Athener Zahlenkarussell dreht sich weiter

  • Das griechische Zahlungskarussell und das hier in Magdeburg haben eines gemeinsam: Ohne Einsätze fahren sie nicht.
    foto: apa/wolf jens

    Das griechische Zahlungskarussell und das hier in Magdeburg haben eines gemeinsam: Ohne Einsätze fahren sie nicht.

Die langsamere Sanierung reißt eine Lücke von bis zu 20 Milliarden Euro. Ihr könnte ein Forderungsverzicht folgen

Athen/Berlin/Brüssel - Die langsamere Sanierung reißt in Griechenland eine Lücke von bis zu 20 Milliarden Euro in den Haushalt. Die Kernfrage lautet nun, wie und von wem diese Lücke gedeckt werden könnte. Niedrigere Zinsen und ein weiterer Forderungsverzicht sind im Spiel.

Geld, das fehlt, muss her

Vorläufige Zahlen der Troika aus IWF, EZB und EU-Kommission weisen eine Finanzlücke von 16 bis 20 Milliarden Euro aus. Sie ergibt sich aus einer Kalkulation dessen, was an Zusatz-Geldern notwendig wäre, um Griechenland eine Fristverlängerung von zwei Jahren zur Haushaltssanierung zu geben, sagte ein hoher EU-Vertreter in Brüssel.

Zur Lösung der Finanzprobleme gibt es mehrere Alternativen: neben direkten Hilfszahlungen etwa Zinssenkungen für laufende Kredithilfen, Laufzeitverlängerungen für Darlehen, Vorziehen von Hilfszahlungen sowie weitere Forderungsverzichte. Welche Instrumente genutzt werden, ist noch offen.

Schäuble muss balancieren

Die deutsche Regierung reagiert ausweichend. "Das ist doch alles Kaffeesatzleserei", sagte Finanzstaatssekretär Steffen Kampeter am Donnerstag. Das "Handelsblatt" hatte unter Berufung auf einen ranghohen Vertreter der Euro-Zone berichtet, die Finanzminister des Währungsraumes würden am 12. November darüber entscheiden, ob sie Griechenland die nötig gewordenen Milliarden geben.

Bevor der Bericht der sogenannten Troika nicht vorliege, könne es keine Entscheidungen geben, sagte Kampeter. Es mehren sich aber die Signale, dass man Griechenland auf jeden Fall weiterhelfen will. Allerdings hatte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wiederholt betont, Griechenland müsse seine Verpflichtungen erfüllen. Sonst könne man die anstehende nächste reguläre Hilfstranche von über 30 Milliarden Euro nicht freigeben. Wenn allerdings aus Gründen, die das Land selbst nicht zu verantworten habe, Verzögerungen bei der Zielerfüllung einträten, müsse man beraten, wie man damit umgeht.

Oh Bundestag, oh Bundestag!

Über der zusätzlichen Milliardenhilfe für Griechenland steht das Damoklesschwert deutscher Bundestag. Der Unions-Haushaltsexperte Norbert Barthle merkte an: "Wir rechnen damit, dass das Anpassungsprogramm (in Griechenland, Anm.) geändert werden muss." Da dann der Bundestag mitentscheide, werde es kompliziert.

"Ich sehe mit der gegenwärtigen Koalition für so eine Sache im Moment keine Mehrheit", meinte etwa der FDP-Politiker Otto Fricke. Auch mit Blick auf die Äußerung von Griechenlands Finanzminister Yannis Stournaras, für den eine Fristverlängerung bereits ausgemachte Sache ist, merkte er an: "Ich bin beim Thema Griechenland vorsichtig geworden, weil viele[...]mit solchen Informationen versuchen, Politik zu machen." 

Der deutsche Finanzstaatssekretär Kampeter sagte, klar sei nur, dass das Thema Griechenland am 12. November auf der Tagesordnung der Euro-Finanzministersitzung stehe. Ob dann der Troika-Bericht schon vorliege, sei ungewiss. "Es kann keine Entscheidung geben, solange nicht der Troika-Bericht vorliegt."

