Problempaar Biomasse und Biogas: Überfo(ö)rdert

Kommentar24. Oktober 2012, 18:56
71 Postings

Biomasse- und Biogasanlagen schossen wie Schwammerln aus dem Boden. Die meisten können sich mehr schlecht als recht über Wasser halten

Energie erzeugen mit Reststoffen aus Wald, Stall und Wiese - was kann daran schon kompliziert sein? Das dachten sich auch viele Bauern. Angesichts des von Amts wegen ausgelösten Förderregens mutierten viele Landwirte zu Energiewirten. Biomasse- und Biogasanlagen schossen wie Schwammerln aus dem Boden. Einige wenige entwickelten sich gut. Die allermeisten können sich nur dank der in einer Art Feuerwehraktion gewährten Rohstoffzuschläge mehr schlecht als recht über Wasser halten.

Die Liste begangener Fehler ist lang. In den Anfangsjahren wurden Anlagen in der sprichwörtlichen Pampa errichtet. Dass man die Wärme, die bei der Verstromung anfällt, auch gewinnbringend an Haushalte oder Industrieunternehmen verklopfen könnte, wurde nicht bedacht. Richtig blauäugig waren die Neo-Energiewirte, was den Rohstoff betrifft: Die Möglichkeit einer Verteuerung wurde schlicht ignoriert. Als dann die Preise explodierten, fehlte es hinten und vorn. Dass speziell Biogasanlagen viel Zeit, Einsatz und Wissen erfordern, aber zumindest eine dieser drei Voraussetzungen meist nicht gegeben war - wen wundert' s.

Viele Bauern, die möglicherweise vom schnellen Geld im Strombusiness geträumt haben, waren schlicht überfordert. Nun dem Ruf nach weiteren Förderungen nachzugeben wäre aber das falsche Signal. Risiko eingehen heißt, dass man auch auf die Nase fallen kann, wenn das Geschäftsmodell nicht trägt - trotz üppiger Einspeisetarife. (Günther Strobl, DER STANDARD, 25./26.10.2012)

Share if you care.