Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate
vergrößern 600x400Jugend in Aufruhr im Gefolge des Mai 68: Christine (Lola Créton, Mi.) beim Straßenkampf mit der Sicherheitspolizei.
Er erinnert an eine Zeit, als der Übergang der Jugend zum Erwachsenenalter radikal und zugleich allseitig experimentierfreudig vollzogen wurde.
Olivier Assayas' jüngster Film Après mai setzt im Frühsommer 1971 ein. Die Figuren besuchen das Gymnasium in einer Vorstadt von Paris, sie sind noch zu jung, als dass sie das Annus mirabilis 1968 schon bei vollem Bewusstsein miterlebt hätten; politisiert und radikalisiert sind sie nichtsdestoweniger. Nachts besprühen sie die Wände der Schule, tags liefern sie sich Straßenkämpfe mit der Sonderpolizei, zwischendurch sieht man Gilles (Clément Métayer) - zentrale Figur im Ensemble und eine Art Alter Ego des Regisseurs -, wie er sich in ein Atelier zurückzieht und malt. Die Kamera von Eric Gautier gleitet geschmeidig durch das Geschehen, sie ist so agil, aber auch so unberechenbar wie die Figuren.
In vielem ist Après mai ein Echo auf Assayas' L'eau froide von 1994, auch darin ging es um den "rite de passage" von der Jugend zum Erwachsenenalter. Der Zeit entsprechend fällt der Übergang radikal aus: Die Figuren brechen eine Menge Gesetze, unter anderem verletzen sie einen Wachmann schwer, sie reisen, experimentieren, feiern ausschweifende Partys und führen Diskussionen, in denen die Konfliktlinien innerhalb der radikalen Linken etwas zu deutlich ausbuchstabiert werden. Dass ihnen ernsthaft etwas zustoßen könnte, glaubt man keinen Augenblick. Die Feindseligkeit, mit der sie auf alles Bürgerliche reagieren, steht in seltsamem Kontrast zu der Geborgenheit, die ihnen ihre Herkunft gewährt.
Die "éducation sentimentale" dieser jungen Menschen geht mit der ästhetischen Bildung Hand in Hand. Eine der Figuren etwa erzählt, wie sie bei einer Kabul-Reise den italienischen Künstler Alighiero Boetti kennengelernt habe, Reproduktionen von dessen Wandteppich-Weltkarten tauchen in einer Szene auf und machen deutlich, was heute kaum mehr vorstellbar scheint: Kabul war einst ein Lieblingsort von Hippies und Bohemiens aus Europa.
In einer anderen Szene fällt Gilles ein vernichtendes Urteil über einen Film, der für das revolutionäre Kino Lateinamerikas ein Schlüsselwerk ist: Jorge Sanjinés El coraje del pueblo (Der Mut des Volkes, 1971) - die Schlussbilder, der Marsch der bolivianischen Indígenas über das karge Hochland, sind kurz zu sehen. Wenig später macht Gilles dann selbst etwas, was er verachtet: er arbeitet als Laufbursche bei einem B-Movie in den Londoner Pinewood-Studios, in der ein Drache, diverse Nazis und ein Atombusen-Starlet aufeinanderstoßen. Vermittelt hat ihm den Job sein Vater, der, darin Assayas' Vater Jacques Rémy ähnlich, ein etablierter Akteur im französischen Filmgeschäft ist.
Als Assayas Après mai im September in Venedig vorstellte, wollte eine Journalistin bei der Pressekonferenz wissen, wo denn im Film die Freude sei. Assayas antwortete: "Aber da sind doch die Liebe, die Natur, die Zärtlichkeit." Und er fuhr fort: "In meiner Erinnerung war es eine sehr ernste Zeit." Alle seien von Politik besessen gewesen, und alle hätten sich unentwegt dazu gezwungen, daran zu arbeiten, dass die Revolution möglich und die Welt besser würde. Das Über-Ich, sagte Assayas, hatte damals eine gute Zeit. (Cristina Nord, Spezial, DER STANDARD, 27./28.10.2012)
28. 10., Gartenbau, 21.00
1. 11., Urania, 13.30
Festival schließt mit stabilen Zahlen, STANDARD-Leserpreis geht an "Leviathan"
Senta Radax-Ziegler plädiert für "Weniger Larmoyanz, bitte!", Nikolaus Perneczky sieht "Sehr österreichische Zustände!"
