Selbstfindung mit Rettungsschwimmer

26. Oktober 2012, 20:50
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Isabelle Huppert in Hong Sang-soos Komödie "Da-Reun Na-ra-e-suh" ("In Another Country")

Hong Sang-soo gilt als französischster unter den koreanischen Regisseuren, er wurde beispielsweise wiederholt mit Eric Rohmer verglichen. Der französische Filmstar Isabelle Huppert hat in den letzten Jahren wiederum mehrfach mit asiatischen Regisseuren zusammengearbeitet - insofern treffen in Da-reun na-ra-e-suh (In Another Country) zwei Talente aufeinander, die für einen gemeinsamen Film geradezu prädestiniert sind.

Anders als im Kino eines Michael Haneke, in dem sich die Huppert stets in eine Erzählwelt einfügt, sich ihr quasi unterordnet, bleibt sie bei Hong Sang-soo ganz bewusst ein Fremdkörper. Das beginnt bei der Ausgangssituation des Films, einem Meta-Szenario, das drei aufeinanderfolgende Geschichten um eine französische Frau in einem koreanischen Städtchen am Meer entwirft - Skizzen mehr als der Entwurf einer Person, ausgedacht von einer Drehbuchautorin, die ebendorthin geflüchtet ist.

Das Spiel mit erzählerischen Möglichkeiten, mit Entscheidungen, die Protagonisten treffen, und den Konsequenzen, die diese hervorrufen, fasziniert Hong seit jeher. Selten aber noch hat es einen so leichtfüßigen, improvisiert wirkenden Tonfall angenommen wie in In Another Country. In der Komödie geht es in einem ganz unmissverständlichen Sinn um die Konfrontation von Menschen aus zwei Kulturen. Diese wird weiter kompliziert dadurch, dass es sich meist auch um Mann und Frau handelt. Missverständnisse beziehungsweise kommunikative Umwege und Ausschweifungen sind somit die Regel.

In der ersten Episode ist Huppert eine Filmemacherin, die von einem männlichen Kollegen aus Korea auf ihrer Reise begleitet wird. Die zweite zeigt sie als verheiratete Frau, die in den Urlaubsort gekommen ist, um sich mit ihrem koreanischen Liebhaber zu treffen. Im letzten Teil hat sich das Sehnen ins Gegenteil verkehrt - diesmal ist sie da, um sich über ihre gescheiterte Ehe ein wenig Klarheit zu verschaffen.

Alle drei Episoden sind so konzipiert, dass es die tapfer Englisch sprechende Französin ist, die in ihrer Umwelt, in Konversationen mit der Bevölkerung, ein wenig Feedback für ihre jeweilige Lage sucht - wobei Lage räumlich wie seelisch zu verstehen ist. Stets steht dabei beispielsweise Yun Jun-sang als Rettungsschwimmer am Strand bereit, um mit tollkühnen Redewendungen bei der ausländischen Frau zu punkten - allerdings erweist sich hier schon eine einfache Wegbeschreibung als äußerst diffiziles Unterfangen.

Bei aller Spontanität, die dem Film zu eigen ist - anders als frühere Filme Hongs kennt dieser keine plötzlichen Wechsel in ernstere Tonlagen -, verdichtet er sich zu einer schönen Etüde über das (sich) Fremdsein. Die sprachlichen Unbedarftheiten und Unsicherheiten der Heldin, das Aneinandervorbeireden und sich Korrigieren, es ist bis zu einem gewissen Grad auch das Dokument einer Suche nach dem richtigen Selbst. (Dominik Kamalzadeh, Spezial, DER STANDARD, 27./28.10.2012)

27. 10., Künstlerhaus, 21.00
28. 10., Gartenbaukino, 15.30

  • Drei Geschichten, viele Begegnungen: Isabelle Huppert als Französin in Korea in Hong Sang-soos "In Another Country".
    foto: viennale

    Drei Geschichten, viele Begegnungen: Isabelle Huppert als Französin in Korea in Hong Sang-soos "In Another Country".

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