E-Control sieht viele Biogas-Betreiber vor Pleite

24. Oktober 2012, 19:13
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Energie aus Holz und Gülle zu gewinnen klingt bestechend. Einige Anlagenbetreiber stehen aber vor dem Ruin

Wien - Sie wurden als Schlüssel zur Lösung vieler Problemen angesehen: Biomasse und Biogas. Mittels Reststoffen, die andernfalls in freier Natur vermodern, sollte Energie gewonnen, die Öl- und Kohleabhängigkeit verringert und auch ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden. Außerdem hätten Bauern, die in ihrem angestammten Bereich schwer über die Runden kommen, als Energiewirte einen Zusatzverdienst. Knapp zehn Jahre später hat sich Ernüchterung breitgemacht.

Insbesondere unter Betreibern von Biogasanlagen geht die Angst um, was aus ihnen wird, wenn sie aus der Förderung fliegen. Einige Betreiber, die ihre Anlagen 2003, im ersten Jahr des Ökostromgesetzes, angemeldet haben, müssen dann ohne Einspeisetarife auskommen. Die anfänglich auf 13 und nun auf 15 Jahre verlängerten Garantiezahlungen laufen dann aus.

Zwei Drittel haben Probleme

"Von den gut 300 Biogasanlagen in Österreich funktioniert rund ein Drittel gut, zwei Drittel haben Probleme. Manche sind nicht mehr zu retten, die werden unweigerlich Konkurs machen", sagte E-Control-Geschäftsführer Martin Graf dem Standard.

Die Regulierungsbehörde will im Gespräch mit der Branche Möglichkeiten ausloten und Kriterien definieren, ob und wie es weitere Hilfen geben kann. "Wir stehen am Anfang der Diskussion," sagte Graf. "Jede Anlage ist getrennt zu betrachten. Nur zu sagen, wir schicken alle in Konkurs, kann es auch nicht sein. Dazu steckt zu viel Geld drinnen."

Allein an die Biogasproduzenten ist bisher mehr als eine halbe Mrd. Euro an Unterstützung geflossen. Das Geld stammt aus der Ökostromumlage, die von Haushalten, Gewerbe und (in geringerem Maße) auch Industrie über die Stromrechnung finanziert wird.

Neben schlechter Standortwahl ist vor allem auch die Abhängigkeit vom Rohstoff unterschätzt worden. Die Preise von Mais und anderer Ingredienzien zum Anfachen des für die Gasgewinnung nötigen Gärprozesses hat wahre Höhenflüge hingelegt. Nachträglich gewährte Rohstoffkostenzuschüsse waren da nur mehr ein Tropfen auf den heißen Stein.

Tief in den Schulden

"Viele Betreiber stecken tief in Schulden. Die kommen von allein nicht mehr herunter", meint Hans Köppl. Der geborene Ybbser ist ein Pionier im Bereich Biomasse und auch mit Biogas bestens vertraut. Er hat die Biogasanlage Amstetten, die von den Vorbesitzern zugrunde gewirtschaftet wurde, vor einem Jahr aus der Insolvenzmasse erworben und saniert. Köppl: "Vielen fehlt auch das Wissen, so eine Anlage richtig zu betreiben".

Österreichs Biogasanlagen könnten weit effizienter sein, meint auch Norbert Hummel, Vizeobmann der Arge Kompost und Biogas. Es tue ihm weh, Anlagen zu sehen, in denen viel Herzblut und privates Kapital stecke und deren Betreiber auf reichlich Erfahrung zurückgreifen könnten, um diese technologisch weiterzuentwickeln. Die Rahmenbedingungen ließen dies nicht zu. "Es findet sich keine Bank, die das finanziert." Die Anlagen hätten im Schnitt 250.000 Euro Schulden mehr, als es ihr Geschäftsplan vorsehe. Ohne Förderungen müsse ein Großteil zusperren.

Seine Branche gehe es jedoch nicht darum, auf ewig gefördert zu werden, sondern die Möglichkeit zu erhalten, eine Technik weiterzuentwickeln. Er hoffe, dass sich diese Erkenntnis in den kommenden zwei, drei Jahren abseits der reinen Teller-Tank-Diskussion noch durchsetze. (Günther Strobl, Verena Kainrath, DER STANDARD, 25.10.2012)
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    Ferkel als Rohstofflieferanten für die Biogasanlage im Hintergrund. Nicht nur Gülle, auch Gras, Maissilage und andere Zutaten erhalten den für die Gasproduktion nötigen Gärprozess aufrecht.

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