Parlamentsverwaltung für Digitale Medien verantwortliche Person ausgezeichnet.
http://www.heise.de/newsticke... 37128.html
Den Zwischenrufer, der den Chmelar (wie schreibt man den) beschimpft hat, auch erwähnen.
Und auch nicht zu vergessen, die zerstrittene BBA-Jury, welche zum Schluss unbedingt mitteilen wollte, wie blöd das Publikum ist, weil Maier Negativpreisträger und nicht Positivpreisträger wurde, und das Publikum zur Negativauszeichnung applaudiert hat.
es war mehr als nur der zwischenschimpfer peinlich.
wenn sie die jury nicht einig war, dann hätte man das auch sehr schön in die show einbauen können... wenn man nicht dermaßen präpotent ist wie diejenigen, die gestern eben rumgebrüllt haben. das war absolut letztklassig nicht zuletzt gegenüber jacob appelbaum gegenüber, der während den wüstesten schimpftiraden auf der bühne stand. absolut zum fremdschämen. m(
Während es beim ELGA wenigstens eine Opt-out-Möglichkeit geben wird, sind die Folgen von INDECT von gänzlich anderer Dimension. In der Wahrnehmung der Entscheider/innen kam dies jedoch nicht an. Ein Phänomen der Mediokratie, bei der Irrelevantes und Langzeit-Hochrelevantes von den Newsmacher/inne/n "gleichberechtigt" neben einander gestellt werden.
Bei einem OptOut werden nämlich trotzdem ALLE Daten in ELGA gespeichert. Sie dürfen nur nicht mehr abgerufen werden.
Nutzt natürlich Nüsse, wenn sich jemand illegal Zugriff verschafft. Außer derjenige ist so freundlich und hält sich daran, daß er die OptOut Daten nicht fladern darf...
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