Bieraculix: Es zirbt

Kolumne28. Oktober 2012, 17:05
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Conrad Seidl über die neueste Kreation von "Bieraculix" Axel Kiesbye

Die Nachricht am Mittwoch der Vorwoche klang nicht gut: Brand im Braugasthof von Obertrum. Glücklicherweise ist dann doch nicht so viel passiert: Der Braugasthof hat wenig gelitten, das im Keller untergebrachte Bierkulturhaus von Braumeister Axel Kiesbye gar nicht. Sein Bier erst recht nicht.

Es wäre auch wirklich schade gewesen: Dieser Tage ist Kiesbyes neuestes Produkt auf den Markt gekommen - ein Bier, das deutlich macht, warum Axel von seinen Freunden Bieraculix genannt wird. Manchmal steht er ja wie der Druide im gallischen Comic-Strip am Sudkessel seiner Versuchsbrauerei und hantiert mit allerhand Kräutern. Und manchmal klettert er selbst in die Bäume, um die Zutaten zu schneiden. Und auch wenn er keine goldene Sichel verwendet, so gelingt ihm doch mancher Zaubertrank.

Rötlich-violette Zapfen

Das jüngst präsentierte Bier hätte jedenfalls das Zeug zum Kultgetränk - der Bieraculix ist dafür im heurigen Sommer ins Tiroler Radurschltal gewandert, hat dort in einem Revier der Bundesforste auf 2000 Meter Seehöhe ein paar Zirben ausgewählt und deren rötlich-violette Zapfen geerntet. Dann wurde aus viel Pilsner Malz und dem Aurora-Hopfen aus dem Mühlviertel ein Bockbier eingebraut, dem die stark aromatischen Zapfen zugesetzt wurden - als "Waldbier 2012" wird das Zirbenbier nun von den Bundesforsten vermarktet.

Zirben werden schon relativ lang in der Volksmedizin eingesetzt, ihr an frisch geschnittenes Holz und leicht an Terpentin erinnernder Duft soll beruhigend wirken. Kommerziell wurden die Samenstände der Zirbe bisher zur Produktion von Zirbengeist und Zirbenschnaps genutzt.

Altes Wissen wiederbeleben

Warum nun im Bier? Die einfache Erklärung: Weil die Bundesforste zeigen wollten, welch interessante Produkte ihr Wald hergibt. Man kann damit eine Menge Tamtam machen und (wenn auch in sehr bescheidenem Maß) Geld verdienen, wenn man die 0,75-Liter-Flasche um 8,60 Euro ab Rampe verkauft.

Aber diese Erklärung greift zu kurz - dem Bieraculix geht es um mehr als ein kommerzielles Produkt: Er will mit der Kooperation altes Wissen um (durch das Reinheitsgebot verdrängte) Bierzutaten wiederbeleben und natürlich auch die vor einem halben Jahrtausend gängigen Geschmackseindrücke wieder erfahrbar machen. In diesem Fall sind es waldhonigartige Aromen und das typische Zirbenbukett. In der Flasche kann dieses Bier mehrere Jahre nachreifen. (Conrad Seidl, Rondo, DER STANDARD, 25.10.2012)

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    Dann wurde aus viel Pilsner Malz und dem Aurora-Hopfen aus dem Mühlviertel ein Bockbier eingebraut.

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