Die US-Schauspielerin und Filmemacherin Amy Seimetz über Meerjungfrauen, Independentfilme und die Präsidentschaftswahl
"La noche de enfrente" ist der letzte Film, den der 2011 verstorbene Raúl Ruiz im Diesseits realisiert hat
Früher landeten seine Filme auf dem Index, mittlerweile ist der Berliner Filmemacher als ernst zu nehmender Künstler anerkannt. Warum er dennoch keine Kinofilme mehr drehen will, erklärt er im Interview
Der deutsche Filmemacher Jörg Buttgereit, Kurator des "Something Different"-Specials, im Porträt
Matthew Gordons "The Dynamiter" erzählt eine kleine Geschichte über einen Jugendlichen, der sich früh als Erwachsener bewähren muss
Djinn Carrénards No-Budget-Film "Donoma" entwirft einen bunten Beziehungsreigen
Der Portugiese Miguel Gomes hat mit "Tabu" einen außerordentlichen Film über Liebe, Kolonien und Krokodile realisiert
"For Ellen" von So Yong Kim begleitet einen Rockmusiker in die verschneite US-Provinz
Gelungene Annäherung: Sophie Hubers Debüt "Harry Dean Stanton: Partly Fiction"
"Charles Bradley: Soul of America" erzählt die Geschichte des gleichnamigen Soulsängers, dem mit 62 Jahren eine Weltkarriere gelang
Die Französin Noémie Lvovsky hat mit ihrem fünften Kinofilm "Camille redouble" eine ebenso leichtfüßige wie melancholische Reflexion über das Verstreichen der Zeit und die Wunden, die sie schlägt, gedreht
Der portugiesische Filmemacher Manuel Mozos ist international noch weitgehend unbekannt. Mit einem Special will die Viennale dies ändern
Der Dokumentarfilm "Tropicália" vom Brasilianer Marcelo Machado würdigt mit Verve die popmusikalische Revolution des "Tropicálismo", eine Mischung aus US-Psychedelic-Rock und traditioneller brasilianischer Musik.
Miriam Faßbender hat junge Migranten aus Nordafrika bei ihren Jahre währenden Anstrengungen begleitet, nach Europa zu gelangen
Aus dem Leben eines reinen Tors: Todd Solondz' schräge Komödie "Dark Horse"
Ein Viennale-Fokus aufs vielfältige Werk des Italieners Alberto Grifi (1938-2007)
Michael Lonsdale war Bond-Schurke und hat das Autorenkino geprägt. Jetzt ist er in Manoel de Oliveiras "O Gebo e a sombra" zu sehen
Christian Mungius neorealistisches Frauendrama "Dupa dealuri / Jenseits der Hügel"
Morden in der britischen Provinz. Ben Wheatleys schwarze Komödie "Sightseers"
Lucien Castaing-Taylor und Véréna Paravel haben mit ihrem dokumentarischen Trip "Leviathan" einen der ungewöhnlichsten Filme des Jahres realisiert
vulgo Willi Hemetsberger waere da eine gute Figur.
Vom lautstarken Roten Boersenkracher zum obersten Investmentbanker. Nachdem der Willi eh ein begeisterter Selbstdarsteller ist, haette er an so einem Film sogar noch seine Freude. Der Willi waere auch eine exemplarische Figur fuer die Entwicklung der Sozialdemokratie.
ganz toll, eine neue welle aus 68er-filmen überfluten jetzt die kinos, natürlich mit all der romantisierung und mythischer überhöhung.
vielleicht sollte man auch die sequels dieser filme zeigen: wall street, american psycho und jeder andere film über yuppies, die einstigen 68er.
Z.B. Demonstration vor dem Springer-Verlag mit den aus dem Deutschen Fernsehen abgeschauten Slogan: Springer-Presse halt die Fresse.
Bis sich irgendwann die Erkenntnis einsetzte, dass es sich nicht um den boeszen Axel-Springer sondern um den harmlosen Springer-Wissenschaftsverlag handelt.
Die einzigen Tragoedien sind wohl die Muehl-Kommune und die Palmers Entfuehrung.
Die meisten 68er Revoluzzer sind auch wohlsituierte Hofraete geworden.
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.