Deutsche diskutieren über Maklergebühren

25. Oktober 2012, 15:59
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Hamburger Initiative will "Bestellerprinzip" durchsetzen - Auch in Österreich wird immer wieder darüber debattiert, in vielen EU-Ländern zahlen Mieter keine Provision

In Österreich ist die Diskussion auch nicht unbekannt, aber derzeit nicht aktuell. Ganz anders in Deutschland: Dort machte die rot-grüne Hamburger Landesregierung kürzlich einen Vorstoß für eine Neuregelung der Makler-Gebühren: Diese solle nur noch der Auftraggeber zahlen - also das "Bestellerprinzip" angewendet werden ("Wer beauftragt, soll auch zahlen") . Der entsprechende Antrag ist in Ausarbeitung. 

Mehrheit im Bundesrat möglich

Deutsche Medien griffen das Thema dankbar auf. Laut "Frankfurter Rundschau" könnte die Initiative zumindest im Bundesrat (also der Länderkammer, Anm.) eine breite Mehrheit finden, weil weitere Bundesländer - bis dato Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Bremen, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg - ihre Unterstützung signalisiert haben.

Die Initiative geht nicht zufällig von Hamburg aus: Laut einem Bericht des "Hamburger Abendblatts" zahlen die Wohnungskäufer in der Hansestadt nicht nur die dritthöchsten Provisionen Deutschlands, sondern in Hamburg gelte auch "aus historischen Gründen" das Prinzip der alleinigen Käuferprovision, erklärte der Vorsitzende des Immobilienverbands Hamburg (IVD), Axel Kloth, der Zeitung. 

Keine Chance im Bundestag

Dennoch wird der Initiative von Beobachtern im Bundestag keinerlei Chance eingeräumt, weil die schwarz-gelbe Koalition strikt dagegen ist. Schon im Vorjahr war ein diesbezügliches Vorpreschen von SPD und Grünen am Widerstand der Regierungsparteien gescheitert.

Wie in Österreich (hier erst seit September 2010) ist in Deutschland die Maklerprovision für Mieter auf zwei Monatsmieten begrenzt, allerdings mit einem kleinen Unterschied: In Österreich wird zur Berechnung die Nettomiete plus Betriebskosten ohne Umsatzsteuer herangezogen, in Deutschland die Nettokaltmiete inklusive Mehrwertsteuer. Die Senkung der Provisionen war in Österreich vergleichsweise einfach, sie ging per Verordnung des Wirtschaftsministeriums vonstatten.

Üblich nur in vier Ländern

Laut dpa ist es in Europa höchst unterschiedlich geregelt, wer die Maklerprovision - unabhängig von der Beauftragung - bezahlt. In Großbritannien, den Niederlanden und Belgien zahlen Mieter demnach keine Provision, und Käufer auch nur dann, wenn sie selbst den Makler beauftragt haben. "Üblich sind Zahlungen einer Provision durch Mieter noch in Österreich, Finnland, Frankreich und Italien", heißt es in der Übersicht. (red, derStandard.at, 25.10.2012)

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