Schwangerschaftsdiabetes: Stillen verringert Typ-2-Diabetes-Risiko

  • Anette-Gabriele Ziegler, Direktorin des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München, möchte nun jene Mechanismen untersuchen, die für den protektiven Langzeiteffekt des Stillens verantwortlich sind.
    foto: helmholtz zentrum münchen

    Anette-Gabriele Ziegler, Direktorin des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München, möchte nun jene Mechanismen untersuchen, die für den protektiven Langzeiteffekt des Stillens verantwortlich sind.

90 Prozent der Frauen, die während der Schwangerschaft mit Insulin behandelt werden mussten, erkranken innerhalb von 15 Jahren an Typ-2-Diabetes - Stillen wirkt allerdings vorbeugend

Neuherberg - Frauen mit Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes), die ihr Kind stillen, haben auf lange Sicht ein um 40 Prozent verringertes Risiko an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München. Nach Auswertungen der Deutschen prospektiven Gestationsdiabetes-Langzeitstudie profitieren von dem schützenden Langzeiteffekt vor allem Mütter, die ihr Kind länger als drei Monate stillen.

Schwangerschaftsdiabetes erhöht das Risiko, später an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Jede zweite Betroffene entwickelt innerhalb von zehn Jahren nach der Entbindung einen Typ-2-Diabetes, obwohl sich ihr Blutzuckerspiegel nach der Schwangerschaft zunächst wieder normalisiert. Grundsätzlich handelt es sich dabei nämlich um eine auf die Schwangerschaft begrenzte Stoffwechselstörung.

Stilleffekte

Das größte Risiko für Typ-2-Diabetes haben Frauen, die während der Schwangerschaft mit Insulin behandelt werden mussten: Fast zwei Drittel dieser Gruppe von Teilnehmerinnen der prospektiven Gestationsdiabetes-Studie entwickelten innerhalb von drei Jahren nach der Entbindung einen Typ-2-Diabetes - innerhalb von 15 Jahren waren es sogar über 90 Prozent.

Bekannt waren bislang kurzzeitige positive Effekte des Stillens auf den Stoffwechsel der Mutter. Es gibt Anzeichen dafür, dass Frauen, die stillen, während dieser Zeit bessere Werte im Glukose- und Fettstoffwechsel und einen niedrigeren Östrogenspiegel aufweisen. Offenbar beeinflusst das Stillen über diesen Zeitraum noch drei Jahre nach der Entbindung die Konzentration von zwei Hormonen, die als Gegenspieler das Hungergefühl kontrollieren: das appetitanregende Ghrelin und das Hormon PYY, das ein Sättigungsgefühl vermittelt. 

Neu ist jedoch die Erkenntnis, dass Stillen auch langfristig einem Typ-2-Diabetes der Mutter vorbeugt. Dies gilt ausschließlich für diejenigen Gestationsdiabetikerinnen, bei denen keine mit Typ-1-Diabetes assoziierten Autoantikörper nachgewiesen werden konnten. Dies traf auf die meisten der 304 Teilnehmerinnen der Studie zu: Nur 32 Teilnehmerinnen hatten diese Autoantikörper gebildet. Bei ihnen konnte kein Einfluss des Stillens auf die Entwicklung eines Diabetes postpartum festgestellt werden.

Persönliches Risiko verringern

Dabei ist die Länge des Stillens entscheidend: Nur wer länger als drei Monate stillte, hatte ein 15-Jahres-Risiko für Typ-2-Diabetes von 42 Prozent. Noch mehr konnten die Probandinnen ihr Erkrankungsrisiko verringern, wenn sie in diesem Zeitraum ihr Baby ausschließlich mit Muttermilch ernährten (15-Jahres-Risiko von 34,8 Prozent). Durch das Stillen konnten die autoantikörper-negativen Teilnehmerinnen die Entwicklung von Typ-2-Diabetes um durchschnittlich zehn Jahre verzögern. 

Die Frauen, die ihren Gestationsdiabetes während der Schwangerschaft allein mit einer Diät behandeln konnten, erzielten durch das Stillen den größten vorbeugenden Erfolg. Dieser war nicht abhängig vom Body-Mass-Index (BMI) der Teilnehmerinnen. Allerdings stillten die übergewichtigen Frauen ihr Kind im Schnitt früher ab - und zwar im Mittel nach fünf Wochen. Dagegen betrug die durchschnittliche Stilldauer bei der Gesamtheit der Teilnehmerinnen neun Wochen. 

"Die Ergebnisse zeigen, dass Frauen aus der Risikogruppe, ihr persönliches Risiko für Typ-2-Diabetes erheblich verringern können, wenn sie ihr Kind stillen. Es ist daher insbesondere übergewichtigen Frauen zu empfehlen, ihrem Kind mindestens drei Monate die Brust zu geben", meint Anette-Gabriele Ziegler, Direktorin des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München.  Ziel der Forschergruppe ist nun, die Mechanismen zu untersuchen, die für den protektiven Langzeiteffekt des Stillens verantwortlich sind. (red, derStandard.at, 25.10.2012)

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7 Postings

ja ja, diese halben studien, die frauen dazu bewegen/druck ausüben sollen, doch immer und ewig zu stillen.

man könnte auch sagen, daß stillen körperlich und seelisch eine belastung für frauen darstellt und die heutzutage in mengen vorkommenden umweltgifte mit stillen am schnellsten auf den säugling übergehen. aber das wäre ja pfui....

eh klar

was ihnen nicht in den Kram passt, darf nicht sein...

Wenn ich mit Diät durchgekommen und übergewichtig bin und mehrere Kinder insgesamt über sieben Jahre gestillt habe, wie hoch ist dann mein Typ-2-Diabetes-Risiko? Geht das dann ins Negative? ;-)

ja, sie muessen dann 3mal diabetes entwickeln, damit es 1mal manifest wird......^^

Da hat die Stillmafia wieder zugeschlagen

Wer steckt denn hinter der, hm?
Die Ostküste? Die Pharmaindustrie? Scientology?
Stillen ist gut, ob es einigen Leuten passt oder nicht.

Sehr richtig!

Aber Stillen kann noch so gesund sein, es ist trotzdem VOLL UNFAIR, weil manche Frauen ja nicht stillen können oder wollen. Das sind meistens die mit dem zu engen Becken für die normale Beburt. Die kann man nur gleichberechtigen, indem niemand mehr stillt und alle kaiserschneiden lassen.

Das schaffen wir auch noch ...

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