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Spindelegger hat in seiner Rede zum Nationalfeiertag die österreichischen Sekundärtugenden gepriesen: Verlässlichkeit, Fleiß, der Wille, es zu etwas zu bringen. Er tat recht daran, einmal darauf hinzuweisen, dass irgendwer den Wohlstand (und damit die soziale Sicherheit) erhalten muss, indem er Dinge und Dienstleistungen produziert, die irgendwer haben will. Dass Österreich bisher relativ gut durch die Krise gekommen ist; dass es nach einer neuen Studie der Statistik Austria den Österreichern "gut" bis "sehr gut" geht, hat auch etwas mit dieser Mentalität zu tun. Spindelegger hätte freilich noch hinzufügen können/müssen, dass die allermeisten Migranten auch fleißig etc. sind und zum Wohlstand beitragen.
Damit hätte er nämlich auch die Kehrseite ansprechen können: eine gewisse Engstirnigkeit, ein gewisser Provinzialismus und die Neigung ziemlich vieler braver Österreicher, auf mehr oder weniger gefährliche Populisten hereinzufallen. Davon abgesehen, werden die Sekundärtugenden nicht ausreichen. Die politische Klasse hat ihren Gestaltungswillen an den Populismus abgegeben, genießt aber trotzdem kaum mehr Vertrauen. Geistige Zentren wie die Universitäten oder die Kirche fretten sich so dahin. Österreich stagniert auf hohem Niveau. Das Gefühl, dass plötzlich alles anders sein könnte , will nicht schwinden. Allerdings auch nicht die Zuversicht, dass wir uns doch irgendwie durchwurschteln. (Hans Rauscher, DER STANDARD, 25./26.10.2012)
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der reaktionär-korrupten millionärspartei halt doch nicht lassen.
wie wär's herr rauscher, tretens doch einfach in die övp und werden's mitglied. vielleicht hilft das ja.
"Geistige Zentren wie die Universitäten oder die KIRCHE..."
Herr Rauscher, angesichts von solchen Aussagen:
http://derstandard.at/135025935... ssenschaft
...wie kommen sie dazu, die Kirche als geistiges Zentrum zu deklarieren? Diese Ewiggestrigenorganisation, die sich so perfekt in das Dummheitsverherrlichende Kleinbürgertum der ÖVP einfügt?
Was soll denn das heißen? Haben wir jetzt auch eine Bäckerklasse, Sonderschullehrerklasse und Journalistenklasse? Die Klasse der ehemaligen Finanzminister steht im Verdacht illegaler persönlicher Bereicherung, die einserkastlschreibende Klasse tritt oft unter der Bezeichnung Rau auf.
Oder wollen Sie suggerieren, das sind die anderen, wir haben damit nix zu tun und werden auch nie dazugehören? Wie demokratisch.
SchreibenS doch einfach: Die Politiker haben immer nur die Überzeugungen, die ihnen bei den nächsten Wahlen was bringen sollen, und wenns um nix geht, gar keine, hängen ihr Fähnlein in den Wind oder sowas.
Sie einen feststehenden wissenschaftlichen Begriff nicht kennen:
"Der Begriff politische Klasse, auch Classe politique, erstmals von dem italienischen Politikwissenschaftler Gaetano Mosca formuliert, bezeichnet allgemein die politische Führungsschicht, in kritischer Weise Politiker als selbstverfangene und machtversessene soziale Klasse.
Als sozialwissenschaftlicher Fachbegriff bezeichnet politische Klasse eine politische Elite, für die Politik nicht nur zum Erwerbsberuf geworden ist, sondern die sich zunehmend von der Bevölkerung abkapselt, sich nicht mehr durch Mobilität erneuert und dadurch von den Interessen entfernt, die sie zu vertreten beansprucht" (Wikipedia).
Mosca hat den Begriff im 19. (!) Jahrhundert formuliert, da waren die Verhältnisse ein bisserl anders.
Dass der Ausdruck heutzutage und in unseren politischen Breiten als "wissenschaftlicher Begriff" fungiert, wage ich zu bezweifeln.