Unions-Haushälter Barthle sagte, er kenne keine Zeitvorgabe, bis zu der der Bericht der Troika aus EZB, EU-Kommission und IWF vorliegen werde. Ein konkreter Zeitpunkt sei aber, dass zum 16. November die sogenannten T-Bills, kurzlaufende Staatspapiere Griechenlands, auslaufen. "Sollten die aber verlängert werden über die EZB, wäre dieses Problem zu handhaben", ergänzte er. Damit hätte Griechenland noch etwas mehr zeitlichen Spielraum. (APA/Reuters/red, 25.10.2012)

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Wann wird endlich der Daumen nach unten gehalten?

Denn das Hin und Her mit Griechenland erinnert schon längst an die Daumenspiele römischer Cäsaren.

Daumen nach unten wird es bei diesen schwachen Politikern nicht geben.
Da muss es schon das ganze System zerreissen.

Wenn das so weiter geht,

geht die EU an Auszehrung zugrunde.

Mir ist es unverständlich, dass ein Land, das gerade einmal 3% (in Worten drei) der EU-Wirtschaftsleistung aufbringt, künstlich am Leben erhalten wird auf Kosten anderer.

Was könnte man mit diesem Geld alles anfangen!!!
Soziales, Bildung, Wissenschaft und Forschung sind nur die wichtigsten Themen.

Irgendwann und irgendwo muss diese (falsche verstandene) Solidarität aufgekündigt und beendet werden.
Meine anfängliche EU-Euphorie der ersten Jahre ist einem totalem Pessimismus gewichen.
Ich bin - so glaube ich- nicht alleine mit meiner Meinung....

Sehr geehrtes Parlament

Würden sie bitte schön zur Kentniss nehmen, dass das Wahlvolk gerne darüber enscheiden möcchte, ob es weiterhin gewillt und überzeugt ist, Griechenland Hilfszahlungen ohne Ende und ohne Limiten bezahlen möchte?

Ich denke die Bürger da draussen haben ein Recht darauf, denn es ist ihr Geld, ihre Zukunft.

Das Volk wurde nie in Sachen Euro gefragt, ob es diese monströsen Rettungsaktionen will, gescheige ging davon aus, dass es dazu in keinster Form kommen könnt (keine Haftung anderer Staaten!).

Habt ihr das alles vergessen? Rennt ihr noch nach der Meinung eines Herr Berlusconi, Herr Goldmann-Draghi, diesen Barossos, Juncker und Schulzes?

Stoppt endlich dieses unwürdige Geldvernichtungsschauspiel. Griechenland braucht dringenst Drachmen.

Fernseh-Tipp

Dokumentation auf arte über Goldman Sachs, die gerne mitholf, die Zahlen von Griechenland zu tricksen und sich jetzt damit dumm und dämlich verdient:

http://videos.arte.tv/de/videos... 02392.html

"...Als die amerikanische Krise über den Atlantik nach Europa schwappte, wurde Goldman Sachs zu einem der Protagonisten der Euro-Krise: Die Bank soll gegen die europäische Einheitswährung spekuliert und die griechische Staatsschuldenbilanz mit Hilfe komplexer und undurchsichtiger Währungsgeschäfte geschönt haben. Als die europäischen Regierungen nacheinander dem Zorn der Wähler zum Opfer fielen, nutzte Goldman Sachs die Gunst der Stunde, um ihr komplexes Einflussgeflecht auf den alten Kontinent auszuweiten.

Und hier kommt ein Ex-Goldman-Sachser "zu Wort":

http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_ent... ?id=268101

Griechenland braucht wohl neuen Milliardenkredit

http://www.abendblatt.de/wirtschaf... redit.html

A scho widder.

Haben die Griechen einmal mehr getrickst?

Dieses bankrotte Land leistet sich übrigens immer noch ein stattliches Primärdefizit. Das heißt, dass für stark überhöhte Beamtengehälter, Löhne in Staatsbetrieben (mit aggressiven Gewerkschaften) und überhöhte Sozialausgaben der nordeuropäische Steuerzahler aufkommen muss. Die griechische Klientelwirtschaft feiert immer noch fröhliche Urständ!

