Die Krise holt jetzt auch Daimler ein

25. Oktober 2012, 09:08
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Daimler kürzt die Ebit-Prognose um eine Milliarde Euro, kämpft in Europa und China und vertröstet die Anleger auf später

Stuttgart - Daimler hat nach einem Gewinneinbruch im dritten Quartal die Ergebnisprognose für 2012 um eine Milliarde Euro reduziert und die angepeilten Renditeziele für 2013 gekippt. "Wegen der konjunkturellen Herausforderungen wird Daimler im Gesamtjahr 2012 nicht das hohe Vorjahres-Ebit erreichen", teilte Konzernchef Dieter Zetsche in einer versehentlich am Mittwochabend veröffentlichten Mitteilung des Stuttgarter Konzerns mit. Für dieses Jahr stellte er einen Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) im fortgeführten Geschäft von rund acht Milliarden Euro in Aussicht. Bislang hatte der Autobauer, der hohe Ausgaben für neue Autos und Motoren schultern muss, einen Betriebsgewinn von neun Milliarden Euro anvisiert.

Operativer Gewinn bricht ein

Trotz kräftigen Rückenwinds durch den schwächeren Euro brach der operative Gewinn im laufenden Geschäft im dritten Quartal auf 1,94 von 2,11 Milliarden Euro vor Jahresfrist ein. Auch der Nettogewinn sank auf 1,2 von 1,36 Milliarden Euro. Der seit 2006 an der Spitze von Daimler stehende Zetsche, der in Personalunion auch die schon länger mit sinkenden Margen kämpfende Mercedes-Pkw-Sparte leitet, kassierte daher die für 2013 angepeilten Renditeziele gleich mit ein: Diese könnten wegen des verschlechterten Marktumfelds erst später erreicht werden. Einen neuen Zeitpunkt nannte Daimler nicht und vertröstete die Investoren auf bessere Zeiten. Den Anlegern war bisher ab 2013 eine operative Rendite im gesamten Fahrzeuggeschäft von neun Prozent versprochen worden.

Vor allem bei der Ertragsperle Mercedes-Pkw, die ab 2013 dauerhaft eine Rendite von zehn Prozent abwerfen sollte, drückt Daimler der Schuh: Der Betriebsgewinn der umsatzstärksten und profitabelsten Konzernsparte schrumpfte im dritten Quartal auf 975 Millionen Euro von 1,108 Milliarden Euro vor Jahresfrist, die operative Marge rutschte noch stärker als von Analysten erwartet auf 6,4 von 8,0 Prozent ab. Konkurrent Audi verdient fast doppelt so viel. Für das Schlussquartal kündigte Daimler weitere Einbußen an, da das Händlernetz in China gestützt werden müsse. Mercedes macht sich dort mit zwei Pkw-Vertriebsgesellschaften selbst Konkurrenz, die Gesellschaften sollen zusammengeführt werden.

Gepatzt bei Veröffentlichung

Der wegen verfehlter Prognosen am Kapitalmarkt schon länger in der Kritik stehende Autobauer patzte bei der Veröffentlichung der Geschäftszahlen für das dritte Quartal erneut: Denn die ursprünglich erst für Donnerstag zur Veröffentlichung vorgesehene Mitteilung wurde versehentlich bereits am Mittwochabend versandt. Daimler bestätigte die versehentlich versandten Geschäftszahlen nach gut einer Stunde. Erst vor einer Woche hatte Google mit einer zu früh veröffentlichten Bilanz für Aufsehen gesorgt.

Angesichts der erheblich erschwerten Marktbedingungen habe Daimler noch "gute Ergebnisse" im dritten Quartal erzielt, erklärte Zetsche. Der Umsatz fiel mit einem Zuwachs um acht Prozent auf 28,6 Milliarden Euro höher als am Finanzmarkt erwartet aus, obwohl die Absatzflaute in den von der Staatsschuldenkrise gebeutelten südeuropäischen Ländern sich zuletzt auch in den Daimler-Verkaufsstatistiken niederschlug.

Außer dem Pkw-Geschäft geht inzwischen auch der Lkw-Markt nach der jüngsten Erholung schon wieder auf Talfahrt: Die Auftragseingänge von Daimler Trucks brachen wie bereits bei Volvo und Scania ein. Die zweitgrößte Konzernsparte verdiente operativ mit 507 (Vorjahr: 555) Millionen Euro im dritten Quartal deutlich weniger. Die Bus-Sparte rutschte sogar in die Verlustzone. Im vierten Quartal sei von einer schwächeren Nachfrage bei Lkw und Bussen auszugehen, stellte Daimler in Aussicht. Bei Pkw rechnen die Schwaben hingegen im Schlussquartal nochmals mit einem Absatzzuwachs, da vor allem in Nordamerika die Nachfrage noch gut ist. Der Konzernumsatz werde 2012 deutlich auf mehr als 110 Milliarden Euro steigen, 2011 waren es 106,5 Milliarden.

Dunkle Wolke am Konjunkturhimmel

Doch die dunklen Wolken am Konjunkturhimmel und der scharfe Wettbewerb in China - dem weltweit größten Pkw-Markt - haben das Management aufgerüttelt. In Europa dürfte die Pkw-Nachfrage 2012 auf den tiefsten Stand seit fast 20 Jahren fallen. Zetsche hatte daher bereits Ende September ein weiteres Sparprogramm namens "Fit for Leadership" angekündigt. Versteckt in einer Präsentation von Finanzvorstand Bodo Uebber für eine Analysten-Konferenz am Donnerstag bezifferte Daimler erstmals das Einsparziel. Bei Mercedes-Benz sollen die Kosten bis Ende 2014 um zwei Milliarden Euro sinken. "Wir streben an, einen Großteil dieses Volumens bereits im Jahr 2013 zu erreichen", führte der Finanzchef aus. Bei Forschung und Entwicklung sowie den Sachinvestitionen will der Autobauer demnach auf die Bremse treten. Mercedes-Produktionschef Wolfgang Bernhard hatte bereits im Frühjahr Kosteneinsparungen von sechs Milliarden Euro bis 2017 angekündigt.

Die meisten der 275.000 Mitarbeiter können zunächst aufatmen, denn auf Personalabbau bei der Stammbelegschaft will Daimler vorerst verzichten: Die Drosselung der Produktion werde über die Arbeitszeitkonten und die Zahl der Zeitarbeiter aufgefangen, heißt es im Quartalsbericht. (APA, 25.10.2012)

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