Fehlende weibliche Kandidatin bremst Mersch

Der Grund lag im Fehlen einer weiblichen Kandidatin, heißt es aus dem EU-Parlament. Das letzte Wort haben die Regierungschefs

Straßburg - Das EU-Parlament in Straßburg hat am Donnerstag die Entsendung des Luxemburger Notenbankchefs Yves Mersch ins EZB-Direktorium abgelehnt. Grund war nicht die fehlende Qualifikation von Mersch, sondern dass die Eurostaaten entgegen der Forderung des Parlaments keine weibliche Kandidatin aufgestellt hatten. Derzeit ist keiner der 23 Spitzenposten der EZB mit einer Frau besetzt.

Liberalen-Votum ausschlaggebend

Für Mersch sprachen sich lediglich 300 der Abgeordneten aus. 325 votierten dagegen. 49 Abgeordnete enthielten sich der Stimme. Dem EU-Parlament ging es darum, ein Signal zu setzen und nicht überfahren zu werden. Die Abgeordneten kritisierten vor allem, dass trotz eines Schreibens an Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker im Sommer mit konkreten weiblichen Kandidaten nicht einmal eine Frau nominiert wurde.

Für Mersch hatten im Parlament zwar die Vertreter der stärksten Gruppe, der Europäischen Volkspartei, gestimmt, doch waren diesmal nicht nur praktisch die meisten Sozialdemokraten als zweitstärkste Fraktion dagegen, sondern auch die Liberalen. Die drittstärkste Gruppe im EU-Parlament hatte sogar geschlossen gegen Mersch votiert. Die Grünen ebenfalls.

EU misst mit zweierlei Maß

Die SPÖ-Europamandatarin Evelyne Regner fordert nun eine "weitere Runde" mit weiblichen und männlichen Kandidaten: "Unser Nein gilt als Warnung an all jene, die glauben, dass wesentliche Finanzgremien weiter als reine Männervereine aufrechtzuerhalten sind." Dagegen betonte der Vizepräsident des EU-Parlaments und ÖVP-Delegationsleiter Othmar Karas, Mersch sei qualifiziert. Aber auch ist der Meinung, dass es nicht angehe, dass seit der Österreicherin Gertrude Tumpel-Gugerell keine Frau mehr im EZB-Direktorium sitze.

Ulrike Lunacek, die Europa-Sprecherin der Grünen, geht in ihrer Kritik noch weiter. Sie schreibt den Staats- und Regierungschefs eine "frauenfeindliche Position" zu und meint in einer Aussendung: "Die EU[...]fordert zu Recht mehr Frauen in Spitzenpositionen der Wirtschaft. Dass sie dies in ihren eigenen Gremien nicht[...]hinbekommt, ist ein Armutszeugnis." Lunacek zweifelt nicht an der fachlichen Qualifikation Merschs, findet das Votum aber für richtig.

EU-Justizkommissarin Viviane Reding will noch im November ihren Gesetzesvorschlag für eine 40-Prozent-Frauenquote in Führungsetagen von Unternehmen präsentieren. Am Dienstag hat die EU-Kommission das Gesetzesvorhaben verschoben, begründet wurde dies mit noch zu klärenden rechtlichen Aspekten.

Nicht bindend

Noch ist das Rennen aber nicht gelaufen. Die Abstimmung im Parlament ist nicht bindend. Bindend ist sie hingegen im Europäischen Rat, wo die Staats- und Regierungschefs darüber urteilen werden. Es heißt, dass Mersch ungeachtet der Parlamentsablehnung ins EZB-Direktorium einziehen wird.

Allerdings bedeutet das Signal des Parlaments sehr wohl, dass die Stimmung bei den Verhandlungen mit dem Rat - also den 27 Staats- und Regierungschefs - schlecht ist. Immerhin geht es in der nächsten Zukunft um die Finanzierung der EU, das Budget 2013 und den mehrjährigen Finanzrahmen 2014-2020. Das Parlament und die Kommission wollen deutlich mehr Mittel, um die gestiegenen Aufgaben bewältigen zu können, der Rat sträubt sich entschieden dagegen, vor allem unter Hinweis auf die Sparanstrengungen in den eigenen Staaten. (APA/red, 25.10.2012)

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Richtig so!

Der Job bei der EZB ist so unwichtig, den kann man ruhig mit einer Quotenfrau besetzen. Es geht schließlich nur um unser Geld.

Also jede Frau ist aufgerufen sich zu bewerben.

