Französischer Staat verhindert Peugeot-Crash

24. Oktober 2012, 19:21
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Mit sieben Milliarden Euro Garantien soll Peugeot gerettet werden. Der Sparkurs, zusammen mit Partner GM, wird aber fortgesetzt

Paris/Wien - Die Autobauer geraten in der schlimmsten Krise der Branche seit 20 Jahren immer stärker ins Schlingern. Erstmals in seiner über hundertjährigen Geschichte muss der französische Konzern Peugeot Staatshilfe beanspruchen. Am Mittwoch erteilte die französische Regierung grünes Licht für eine auf drei Jahre beschränkte Garantieübernahme im Umfang von sieben Milliarden Euro. Die Staatshilfe soll es der Banque PSA Finance, einer 100-Prozent-Tochter des Konzerns, ermöglichen, trotz einer Rückstufung durch die Ratingagentur Moody's weiterhin Geld aufnehmen zu können.

An den Börsen wurde die Nachricht mit herben Verlusten quittiert. Die Aktien von Europas zweitgrößtem Autobauer nach Volkswagen fielen um fünf Prozent auf unter sechs Euro, der tiefste Stand seit 1986.

Im Gegenzug für die staatliche Unterstützung muss sich PSA-Chef Philippe Varin verpflichten, den Aktionären keine Dividende und den Managern keine Boni mehr auszuzahlen. Der Sparplan mit der Streichung von 8000 Arbeitsplätzen - unter anderem in Paris-Aulnay - soll hingegen Bestand haben, wie Varin erklärte. Premierminister Jean-Marc Ayrault verlangte, dass jeder einzelne Mitarbeiter entweder firmenintern oder extern "eine Perspektive", das heißt eine Jobmöglichkeit, erhalten müsse. Dabei läuft es bei Peugeot derzeit äußerst schlecht, derzeit verliert der Konzern monatlich etwa 200 Mio. Euro.

Ford streicht 4300 Jobs

Die Reaktion der Franzosen: Sie versuchen mit Kooperationen zu sparen. Denn obwohl die beiden Sorgenkinder der europäischen Autoindustrie - Peugeot in Frankreich und Opel in Deutschland - nicht heiraten, geben sie sich doch immerhin die Hand. Die Konzernzentralen von Opel-Mutter General Motors und PSA Peugeot Citroën ließen am Mittwoch verlauten, dass ihre im Februar geschlossene Allianz in den Bau gemeinsamer Plattformen münden soll. Von einer Fusion, die GM und PSA gerüchteweise prüfen sollen, ist zwar nicht die Rede. Immerhin werden nun gemeinsame Untersätze gebaut werden, die frühestens Ende 2016 vom Fließband rollen. Die große Frage ist, welche Werke in Deutschland oder Frankreich diese Plattformen herstellen werden. Sprecher von Opel und Peugeot erklärten, diese Entscheidungen seien noch nicht gefällt.

Gebündelt wird auch der Einkauf von Opel- und Peugeot-Teilen. Dadurch wollen die Unternehmen 1,5 Mrd. Euro einsparen. Beide Hersteller verlieren im - ohnehin schrumpfenden - Europageschäft seit Jahren Marktanteile. PSA Peugeot Citroën musste gestern einen Rückgang der Autoverkäufe um 8,5 Prozent allein für das dritte Quartal bekanntgeben. Konzernweit sank der Umsatz um 3,9 Prozent auf 12,9 Mrd. Euro.

Auch der amerikanische Konzern Ford verschärft seine Sparmaßnahmen. Der US-Autohersteller macht seine Fabrik im belgischen Genk dicht, in zwei Jahren soll dort die Produktion auslaufen, 4300 Jobs gehen damit verloren. Auch das Ford-Werk im englischen Southampton steht Medienberichten zufolge auf der Kippe. Hintergrund ist der Einbruch der Verkaufszahlen vor allem in den Krisenstaaten Südeuropas. In Europa steuert Ford auf einen Milliardenverlust zu und hatte bereits ein Sparprogramm angekündigt.

Werksschließungen in Europa erwartet

Werksschließungen werden in Europa seit langem erwartet. Experten gehen davon aus, dass zwischen fünf und zehn Werke geschlossen werden könnten. Belgische Standorte sind immer wieder im Gespräch, weil die Gewerkschaften dort als schwach gelten.

Bei den international ausgerichteten Konzernen wie Volkswagen und Oberklasse-Herstellern wie BMW, Audi oder Mercedes-Benz erwarten Experten weniger drastische Sparmaßnahmen. Diese Anbieter können Absatzrückgänge in Europa anderswo wett machen. In den weltgrößten Pkw-Märkten China und USA laufen die Geschäfte weiter gut, und deutsche Limousinen und Geländewagen bleiben gefragt. Dagegen müssen sich die auf Europa beschränkten Massenhersteller auf eine Durststrecke einstellen. Danach wird die europäische Automobilindustrie anders aussehen, prognostiziert der Autoexperte Stefan Bratzel: "Die Zahl der unabhängigen Hersteller wird weiter zurückgehen". (brä, sulu, Reuters, DER STANDARD, 25.10.2012)

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    Nicht auf Kurs: Peugeot braucht Staatshilfe und will mithilfe seiner Kooperation mit GM und Opel weiter sparen.

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