Riesige Trümmerwolke könnte der ISS gefährlich werden

25. Oktober 2012, 21:04

Überreste einer explodierten russischen Proton-M-Rakete formierten sich zur größten Ansammlung von Weltraumschrott seit Jahren - Neue Besatzung erreicht Raumstation

Baikonur - Eine riesige, aus mindestens 500 Einzelteilen bestehende Wolke aus Weltraumschrott könnte der Internationalen Raumstation ISS und zukünftigen Weltraum-Missionen gefährlich werden. Die Trümmerwolke entstand bei der Explosion der oberen Stufe einer russischen Proton-M-Rakete am 16. Oktober, wie die russische Nachrichtenagentur Interfax am Donnerstag meldete. Das Joint Functional Component Command for Space (JFCC Space), eine Behörde, die dem US-Verteidigungsministerium untersteht, hat rund 500 Fragmente unter Beobachtung, andere Quellen gehen dagegen von wesentlich mehr Teilen aus. Dem Bericht zufolge handelt es sich um eine der größten Trümmerwolken der vergangenen Jahre.

Verpasste Umlaufbahn

Der Anfang August gestarteten Rakete war es wegen einer technischen Panne nicht gelungen, zwei Telekommunikationssatelliten in ihre Umlaufbahnen zu bringen. Die letzte mit bis zu 15 Tonnen Treibstoff gefüllte Stufe mit der Bezeichnung Bris-M blieb in einem falschen Orbit hängen. Zunächst hatte man angenommen, dass sie noch für mindestens ein weiteres Jahr die Erde umkreisen würde. Warum die Bris-M nun explodiert ist, bleibt unklar. Experten vermuten, sie könnte mit einem anderen Stück Weltraumschrott kollidiert sein. Auch Materialermüdung wegen der stark exzentrischen Umlaufbahn sei möglich. Der Orbit der Raketenstufe variierte zwischen 264 und 1.512 Kilometer Höhe.

Die NASA erklärte, die Trümmerwolke sei zwar nicht völlig bedeutungslos für die Internationale Raumstation,  würde aber derzeit keine unmittelbarer Gefahr darstellen. Dem widersprechen Meldungen, wonach es sich bei dem Trümmerfeld um die bislang gefährlichste Wolke aus Weltraumschrott handelt. Laut einem aktuellen Eintrag in dem Raumfahrt-Blog "Zarya" würde die ISS vermutlich mehrmals die Trümmerwolke durchqueren und unter bestimmten Bedingungen sogar mehrere Tage darin verbringen.

Neue Besatzung erreicht Raumstation

In der Zwischenzeit sind drei Raumfahrer mit vielen Weihnachtsgeschenken an Bord der Internationalen Raumstation ISS gelandet. Das Sojus-Raumschiff mit den Kosmonauten Oleg Nowizki und Jewgeni Tarelkin sowie dem US-Astronauten Kevin Ford machte am Donnerstag um 14.29 Uhr MESZ an dem Außenposten der Menschheit fest. Das teilte die russische Flugleitung mit.

Damit hatte die ISS rund 415 Kilometer über der Erde wieder ihre Sollstärke von sechs Raumfahrern. Neben den Geschenken brachte die am Dienstag vom Weltraumbahnhof Baikonur (Kasachstan) gestartete Sojus auch Forschungsgerät ins All für neue Experimente. (APA/red, derstandard.at, 25.10.2012)

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13 Postings
und jetzt rauf mit viehböck franz!

"Auch Materialermüdung wegen der stark exzentrischen Umlaufbahn sei möglich. " ?

Was genau ist da dann die Belastung?

Zur Ursache

In den beiden angegebenen Links ist nichts von Materialermüdung zu lesen, jedoch, daß die mitgeführten Stoffe Hydrazin und Stickstofftetroxid bei Kontakt miteinander explodieren.

Bei einer stark exzentrischen Umlaufbahn

variiert nicht nur die Orbithöhe sondern auch die Geschwindigkeit.

In Perigäum auf 264km Höhe ist das Objekt deutlich schneller als im Apogäum auf 1.512km Höhe. Und somit haben sie bei jedem Umlauf eine Beschleunigung sowie eine Verzögerung.
Ohne jetzt genau herumrechnen zu wollen dürfte das in etwa bei rund 8000m/s (P) und rund 6500-7000m/s (A) liegen bei pi-mal-Daumen rund 100Min Umlaufzeit.

Sprich im Zuge eines Umlaufes gibt es jeweils eine Verzögerung um 5000km/h und eine Beschleunigung um 5000km/h. Das ist zwar nicht "viel" aber solche Raketenstufen sind nicht auf lange Lebensdauer ausgelegt. Und wenn das Ding dann vielleicht auch noch taumelt dann gibts halt irgendwann Ermüdungsdefekte.

Freifall

Und trotzdem herrscht in einem Orbit ausserhab der Atmosphäre Schwerelosigkeit, egal wie exzentrisch er auch ist.

Und trotzdem

können Beschleunigungen, Verzögerungen und Fliehkräfte über die Bruchlastgrenzen hinaus erreicht werden.

Da wirken aber maximal Gezeitenkräfte und die sind bei so einem kleinen Objekt vernachlässigbar.

Was das Orbit anbelangt

haben sie recht.

Aber wenn das Ding taumelt kann das sehr wohl die Belastungsgrenzen überschreiten. Ich erinnere an Gemini 8.

ändert nix an der massenträgheit ... .

Temperaturunterschiede?

Habe ich zuerst auch gedacht. Jedoch sind die Unterschiede von sonnenzuwandeter zu sonnenabgewendeter Seite da doch wichtiger als die Form der Bahn.

Welche Rakete ist da genau explodiert?

Für den 16. Okt hat die wikipedia nix:
http://en.wikipedia.org/wiki/List... 80%932019)

Den Artikel lesen...

... "Die letzte mit bis zu 15 Tonnen Treibstoff gefüllte Stufe mit der Bezeichnung Bris-M blieb in einem falschen Orbit hängen. Zunächst hatte man angenommen, dass sie noch für mindestens ein weiteres Jahr die Erde umkreisen würde. Warum die Bris-M nun explodiert ist, bleibt unklar."

In dem Wikipedia-Artikel findet sich dann auch eine Rakete mit Startdatum 6. August 2012, welche wohl auch zwei Telekommunikationssatelliten am Bord hatte!

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