Verwendet wird er allerdings im alltäglichen Diskurs in Frankreich, zur Beschimpfung der politisch Mächtigen, die dort ja durchwegs aus ein paar ganz wenigen Eliteschulen kommen, sodass das auch sinnvoll ist.
Mit den besten Grüßen,
ein Mitglied der Posterklasse.
Nur weil etwas vor 50 Jahren, 1m 19., 18. Jahrhundert oder in der Antike formuliert worden ist, muß es noch lange nicht falsch sein. Das gilt für philosophische Fragen sogar für die Naturwissenchaft, aber erst recht für Anthropologie und Politik.
bei solchen ehrwürdig-alten Erkenntnissen ist zumindest Vorsicht geboten. Etwa wenn Plato von "Demokratie" spricht, wennS schon was Philosohisches wollen. Bei all den Sklaven und Metöken und Frauen ohne Stimmrecht damals war das nach unseren heutigen Maßstäben bestenfalls eine ziemlich seltsame Oligarchie.
Und mit der "Politikerklasse" des 19. Jahrhunderts verhält es sich ungefähr wie mit der damaligen "Arbeiterklasse". Wenn Sie die heutigen Gewerkschaftsmitglieder in Österreich als "Arbeiterklasse" bezeichnen wollten, machen Sie vermutlich irgendwas falsch. ;)
Muß Ihnen ebenfalls insofern recht geben, gerade was die heutige Verwendung des Begriffs von politischer Klasse in Frankreich betrifft, die Sie anführen, der zweifellos nicht dem Begriff bei Mosca entspricht. Doch aber ist Mosca nach wie vor interessant, wenn er davon ausgeht, daß immer die Oligarchie ein bestimmendes Moment ist, außer in Diktaturen und totalitären Systemen (wobei ich auch letzteres bezweifeln möchte).
"Die politische Klasse hat ihren Gestaltungswillen an den Populismus abgegeben", schon wahr, die Rabauken aus dem rechten Eck geben die Themen vor, aber nun wird es rätselhaft:"genießt aber trotzdem kaum mehr Vertrauen." Trotzdem?
Das war nicht nett: "Geistige Zentren wie die Universitäten oder die Kirche fretten sich so dahin." Diese Kollokation haben sich die hart geprüften Unis nicht verdient.
"Dass Österreich bisher relativ gut durch die Krise gekommen ist; dass es nach einer neuen Studie der Statistik Austria den Österreichern "gut" bis "sehr gut" geht, hat auch etwas mit dieser Mentalität zu tun. Spindelegger hätte freilich noch hinzufügen können/müssen, dass die allermeisten Migranten auch fleißig etc. sind und zum Wohlstand beitragen."
Lieber Rau - manchmal frag ich mich schon, ob Provinzialismus einfach nichts anderes ist als eine ansteckende Krankheit?! Ist's echt so, dass wenn man über ein Spindelegger schreibt man plötzlich mit dem Kopf in einem Kürbis drinnensteckt und man "die Krise" durch die "Österreich" gut gekommen sei am "Fleiß" der Menschen festmacht. Da ist das Kerzel aber schon ziemlich weit runtergebrannt.
Wirtschaftspsychologie und der österreichischen Wirtschaftsstruktur beschäftigen.
Österreich lebt von zahlreichen kleinen bis mittleren Unternehmen, in denen disziplinierte Tüftler Qualitätsprodukte (bzw.-dienstleistungen) herstellen.
Sie sind einfach auf politisches Werbegeplatter reingefallen --- das ist natürlich unangenehm für Sie, aber kein Grund, gleich mit der mangelhaft intelligente Poster-Geste "Sie ham ja ka Ahnung" zu kommen.
Echt - ich dachte immer wir seinen der Appendix des deutschen Export-Egoismus, der seine Erfolge/und unsere Erfolge, auf dem schmerzenden Rücken einer ArbeiterInnenschaft einfährt, die sich bereits erklärt hat für ein paar markige Chauvinismus-Klopfer in den nationalen "Betrieb" einzuordnen.
Falls Sie demnächst nach Antworten für einen Wahlerfolg Stronachs suchen - dann denken Sie an mich.
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