Bewerbungskriterien:

- Keine Ahnung = egal

- Frau = eingestellt

Also hab' ich das jetzt richtig mitgekriegt? Der ist qualifiziert, niemand bestreitet das. Niemand hat auch eine zumindest gleichgute Gegenkanditatin genannt. Aber er hat leider das falsche Geschlecht, und daher ist es ein Skandal, das er es wird. Das ist ziemlich genau die Definition von Sexismus. Und argumentiert wird die Entscheidung, weil es dazu den Sexismus zu bekämpfen. Aja. Verstehe. Noch ein paar gute Sprüche von einen gewissen Hrn. Orwell für diese Damen und Herren, die gut in ihr Weltbild passen dürften:
Krieg ist Frieden.
Freiheit ist Sklaverei.
Unwissenheit ist Stärke.

es wurde keine kandidatin aufgestellt...es war keine rede davon, dass es keine geeignete gäbe...
es geht um old boys networks und wie diese zu durchbrechen sind. wie, wenn nicht über die quote, liese sich das sonst regeln?
sollten nicht auch frauen in wichtigen institutionen vertreten sein, wenn sie evtl. aufgrund ihres geschlechts eine bedingt andere perspektive mitbringen und immerhin der durch die in der institution gefällten entscheidungen auch zu 50% frauen betreffen?

Ja, wenn es die gibt, dann kann man ja die nicht aufgestellten tollen Kanditatinnen ja, trotzdem publik machen und sagen: "Warum wurden die nicht aufgestellt."

Quoten funktionieren nicht wie gewünscht. Siehe Norwegen. Da macht sich jetzt ein kleiner Klüngel an weiblichen Multifunktionären die Aufsichtsratsposten untereinander aus. Zuvor haben sich reihenweise Firmen aus den Land oder zumindet von der Börse verabschiedet.
Aber wenn sie schon auf Quoten stehen, dann bitte fair: D.h. für Männer und Frauen und auf Basis von Kanditaten und nicht Gesamtpopulation.
Mein Ding ist das nicht: IMO sollten immer die fachlich Besten Kanditaten ausgewählt werden, unabhängig von Geschlecht, Alter, Hautfarbe, etc.

wenn immer der fachlich beste kandidat genommen werden würde, warum haben wir dann weniger frauen als männer in spitzenpositionen, wenn diese ca. 50% der gesamtbevölkerung ausmachen? sind frauen dümmer? ungebildeter? wie siehts mit der hochschulquote denn so aus?
wenn immer der fachlich beste genommen werden würde, müssten genauso viele frauen wie männer in spitzenpostitionen sein...

...Zeigt sich auch schön an der (meist unerwähnt bleibenden) Gender-Death-Gap von ca. 1:20. Dh ein Mann hat eine 20fach höhere Wahrscheinlichkeit am Arbeitsplatz zu sterben als eine Frau. Man hört ja auch recht wenig von dem was als gläsener Boden bezeichnet werden könnte. Das Frauen in schlechten, gefährlichen Jobs nur unterepräsentierter sind als in Vorstandsetagen.

wenn in der grundgesamtheit 50% männer und 50% frauen sind, dann müsste in allen stichproben, sofern representativ, auch diese verteilung zu beobachten sein. es gibt mit sicherheit 1000e gremien (sämtliche vorstände und aufsichtsräte von privaten und nichtstaatlichen organisationen + sämtliche staatliche organisationen...) mit sagen wir 10 personen im durchschnitt. sie ziehen also 1000e male mit jeweils 10 beobachtungen, das sollte genügen um die 50% quote zu rechtfertigen. sind frauen zu 50% repräsentiert? nein? wurde dann ihrer meinung nach immer die qualifzierteste person ausgewählt?

Ihre ganze Theorie fusst auf der Annahme, dass Frauen und Männer genau die gleichen Ziele, Talente und Prädispositionen haben, und sie genauso hartnäckig verfolgen (obwohl Daten in die andere Richtung weisen). Und ist zugleich an dem (IMO fragwürdigen) Lebensmodell orientiert, das ein glückliches, gelingendes Leben nur an der Erlangung von direkter ökonomische und institioneller Macht. Wenn dem so wäre, hätten wir IMO, da ich Frauen nicht für Dümmer halte, schon längst eine in etwa 50:50 Veteilung. Dem ist aber nicht so. Männer sind im Schnitt kompetativer, haben einanderes Zielsystem und sind daher auch bereit mehr an diesen Zielen zu arbeiten. ...

sie haben kein wort über die eignung verloren...

frauen sind also, aufgund ihrer geringeren sterblichkeit und machtstreben weniger geeignet als männer? kann diese verhalten nicht reproduziert bedingt sein?

