Sat.1-Spielfilm über Onlinesucht bei Kindern: Das Internet ist böse

24. Oktober 2012, 19:16
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Den lieben langen Tag hängt das Kind an Netbook oder Smartphone und chattet mit seiner virtuellen Freundin Chrissy

Es läuft nicht gut im Leben der alleinerziehenden Mutter Katja Waiser (Annette Frier). Das Konto ist im Minus, die Ehe gescheitert, dann verliert sie auch noch den Job. Die 14-jährige Tochter Jessy kennt im Sat.1-Spielfilm von Dienstagabend "Online - meine Tochter in Gefahr" Freunde aus Fleisch und Blut nur aus dem Märchen.

Den lieben langen Tag hängt das Kind an Netbook oder Smartphone und chattet mit seiner virtuellen Freundin Chrissy. "Sie trifft sich nicht mit echten Menschen", klagt die Mutter. "Ach, die werden heute doch mit dem Internet groß", beschwichtigt der Vater. Und Jessy erklärt, dass sie im Netz eh 221 Followers habe.

Das passiert ziemlich am Anfang des Films, und zu diesem Zeitpunkt besteht durchaus Hoffnung, dass ein brisantes Thema ansprechend thematisiert wird. Kinder, die das Tennis-Game am Computer dem echten Sportverein vorziehen, gibt es ja genug. Eltern, die nicht wissen, was ihre Kinder im Internet so treiben, auch.

Schnell wird klar: Die liebe Chrissy ist in natura natürlich ein böser Mann, der die unschuldige Jessy in seine Fänge locken will. Auch damit ließe sich mit guten Willen noch ein Filmabend verbringen.

Dass der Bösling aber in Jessy seine vor 20 Jahren verstorbene kleine Schwester sieht und er es auch ist, der der Mutter per Internet all die unschönen Sachen zufügt (Kontoüberziehung, Jobverlust, Wohnungskündigung), ist so dermaßen hanebüchen, dass man sagen muss: Thema verschenkt.

Am Schluss wird's unfreiwillig noch zur Satire. Da sucht die Familie die von Chrissy gefangene Jessy auf eigene Faust - und setzt dabei voll auf das Internet, das zuvor 90 Minuten verdammt worden war. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 25./26.10.2012)

  • "Online - meine Tochter in Gefahr" auf Sat.1.
    foto: sat.1

    "Online - meine Tochter in Gefahr" auf Sat.1.

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