Umfrage: Österreich steht besser da als übriges Europa

Die Österreicher sind stolz auf ihr Land - aber was heißt das genau? DER STANDARD hat nachfragen lassen und herausgefunden: Es sind die touristischen Klischees, die Identität vermitteln

Griesgrämigkeit? Wurstigkeit? Fremdschämen? Nichts davon. Österreich ist ein gutes Land - sagen seine Bürger. Und sie sind stolz auf Österreich. Das zeigt eine Market-Umfrage im Auftrag des STANDARD. Die Grafik links zeigt es überdeutlich: 37 Prozent der Wahlberechtigten geben die höchste Note auf einer zehnstufigen Skala, wenn sie gefragt werden, wie stolz sie sind, Österreicher zu sein.

Das entspricht einem langjährigen Schnitt, sagt Market-Chef Werner Beutelmeyer: "Die Bestnote wird üblicherweise von 35 bis 40 Prozent vergeben, im Vorjahr gab es einen Ausreißer mit 34 Prozent, 2010 einen mit 42 Prozent. Wenn man die Note zwei dazurechnet, reicht es immer dafür aus, dass deutlich mehr als die Hälfte der Befragten einen ziemlich hohen Stolz auf Österreich angeben."

Wobei der Nationalstolz durchaus eine politische Komponente hat: Gut die Hälfte der Wähler der Regierungsparteien geben die Bestnote, Anhänger von FPÖ und Stronach sind deutlich zurückhaltender, und Grün-Wähler wissen mit dem Konzept Nationalstolz überhaupt recht wenig anzufangen, auch Angehörige der höchsten Bildungsschicht sind bei der Benotung eher zurückhaltend.

Internationaler Vergleich

Anders ist es, wenn man zu einem internationalen Vergleich herausfordert. DER STANDARD ließ fragen: "Alles in allem gesehen: Wie steht es insgesamt um Österreich? Steht Österreich aus Ihrer Sicht heute eher besser da, etwa gleich gut oder eher schlechter da als andere Länder der Europäischen Union?" Daraufhin sagten 52 Prozent der Befragten, Österreich stehe heute besser da als andere EU-Mitglieder, nur sechs Prozent meinen, dass es Österreich schlechter gehe. 38 Prozent meinen, es gehe etwa gleich gut.

Dies ist ein signifikanter Unterschied zu einer ähnlichen Befragung mit gleicher Fragestellung vor zweieinhalb Jahren. Damals sagten nur 30 Prozent, dass es in Österreich besser laufe als in den übrigen EU-Mitgliedstaaten. Beutelmeyer: "Auffallend ist, dass die jüngeren und die höher gebildeten Befragten hier sehr viel selbstbewusster antworten - und dass es hier ein starkes West-Ost-Gefälle gibt. FPÖ- und Stronach-Wähler sind allerdings skeptisch."

Wobei sich die Frage stellt, worauf man eigentlich stolz ist, wenn man stolz auf Österreich ist.

Market stellte sie in zweifacher Weise: nach österreichischen Klischees und nach den Berufsgruppen, die Österreich irgendwie in der Welt repräsentieren. Die konkrete Fragestellung lautete: "Es gibt ja bei jedem Land Berufgruppen, die man besonders stark als imagebildend für das Land betrachtet, so ist Frankreich international für seine Köche bekannt oder die USA für die Schauspieler. Welche Berufsgruppen sind für Österreich wichtig, welche prägen Österreichs guten Ruf?"

Winzer führen die Liste an: Vergessen ist der Weinskandal - auf die Leistungen der heimischen Weinwirtschaft sind die Österreicher extrem stolz. 56 Prozent nennen die Weinbauern als eine das positive Image des Landes prägende Gruppe - Frauen stärker als Männer, Sozialdemokraten, FP-Wähler und Grüne stärker als Wähler anderer Parteien. Und auch jene, die in der Vorfrage gesagt hatten, dass sie weniger stolz auf Österreich wären, zollen den Winzern ihren Respekt.

Ärzte belegen mit 55 Prozent knapp den zweiten Platz. Für Beutelmeyer ein Beweis, dass der Ruf der Wiener Medizinischen Schule immer noch identitätsstiftend für Österreich ist - wobei die Details der Daten zeigen, dass Menschen mit niedrigem Bildungsniveau besonders auf den Ruf der Ärzte vertrauen.

