Viele Ökonominnen, kaum Chance in EZB-Spitze

24. Oktober 2012, 18:31
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EU-Gipfel wird Yves Mersch bestätigen, Ersatzliste der Grünen ohne echte Alternative

Straßburg - Im Streit um die Nachbesetzung im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte der Rat der Staats- und Regierungschefs beim Budgetgipfel im November Yves Mersch, den Notenbankchef von Luxemburg, als sechstes Mitglied der EZB-Spitze bestätigen - egal wie das Votum des EU-Parlaments in Straßburg ausgeht.

Da das Parlament lediglich Anhörungsrecht habe, die Zentralbank wie im Verfahren vorgesehen Mersch bereits die Unterstützung aussprach, gebe es keinen Grund von der Entscheidung Abstand zu nehmen, erfuhr der Standard aus Regierungskreisen. Das Plenum stimmt, wie berichtet, heute Donnerstag, ab, nachdem der zuständige Ausschuss für Wirtschaft und Währung den einzigen Kandidaten abgelehnt hat, weil er eine Frau bevorzugte.

Mehrheit gegen Mersch zeichnet sich ab

Es zeichnet sich eine Mehrheit gegen Mersch ab: In einer Probeabstimmung der SP-Fraktion sprachen sich Dienstag nur wenige für ihn aus. Die Grünen beharren darauf, dass eine Frau als Kandidat nominiert wird, und auch bei den Liberalen und in der Fraktion der Europäischen Volkspartei werden viele gegen Mersch stimmen.

Der Ärger der Parlamentarier hat sich daran entzündet, dass die Regierungschefs eine EZB-Direktorin nicht einmal in Betracht gezogen haben. Die Grünen haben eine Liste möglicher Kandidatinnen - durch die Bank renommierte Ökonominnen aus ganz Europa - erstellt. Aber: Praktisch keine hätte eine Chance, vom EU-Gipfel in die engere Wahl genommen zu werden. So finden sich unter 13 Kandidatinnen etwa zwei Französinnen, zwei Deutsche und zwei Italienerinnen, aus großen EU-Ländern also, die bereits im EZB-Direktorium vertreten sind: inakzeptabel für Europartnerländer, die Ausgleich und Ersatz für einen Spanier suchen.

Auch eine Britin wie Anne Sibert ist als Vorschlag kaum ernst gemeint. Da Finnland bereits mit Olli Rehn bereits den Währungskommissar stellt, käme Anne Brunila und Sinikka Salo kaum in Frage. Einzig Vizenotenbankchefin Stanislava Zadravec Caprirolo aus Slowenien hätte eventuell reale Chancen gehabt. (Thomas Mayer, DER STANDARD, 25.10.2012)

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