Geeignet für was? Es gibt Dinge und Positionen für die sind Frauen besser geeignet, für andere wiederum Männer (jeweil im Schnitt als Gruppe).
Bei den sogenannten Spitzenpositionen ist ein Überhang von Männern nicht überraschend, da aus dieser Population schon mal mehr Bewerber diese anstreben, sie kompetativer sind und zu mehr Selbstausbuetung und Risiko bereit (hier kommt die erhöhte Sterblichkeit ins Spiel; sie ist kein Grund, sondern nur ein weiteres Indiz für diese Grundhaltung (Bereitschaft zu mehr Risiko und Selbstausbeutung).

Ad "Verhalten reproduziert":Zu einen gewissen Teil möglich. Zu einen guten Teil scheint es aber angeboren zu sein. Macht Evolutionstechnisch auch Sinn.
Siehe: http://www.youtube.com/watch?v=KQ2xrnyH2wQ

sie unterstellen, dass dies veranlagung sei und außerhalb unseres einflussbereichs läge und meine grundannahme ist, dass wir verhalten immitieren und rollenbildern folgen, welche nicht "ursprünglich", also genetisch oder wie auch immer determiniert sein mögen - ich glaube, dass dies konstruiert ist und somit änderbar. ich unterstelle, dass man männern nachsagt, dass sie risikofreudiger sind, stärkeres machstreben aufweißen etc...ich denke, dass sie damit ein rollenbild bedienen...

desweiteren unterstellen sie, dass freuen etwas aus den gleichen motiven wie männer tun müssen (z.b. machtstreben) und da diese bei frauen anders gelagert sein müssen, da dies geschlechtsbedingt nunmal so ist, haben sie weniger interesse an machtvollen positionen. gäbe es evtl. andere motive eine verantwortungsvolle position begleiten zu wollen, welche nicht zwingend männlich attributiert sein müssen?

warum sind frauen in technischen berufen unterrepräsentiert? konstriert oder genetik? warum studieren frauen weniger maschinenbau, physik, mathematik, etc...sind sie kognitiv in diesen bereichen den männern unterlegen? konstruiert?

Haben Sie das Video gesehen? Da wird u.a. auf genau diese Punkte eingegangen.

"gäbe es evtl. andere motive eine verantwortungsvolle position ..."

Verantwortungvolle Positionen sind nicht unbedingt Machtpositionen und vice versa. In der Tat sind die Überschneidungen seltener als man glauben sollte.

"ich unterstelle, dass man männern nachsagt, dass sie risikofreudiger sind,..."

Im Schnitt sicherlich. Erscheint auch aus der Geschichte der Menschheit her schlüssig. Und auch empirisch ganz gut belegt. Siehe z.B. auch Versicherungsprämien, die jetzt die EU gleichmachen will. Ist zwar zum Vorteil von mir als Mann, aber trotzdem ein Unsinn.
Ideologie über Fakten zu stellen ist langfristig fast immer schief gegangen, egal in welchen Bereich.

jep, hab mir das video angeschaut...es ist unbestritten, dass es genetische (primär auf hormone und dort insb. testosteron) einflüsse bzw. prädispositionen gibt...
als evident anzusehen ist dabei sicherlich der versuch von cohan und die kontrolle innerhalb der männlichen gruppe, welche sich anhand des testosteronwertes unterscheidet, also bei gleichem geschlcht anders zu verhalten scheint...
es gibt jedoch auch ettliche studien, welche die unterschiede zwischen rassen zu erklären versucht...also zwischen schwarzen, weißen, asiaten...männer, frauen etc.
es ließ sich beobachten, dass je nach fragestellung und heransgehensweise es unterschiede zwischen schwarzen und weißen gab, ebenso bei weisen und asiaten, welche nicht aufs erbgut schließen.

es geht um den primäreinfluss und dieser ist meiner meinung nicht genetisch sondern sozial und somit änderbar.

oh ja, eine Finnin gibt es, aber die passt den PIGS Staaten nicht ins Konzept!

Langsam wird´s absurd

Die GrünInnen wollen mal wieder Silberrücken erlegen!

... aber zumindest die Rücker werden wir am 25.11 in die Wüste schicken!

AHA!!

* Weibliche Kandidatin
* Männliche Kandidatin
* Weiblicher Kandidat
* Männlicher Kandidat
Sonst noch irgendwelche Möglichkeiten?

St.GenderIn, schau oba!!! :)))))

Wäre eine gute Gelegenheit,

die Mizzi zu entsorgen. Bei der EZB kann man eh nichts mehr kaputt machen.

@red: im bild zu sehen ist martin Schulz, nicht yves mersch.

Vollkommen egal

ein unnützer Geldverschwender.

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