Ai Weiwei tanzt den "Gangnam Style"

25. Oktober 2012, 09:48
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Chinesischer Dissident spielt auf Restriktionen seitens China an - Auch Ban Ki Moon tanzt zum Hit - Lied führt zu Spannungen zwischen Südkorea und Japan

Washington/Peking - Der regierungskritische chinesische Künstler Ai Weiwei ist dem Hype um den südkoreanischen Hit "Gangnam Style" erlegen: In einer Parodie auf den Clip des Rappers Psy, die seit Mittwoch auf dem Portal YouTube zu sehen ist, tanzt Ai gemeinsam mit anderen Menschen den dazugehörigen Tanz nach, der an einen Reiter auf einem Pferd erinnert. Der mit einem pinkfarbenen T-Shirt und einem schwarzen Anzug gekleidete Künstler holt in dem Video später ein paar Handschellen hervor - eine deutliche Anspielung auf die ihm von China auferlegten Restriktionen.

Der regierungskritische Künstler war im vergangenen Jahr 81 Tage lang an einem unbekannten Ort festgehalten worden. Seiner Firma droht wegen angeblicher Steuerhinterziehung die Schließung. Die chinesischen Behörden haben außerdem Ais Pass beschlagnahmt und ihn mit einem Reiseverbot belegt.

Zuvor hatte Psy auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zum Tanzen gebracht. Zu "Gangnam Style" hatten er und sein Landsmann Ban auf einer Pressekonferenz in New York am Dienstag offensichtlich viel Spaß.

"Jetzt habt ihr den berühmtesten und zweitberühmtesten Koreaner in einem Gebäude", sagte Psy zu den anwesenden Reportern. "Er ist so voller Energie, er kann dabei helfen, die Energiekrise zu überwinden", lobte Ban den Rapper. Die beiden machten Wellenbewegungen mit ihren gekreuzten Händen - ganz wie in Psys Video.

Das Lied hat unterdessen für weiteren Zündstoff in der schwierigen Beziehung zwischen Japan und Südkorea - Stichwort Inselstreit - gesorgt. Nachdem der Hit in japanischen Blogs verunglimpft und zudem unterstellt wurde, die massenhaften Klicks im Internet seien manipuliert worden, schoss das Institut für die Verbreitung südkoreanischer Kultur zurück und machte sich über den Geschmack der Japaner lustig.

Die "Verschwörungstheorien" rund um den auf YouTube erschienenen Clip seien vergleichbar damit, "einen Weltrekord beim Marathon in Frage zu stellen", erklärte der Präsident des Instituts, Han Koo Hyun. Das Verhalten der Japaner komme dem von "neidischen und eifersüchtigen Grundschulkindern" gleich. Den einzigen Hit, mit dem Japan derzeit auf YouTube punkten kann, bezeichnete er als "grotesk und lächerlich". Darin füllt eine junge Japanerin Minzbonbons in eine Sodaflasche, bis diese überschäumt. Der Clip sei "typisch" für den Geschmack der Japaner bei Musikvideos.

Der Song "Gangnam Style" wurde auf YouTube mittlerweile rund 530 Millionen Mal angeklickt, laut "Guinness-Buch" soll er den Rekord für das beliebteste YouTube-Video aller Zeiten halten. Der Hit stürmte die Charts in den USA und in Großbritannien und ist derzeit auch in Österreich Nummer Eins. In Japan dümpelt er aber auf den unteren Plätzen herum. (APA, 25.10.2012)

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