Ab 55 verdoppelt sich Schlaganfall-Häufigkeit mit jeder Dekade

24. Oktober 2012, 18:56
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Schlaganfall ist heute die dritthäufigste Todesursache. Das Risiko nimmt besonders durch Fettleibigkeit und Nikotinabusus zu

Krems/Wien - "Ab dem 55. Lebensjahr verdoppelt sich die Schlaganfall-Häufigkeit mit jedem Lebensjahrzehnt. Allerdings beschränkt sich das Risiko nicht nur auf ältere Menschen: 5,6 Prozent der in Österreich Betroffenen sind zwischen 18 und 45 Jahre alt und 8,5 Prozent zwischen 46 und 55 Jahre", sagte Michael Brainin, Präsident der European Stroke Organisation (ESO) und Departmentleiter für Klinische Neurowissenschaften an der Donau Universität Krems, bei einem Pressegespräch im Vorfeld des Welt-Schlaganfall-Tages 2012.

Die jährliche Anzahl von Neuerkrankungen liegt in Europa bei 250 bis 280 pro 100.000 Einwohner, was in Summe etwa 600.000 Schlaganfälle ergibt. Wird auch Russland berücksichtigt, belaufen sich die Schätzungen auf eine Million Erkrankte. In Österreich sind pro Jahr rund 25.000 Schlaganfälle zu verzeichnen. "Die Häufigkeit nimmt in Europa von Westen nach Osten zu, weil in den ehemaligen kommunistischen Ländern die Risikofaktoren für den Schlaganfall noch immer ausgeprägter sind", erklärte Brainin.

Inzidenzrate bei jungen Menschen gestiegen

"Bei jüngeren und älteren Menschen zeigen sich gegenwärtig unterschiedliche Entwicklungen. Untersuchungen aus den USA konstatieren, dass die Inzidenzraten des Schlaganfalls bei jüngeren Menschen aufgrund vaskulärer Risikofaktoren wie Fettleibigkeit und Rauchen zunehmen", so der Experte. In einer Studie aus England wurde in den letzten 30 Jahren eine Abnahme der altersbezogenen Schlaganfall-Inzidenz im höheren Lebensalter festgestellt. Das wird als Indiz dafür gesehen, dass Maßnahmen der Prävention im mittleren und höheren Lebensalter greifen. "Durch das Älterwerden der Gesellschaft nimmt allerdings die Gesamtzahl der Schlaganfälle in Europa weiter zu", betonte Brainin. 

Der manifeste Schlaganfall ist nach Meinung des Experten nur die "Spitze eines Eisbergs": Sechs von sieben ischämischen - also auf Minderdurchblutung zurückzuführende - Ereignissen des Gehirns führen nicht zu akuten Lähmungen oder anderen Ausfällen, weil sie in klinisch "stummen" Regionen des Gehirns ablaufen. (red, derStandard.at, 24.10.2012)

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