Sportler liegen mit 53 Prozent ebenfalls in derselben Größenordnung - wobei Frauen die Sportler höher schätzen und ältere Befragte mehr Bewunderung aufbringen als jüngere. Beutelmeyer: "Wir haben uns das in einer anderen Umfrage angesehen. Felix Baumgartner hat mit seinem Stratos-Projekt die Welt beeindruckt. Auch seine Landsleute saßen gebannt vor dem Fernseher, allerdings trägt dieses Ereignis bei weitem weniger dazu bei, auf Österreich stolz zu sein als beispielsweise die Beteiligung österreichischer Sportler an den Paralympics."

Musiker leisten in den Augen von 49 Prozent Bedeutendes, um Österreichs Ruf in der Welt zu prägen - hier ist allerdings deutlich zu spüren, dass die Befragen über 30 ein positiveres Bild von der heimischen Musik haben als die jüngeren Österreicher.

Bauern sehen 45 Prozent als (positiv) imageprägende Berufsgruppe für Österreich - Frauen und ÖVP-Anhänger vergeben da besondere Sympathien. In diesem Zusammenhang macht es Sinn, die Grafik links näher zu betrachten: An oberster Position rangiert - seit vielen Jahren weitgehend unverändert - die landschaftliche Schönheit als bedeutendstes stolzstiftendes Merkmal Österreichs. Das erklärt auch die hohe Wertschätzung für die Bauern, die diese Landschaft pflegen.

Facharbeiter und Handwerker rangieren mit deutlichem Abstand im Mittelfeld - mit 35 beziehungsweise 36 Prozent Wertschätzung.

Köche finden bei 39 Prozent Anerkennung, Konditoren prägen für 33 Prozent das Bild des Landes - wobei SPÖ-Wähler, Frauen und Landbewohner sich auffallend oft als Schleckermäulchen bekennen. Gastwirte (23 Prozent), Hoteliers (19 Prozent) und Kellner (sieben Prozent) werden von den Österreichern deutlich weniger oft genannt - "obwohl wahrscheinlich die Begegnungen mit freundlichen oder allenfalls unfreundlichen Kellnern das Österreich-Bild von Touristen und damit im Ausland besonders nachhaltig prägen können", wie Beutelmeyer zu bedenken gibt.

Erfinder und andere technisch-industrielle Berufe finden in Österreich bestenfalls mittelmäßige Anerkennung: 28 Prozent loben die Erfinder, 22 Prozent nennen Wissenschafter, 18 Prozent Ingenieure, 17 Prozent Architekten und fünf Prozent Informatiker.

Industrielle haben mit 13 Prozent ein schlechteres Image als mittelständische Unternehmer, die es auf 21 Prozent bringen. Auffallend: ÖVP-Wähler finden besonders die mittelständischen Unternehmer bedeutsam, die SPÖ-Wähler halten sich im gleichen Maß an die Industriellen. Und Bankiers sind überall unten durch: Nur vier Prozent der Bevölkerung meinen, dass sie das Image Österreichs aufpolieren.

Da sind Journalisten und Soldaten (je elf Prozent), Psychiater (zehn Prozent), Lehrer und Pädagogen (neun Prozent), Fernsehmoderatoren (ebenfalls neun Prozent) und Designer (sieben Prozent) noch höher angesehen - allerdings bringen es Diplomaten auch nur auf fünf Prozent. Ganz am Schluss der Liste: neben den Bankiers die Verkäufer (vier Prozent), die Beamten (drei Prozent) und die Politiker (zwei Prozent).

Das stimmt mit der Liste links überein: Dort zeigt sich, dass das internationale Ansehen österreichischer Politiker von sieben Prozent im Jahr 2009 auf ein Prozent geschrumpft ist - und damit den letzten Platz belegt.

Eine Konstante in dieser Liste ist der Stolz auf die kulturellen Leistungen unseres Landes - 52 Prozent der Befragten nennen diesen Punkt, ein seit vielen Jahren konstanter Wert.

DER STANDARD ließ nachfragen, welche Künstler es denn sind, die von der Bevölkerung hochgeschätzt werden. Dabei rangieren die Musiker wie erwähnt sehr hoch (49 Prozent), die Schauspieler (23 Prozent - das ist dasselbe Niveau wie Bierbrauer und Gastwirte), die Literaten (20 Prozent) und die Maler (16 Prozent) deutlich dahinter.

Was ebenfalls auffällt: Die Befragten sagen mehrheitlich, dass sie sich gerecht behandelt fühlen. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 25./26.10.2012)

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