Überhöhte Sozialausgabe? Waren letztens mal in Griechenland? Dort herrscht momentan das reinste Elend. http://www.wsws.org/de/2011/a... -a12.shtml

Armut in der Realwirtschaft, Beamtengehälter auf 1900€ gedeckelt, als Sparmaßnahme

Aber in die Realwirtschaft investiert keiner, solange noch € Krise herrscht.

Geld, das fehlt, muss her - ja aber warum?

Zahlungen einstellen kostet auf lange Sicht sicher weniger als ein Jahrhundert die GR füttern.

Noch mehr könnten wir uns ersparen, wenn wir nicht unsere Arbeitslosen und Pensionisten durchfüttern würden.

ja und solange des Damokles Schwert der Krise da hängt wird niemand investieren

Deswegen STOP €-Krise!
Geht so leicht, wie STOP Acta.
Fällt Euch nicht auf:
Zuerst warens 80 Millionen €,
dann 500 Millionen €,
dann 100 Milliarden €,
und Luxenburg hat eine private pro Kopf Verschuldung von über 1 Billion € (mehr als 1000 Milliarden € pro Einwohner)
Österreichs öffentliche Staatsschulden sind gerade einmal 230 Milliarden €.

?????????????

ich hoffe. du wirst nie gefüttert werden müssen mit 70

Bei einem liberalen Sterberecht wäre das auch nicht unbedingt notwendig.

Hedge Fonds

und in einem halbem Jahr wird dann wieder die Meldung kommen das die Hedgefonds ordentlich Gewinn damit gemacht haben...
Einfach ein paar Banken über den Jordan springen lassen indem Griechenland ALLE Schuldenzahlungen einstellt und nur das Geld hinunter schicken das zum echten Überleben notwendig ist...

ALLE Schuldenzahlungen einstellen

Sie wissen aber schon, dass die Schuldner der Griechen zu 90% mittelbar oder unmittelbar die nordeuropäischen Steuerzahler sind. Und die Griechen haben ihre Schuldenzahlungen längst schon eingestellt. Wir bezahlen uns die Kreditzinsen und Tilgungsraten nämlich selbst. Wir können also nur die Zahlungen an uns selbst einstellen, was Frau Fekter und Herr Juncker aber nicht wollen, weil diese Zahlungen sind ja das "Tolle Geschäft", das man uns einreden will.

und sie wissen aber dann auch das diese zahlungen nicht an uns gehen sondern von uns geleistet werden oder?
und das mit ihrem und unser aller geld damit die boni von den herren dort gewährleistet werden?
oder haben sie etwas davon?
wenn ja dann haben sie natürlich recht - wenn nicht dann müsste es in ihrem interesse sein das wir nicht mehr die gewinne der banken, hedgfonds etc. garantieren denn genau das tun wir damit...

die luxemburgische wirtschaft besteht fast nur aus banken d.h. juncker hat ein ganz besonderes interesse an den bankenrettungen

das würde ich auch so sehen

nur leider sind die griechischen Politiker nicht nur unfähig , sondern auch feig ohne Ende!!! Soviel "Eier" wie die Argentinier traue ich den Griechen einfach nicht zu!!! Die Argentinier stehen 11 Jahre nach der Pleite wieder ganz gut da!!! Aber die Griechen sind feig und unfähig! Das ist eine besonders tragische Kombination von "Fähigkeiten".

Argentinien liegt immer noch am Boden und bekommt an den Finanzmärkten ohne Hingabe substenzieller Sicherheiten keinen Cent Kredit. Was für die im Geldverschwenden leichtfertigen Griechen aber auch eine nette erzieherische Maßnahme wäre.

Volksabstimmung

Island hat gezeigt wie's funktioniert. Eine Volksabstimmung ob die Banken gerettet werden sollen, wurde verneint. Gut so, das Land hat mittlerweile das höchste Wirtschaftswachstum in Europa. Eine Volksabstimmung in Griechenland wurde abgewürgt. Papandreou vorsorglich ebenfalls. Griechenland ewig durchfüttern wird noch funktionieren, sobald Spanien gröbere Probleme bekommt, sind wir am A.

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